19.08.2016, 14:58 Uhr

Infos und Bedenken: Gemeinde Telfs klärte über Asylheim im Zentrum auf

Über hundert Anrainer und Gemeindepolitiker sowie Interessierte folgten der Einladung und äußerten ihre Sorgen und stellten Fragen. (Foto: MG Telfs/Dietrich)

Aufregung im Zentrum der Marktgemeinde Telfs: Unweit vom bestehenden Asylwerberheim mit über 70 Flüchtlingen soll, wie berichtet, in der ehemaligen Jacoby-Schule in der Bahnhofstraße ein weitere Heim für unbegleitete Minderjährige betrieben werden.

TELFS. Die Marktgemeinde Telfs hat am Mittwoch, 17. August, zu einem Informationsabend im Hotel Munde geladen. Vor allem wollte Bürgermeister Christian Härting Anrainer und Betroffene sowie Unternehmer über das Vorhaben aufklären. In der geplanten Wohngemeinschaft in der Bahnhofstraße 9a, im Gebäude der ehemaligen Heinricht Jacoby-Schule, sollen künftig 21 minderjährige Flüchtlinge durch die Bildungs-GmbH Ibis Acam rund um die Uhr betreut werden.

Über hundert Anrainer folgten der Einladung und äußerten ihre Sorgen und stellten Fragen. Darunter auch UnternehmerInnen, die mit einer Unterschriftenaktion gegen das geplant Heim mobil machen.
Unterschriften-Initiator GR Sepp Köll (Telfs Neu) beklagte eine Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit. Näher wollte er sich über die Fragestellung und die Anzahl der Unterschriften nicht äußern, erntete dafür Kritik von Bgm. Härting, der meint, diese Aktion sei unseriös geführt.

Telfs will Quote in kleinen Einheiten erfüllen

Bgm. Härting erinnerte an die vom Land geforderten Unterbringungsquote für Flüchtlinge. Land und Bund könnten Massenquartiere verordnen, dem will man vorbeugen und die Unterbringung von über 230 Flüchtlingen, die nach der Quote auf Telfs zukämen, auf kleinere Einheiten aufteilen.
Weiters informierten Vertreter von Ibis Acam, die 14 bis 18 Jahre alten Asylwerber, die ohne erwachsene Begleiter in Österreich angekommen sind, sollen hier intensiv Deutsch lernen und einen geregelten Tagesablauf haben. Sollte es nötig sein, können die Anrainer die Betreuer 24 Stunden lang telefonisch erreichen.

Larissa Pöschl, Geschäftsführerin des Telfer Sozialsprengels Telfs u.U., wies darauf hin, dass es in Telfs viele Helfer/innen gibt, die sich gerne um die Flüchtlinge kümmern und plädierte für eine konstruktive Mitarbeit, jeder kann sich einbringen und die Flüchtlinge z.B. beim Deutsch lernen zu unterstützen.

Auch die Scharnitzer Bürgermeisterin Isabella Blaha wollte mit ihrem Bericht Ängste vorbeugen, in ihrer Gemeinde hat man bisher keine Probleme mit minderjährigen Flüchtlingen, wohl aber durch subjektive Wahrnehmungen, Gerüchte und Falschmeldungen. Auch TelferInnen meldeten sich zu Wort, die bisher keine negativen Erfahrungen mit den Asylwerbern im Ort gemacht haben.

Überfremdung und neuer Zugang

Ängste und Befürchtungen haben die Telfer vor allem wegen einer Überfremdung im Zentrum, viele sorgen sich auch über die Sicherheit. Thema war zudem ein neuer Zugang zur Wohngemeinschaft abseits der Bahnhofstraße.

STELLUNGNAHME von Unternehmer und Gemeinderat Sepp Köll (Telfs Neu)

... im Namen von TELFS NEU, ÖVP, FPÖ, PZT/SPÖ Telfs, Bürgerliste Klieber.
Ängste und Bedenken der Anrainer wurden als „lächerlich“ und „nicht ernst
zu nehmend“ abgekanzelt.

"Auf die vorgebrachten Bedenken der Anrainer der Bahnhofstrasse bei der
Informationsveranstaltung am Mittwoch, den 17.8., wurde zu wenig bis gar nicht eingegangen. Und zum Schluss zeigte der Bürgermeister sein wahres Gesicht. Die vorgebrachte einhellige Meinung der Anrainer und Geschäftstreibenden der Bahnhofstraße, dass sich dieser Standort negativ auf die Entwicklung von Telfs und der so beworbenen Ankurbelung der Wirtschaft auswirken könnte, wurde durch
Taktieren und Vortragen von positive Berichten über Flüchtlinge in Scharnitz etc. abgeschwächt bzw. als nicht der Realität entsprechend abgetan. Geht es nach den vorgebrachten Argumenten der Befürworter, ist es für Telfs ein Segen, Flüchtlinge aufzunehmen.
Auch die Betreibergesellschaft IBIS ACAM GmbH kann keine Erfahrungen in der Betreuung solcher Flüchtlinge aufweisen, und was noch bedenklicher ist, ist diese Gesellschaft auf Gewinn ausgerichtet, und das unter dem sozialen Deckmantel und auf Kosten Not leidender Menschen.
Eines ist klar: Sollten die Einnahmen bzw. der zu erzielende Gewinn nicht den Erwartungen entsprechen, wird an den Ausgaben gespart, was logischerweise wieder zu Lasten der Betroffenen geht. Hat doch die betreffende Vertreterin der Fa. IBIS ACAM GmbH bereits zugegeben, dass der vorgeschriebene Betreuungsschlüssel in dieser Form nicht eingehalten werden kann.
Dass die Unterbringung von Flüchtlingen mit den Förderung und Zuwendungen des Landes zusammenhängt, machte Härting schon in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates klar.
Wir, die unterzeichnenden Parteien, verwehren uns hiermit gegen die Politik des „DARÜBERFAHRENS“ und verlangen, dass sich der Gemeindechef vorrangig um die Telfer und Telferinnen kümmert, anstatt sich als Vorzeigeschüler beim Land Tirol beliebt zu machen.
Um die Angelegenheit sachlich aufzuarbeiten, ist es unserer Meinung nach unumgänglich, ein Bürgerforum ins Leben zu rufen, und erst nach Zustimmung der Bevölkerung ein Projekt weiter zu forcieren."
TELFS NEU, ÖVP, FPÖ, PZT/SPÖ Telfs, Bürgerliste Klieber.
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