27.07.2016, 13:22 Uhr

Interview: Dr. Georg Mackner von der TSD GmbH informiert über Quartiere für Flüchtlinge

Mag. Dr. Georg Mackner, zuständig für die Kommunikation in der "Tiroler Soziale Dienste GmbH." (Foto: Larcher)
TELFS (tusa). Die Unterbringung von Asylwerbern ist Thema in allen Gemeinden, diese müssen jeweils bezogen auf die Einwohnerzahl eine 1,5%ige Quote erfüllen. Die Forderung an die Gemeinden ist nach wie vor unverändert, informiert Dr. Georg Mackner von der Tiroler Soziale Dienste GmbH. Es müssen alle auf einen weiteren Flüchtlingszustrom vorbereitet sein.

Was sind die Grundvoraussetzungen für ein mögliches Quartier für Asylwerber bzw. welche Anforderungen werden an ein Quartier gestellt?
DR. GEORG MACKNER: Die Tiroler Soziale Dienste GmbH. benötigt für eine qualitativ nachhaltige Unterbringung funktionierende Grundvoraussetzungen. Zunächst sollte festgestellt werden, ob das Gebäude, das als Asylwerberheim verwendet werden soll, in einem guten baulichen Zustand ist, Brandschutzvorschriften erfüllt werden oder auch genügend Räumlichkeiten und Sanitäranlagen für die Bewohner des Heims zur Verfügung stehen. Diese Kriterien müssen vom Vermieter erfüllt werden, u. a. auch eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, die Erreichbarkeit der Nahversorger, der Zugang zu Kindergärten und Pflichtschulen sowie Angebote für die Freizeitgestaltung.

Telfs hat bereits 70 Asylwerber/innen aufgenommen. Um die Quote zu erfüllen, müsste Telfs insgesamt 220 Asylwerbern Unterkünfte bieten. Wie groß ist aber auch der Druck auf manch andere Gemeinde in der Umgebung?
Dr. MACKNER: Die erwünschte Asylwerberquote für die Tiroler Gemeinden beträgt 1.5%, jede Gemeinde sollte eine gewisse Anzahl an Asylwerber/innen aufnehmen. Allerdings hängt die Erfüllung dieser Quote stark von beispielsweise den Kindergarten- oder Schulkapazitäten der Gemeinden ab. Wichtig ist daher primär, dass Menschen so gut wie möglich in Unterkünften untergebracht werden und ein gutes Miteinander möglich ist. Somit kann auch unter Umständen vorkommen, dass die 1.5%-Quote nicht erfüllt wird. Wir bemühen uns eine faire Aufteilung in allen Gemeinden zu schaffen. Gegenwärtig sind wir im gesamten Bundesland bemüht weitere Unterkünfte gemäß und mit Rücksicht auf die kommunale Infrastruktur zu schaffen.

Gibt es bestimmte Kriterien bei der Aufteilung von Menschen aus verschiedenen Ländern in den Unterkünften?
Dr. MACKNER: Ja, wir nehmen in diesem Fall sorgfältig Rücksicht auf den individuellen Hintergrund der Personen. Herkunft, Ethnie, Konfession, Alter, familiäre Situation sind u.a. wichtige Faktoren.

In bestimmten Medien wird oft über Zwischenfälle in Asylwerberunterkünften berichtet. Wie sieht die Realität bei uns aus?
Dr. MACKNER: Wir achten durch unser professionelles Klientenmanagement-System sehr genau auf die adäquate Zusammensetzung von beispielsweise Ethnie, Religion und Alter. Wir haben nur wenige Heime bzw. Häuser, in denen mehr als 100 Personen untergebracht sind. Unsere Betreuungsstrukturen sind daher auch wesentlich kleiner und nicht mit Großunterkünften zu vergleichen. Dies erleichtert uns, dass Friktionen einfacher entschärft werden oder es gar nicht zu Unstimmigkeiten kommt.

Wie kann die Akzeptanz für Flüchtlingsunterkünfte erhöht und Vorurteile abgebaut werden?
Dr. MACKNER: Um die Bevölkerung zum Thema Flüchtlinge und Asylwerberheime zu informieren, organisieren wir immer wieder Informationsveranstaltungen. Hier kommen natürlich unterschiedliche Einstellungen zum Thema hervor, weshalb es sehr wichtig ist, dass der Bevölkerung Zeit für Reflexion gegeben werden sollte und sich die erste Aufregung gelegt hat. Das dauert in den meisten Fällen zwei bis drei Monate. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Flucht ein Gesicht braucht und gegenseitiges Verständnis erfordert. Das hat uns die Erfahrung gezeigt. Nachdem die Flüchtlinge tatsächlich ankommen und die Bevölkerung sich für eine verständnisvolle Aufnahme dieser Menschen entscheidet, gibt es im Regelfall keine Probleme mehr. Mit der Zeit und dem Mut zur Kontaktaufnahme kommt es zu einem guten Zusammenleben in der Gemeinde und besonders durch den Kontakt zu diesen Menschen wie auch ihren einzelnen Schicksalen können Vorurteile abgebaut sowie Ängste bewältigt werden. Erst ein Vertrauensaufbau führt auch dazu, dass ebenso kritische Personen langsam einen besseren Zugang zum Thema finden.

Welche Weiterbildungsangebote gibt es insbesondere für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge?
Dr. MACKNER: Wir versuchen die Menschen bei der Ausbildung und ihrem beruflichen Werdegang frühzeitig zu unterstützen. Daher ist es primär wichtig, dass besonders Jugendliche in das Bildungssystem eingebunden werden. Dabei spielt die Zusammenarbeit mit Schulen aber auch mit einzelnen Lehrbetrieben und dem AMS eine große Rolle. Wir versuchen uns am Arbeitsmarkt zu orientieren und bieten Jugendlichen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr Lehrberufe im Bereich der Mangelberufe an, natürlich nach Absprache mit den Jugendlichen. Dazu führen wir gerade eine breit angelegte Kompetenzanalyse bei allen unseren Klientinnen und Klienten durch, um zu erfahren, welche Ausbildungen, Vorkenntnisse und Interessen diese haben.

Wie kann man diese jungen Menschen so gut wie möglich in das Gemeindeleben integrieren und auf welche Art und Weise kann die Bevölkerung den Jugendlichen das ermöglichen bzw. ihnen entgegenkommen?
Dr. MACKNER: Die Integration in das Gemeindeleben geschieht durch Beschäftigungen innerhalb der Gemeinde und durch die Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Ebenso spielt dabei die Möglichkeit der Freizeitgestaltung und insbesondere die Aufnahme und Mitwirkung bei Vereinen eine große Rolle.
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