08.06.2016, 00:00 Uhr

Peter Anich-Hütte in Rietz – ein Schatz des TKI

Peter-Anich Hütte in Rietz. Die Saison geht heuer vom 15. Juni bis frühestens 15. 9. 2016. (Foto: Buch „Hüttenschätze“ von Winfried Schatz)

Der Touristenklub Innsbruck (TKI) ist Eigentümer einiger Hütten in Tirol, darunter die Peter Anich-Hütte in Rietz. Ihre wechselhafte Geschichte ist kürzlich in einem Buch erschienen.

REGION. Autor Winfried Schatz kennt sie genau, die „Hüttenschätze“ des Touristenklub Innsbruck und das umfangreiche Wegenetz rund um die beliebten Ausflugsziele. Die Edmund-Graf-Hütte, die Innsbrucker Hütte, das Patscherkofelhaus und die Peter-Anich-Hütte in Rietz portraitiert der inzwischen pensionierte Pflichtschullehrer aus Telfs in seinem neuen Buch und beschreibt die von ihm selbst abgegangenen Wandertouren von und zu diesen Hütten. In Rietz hat sich der Autor nicht nur die Peter-Anich-Hütte und die Ziele in den Nachbarregionen in 9 Tourenbeschreibungen erschlossen (u.a. eine Durchquerung der Hochedergruppe ab Oberperfuss in 2 bis 3 Tagen), er begab sich auch auf einen kulturellen (Pflicht-)Rundgang durch das Dorf.
Das Buch (Auflage 1000 Stück) ist im Buchhandel erhältlich oder unter Mail wf.schatz@tsn.at (24 €).
„Das Buch beinhaltet eine Gesamtschau einer 133 Jahre andauernden, erfolgreichen Vereinstätigkeit einer Alpenvereinssektion, die in Innsbruck ihren Sitz hat“, erklärt Schatz. Hier bringen Auszüge aus dem Buch zur Entstehung und weiteren Geschichte der Hütte:

Entstehung der Peter Anich-Hütte in Rietz

Die auf 1909 m Seehöhe gelegene Peter-Anich-Hütte in Rietz wurde am 27. Juli 1884 vom Eigentümer, dem Österreichischen Touristenklub (ÖTC) eröffnet.
Die Gemeinde Rietz hat unbürokratisch ihre Zustimmung erteilt, den Bauplatz hat man frei wählen können. Das Zirbenholz findet man in der Nachbarschaft, die Fugen werden mit Moos abgedichtet.
Die neu gegründete Sektion Rietz des ÖTC-Gesamtverein übernimmt 1886 die Bewartung der Hütte, verbessert die Einrichtung, erledigt allfällige Reparaturen und sorgt für die Markierung des Wegenetzes.
Ab 1888 muss aus finanziellen Gründen die Sektion Innsbruck-Wilten für die Hütte sorgen.
Ab 1898 findet sich in den Unterlagen mit Anton Groa ein erster Bewirtschafter.
Nach der Jahrhundertwende verfällt aus wirtschaftlichen Gründen die Unterkunft. In den Jahren des Ersten Weltkrieges und danach hat man andere Sorgen, es fehlt an Mitgliedern und Geld. Als man 1924 die Bewirtschaftung wieder aufnimmt, ist man über den guten Besuch überrascht. Bereitwillig macht man sich an eine Renovierung, bei der 1926 (!) sogar Flugzeuge der Deutschen Lufthansa probeweise Baumaterialien und Lebensmittel abwerfen.
1928 übereignet der ÖTC-Gesamtverein der Sektion Innsbruck – Wilten die Anichhütte. Erst jetzt wird der dazugehörende Grund gekauft und ins Grundbuch eingetragen. Zusätzlich sichert man sich das Wasserrecht. Drei Jahre später wurde die einfache Behausung durch eine kleine Stube und eine Schlafkammer erweitert, das Dach repariert und ein Kamin eingebaut. Am 16. 9. 1934 feiert man 50 Jahre Peter-Anich-Hütte.
Ein Jahr später kündigt der Pächter, weil in der armen Zeit kein Geschäft mehr zu machen ist: Viele Besucher verpflegen sich selbst auf den bereit gestellten Tischen.
Nach dem 2. Weltkrieg bleiben die Gäste aus.
Die Peter-Anich-Hütte ist und bleibt für den Verein ein Zuschussbetrieb und somit ein Sorgenkind.
In der Hoffnung auf bessere Gästefrequenz stimmt man in den 60er Jahren auch für den Bau eines Güterweges zu.
Die Gemeinde verhinderte die Umwandlung des Hauses zu einem Jugendheim. Die neuen Pächter, das Ehepaar Köll, investiert viel Eigenleistung in die Wohnlichkeit des Gebäudes. Weitere schwierige Zeiten brachen an:
1989 droht die Behörde mit der Schließung der Hütte wegen Baufälligkeit. Auch ein Verkauf der Liegenschaft stand im Raum. Für 1990 wird überraschend eine Sperre verfügt. Der OEAV-Gesamtverein kämpfte um den Weiterbestand. Die Hütte wurde generalsaniert und am 8. September 1991 wurde der Bau eingeweiht und den Pächtern Perkhofer übergeben.
Fast jedes Jahr wird der Peter-Anich-Höhenweg zur Pfaffenhofener Alm durch Felssturz oder Unwetter unterbrochen. Thema war auch immer die Trinkwasserversorgung, die in den 90er Jahren und bis 2009 immer wieder verbessert werden musste.

Mehr zur Hütte und Tourentipps lesen Sie im Buch.

Pächter der Peter-Anich-Hütte

1898 Anton Groa, 1901 Johann Mair, 1903 Peter Neuner,
1914 Heinrich Schweigl, 1925 Alois Mair, 1930 Dagobert Hackl,
1935 Johann Köll, 1943 Hermann Hackl, 1947 Maria Köll / Josef Mair,
1955 Balbina Prantl, 1956 Maria Kratzer, 1957 Josef Zauner,
1959 Margarethe und Heinrich Fischer, 1962 Emmi und Alois Köll,
1964 Paula und Josef Spirk, 1974 Johann Plank, 1976 Berta und Hans Perkhofer, 1988 Berta Perkhofer, 1989 Cillli und Josef Perkhofer, Anton Perkhofer, 1999 Sonja und Josef Sager, 2006 Robert ?
2007 Andrea Platter / Rainer Lassnig, 2011 Burgi und Lois Krug,
2014 Stefan Seelos, 2015 Martin Perkhofer / Daniel Schilcher
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