03.08.2016, 13:52 Uhr

"Angst darfst du hier keine haben"

Inspektor Verena Ebster-Schwarzenberger wacht mit 92 Kollegen über 227 Gefangene in der JVA Salzburg in Urstein.

Noch kein Fluchtversuch, aber hin und wieder fliegt etwas aus dem Fenster. Zu Besuch in der Justizanstalt.

SALZBURG/PUCH/ST. VEIT (tres). "Achtung, da müssen wir aufpassen, weil ab und zu fliegt etwas herunter", erklärt Johannes Ebner, Leiter-Stellvertreter der Justizanstalt Salzburg in Puch-Urstein und zieht uns im JVA-Innenhof unter das Dach.
Was genau fliegt von den vergitterten Fenstern herunter? "Alles mögliche: zerfetzte Matratzen und andere Teile der Einrichtung. Die Häftlinge tun das manchmal."

Kein Fernseher als Strafe

Und was ist die Konsequenz eines solchen Verhaltens? Dass sie auf dem Boden schlafen müssen, wenn die Matratze zerfetzt im Innenhof liegt? "Nein, das ginge aus menschenrechtlichen Gründen nicht", sagt Ebner. Aber es wird ihnen dann z. B. der Fernseher weggenommen.

Auch Inspektor Verena Ebster-Schwarzenberger aus St. Veit im Pongau geht lieber in Deckung. Seit sieben Jahren ist sie im Dienst in Gefängnissen, zuvor war sie in Linz stationiert. Nun ist sie in der Justizanstalt in Urstein tätig. Sie liebt ihren Job, auch wenn er nicht immer einfach ist: "Es gibt Situationen hier drin, wo man dabei ist, wo du keine Angst haben darfst. Die Insassen haben jede Menge Zeit, dich zu beobachten und einzuschätzen. Daher muss man gerade als Frau sehr genau auf sein Auftreten und die Körpersprache achten."

Gut sei es, den Gefangenen positiv zu begegnen, allerdings nicht zu sehr. Es gibt hin und wieder Situationen in Gefängnissen, wo Justizwachebeamtinnen Liebesbriefe von Insassen zugesteckt bekommen. So etwas möchte Ebster-Schwarzenberger vermeiden. "Es ist aber nicht schlecht, wenn weibliche Beamte in Justizanstalten arbeiten", sagt die Inspektorin, "Frauen wirken auf Männer deeskalierend, sie beruhigen sich leichter, wenn eine Frau dabei ist."

Ein Kleinkind im Gefängnis

Außerdem gibt es in Urstein auch weibliche Gefangene in einem Frauentrakt. Sogar ein zweijähriges Kind ist dort mit seiner Mutter untergebracht, in einem Mutter-Kind-Zimmer. Bis zu seinem dritten Lebensjahr darf das Kind bei der Mutter bleiben, danach kommt es zu Verwandten oder Pflegeeltern: "Ab drei Jahren realisieren Kinder, dass sie eingesperrt sind. Davor schadet es ihnen psychisch nicht."
Dem Kind fehle es an nichts, "außer leider der Kontakt zu anderen Kindern", meint Ebster-Schwarzenberger, die selbst ein dreijähriges Kind hat.

Warum sie ihren Job mag? "Er ist abwechslungsreich, man erlebt jeden Tag etwas Neues. Man muss aber eine gewisse Distanz wahren und sich nichts zu nahe kommen lassen. Wenn ich nach Hause gehe, ist mein Dienst abgeschlossen, auch im Kopf."

Vier Dschihadisten in Puch

Vor einem Jahr wurde die Justizanstalt Salzburg nach Puch-Urstein verlegt und sie ist "ein Vorzeigeprojekt", erklärt Justizminister Wolfgang Brandstetter. Es habe bis dato auch nur vier Vorfälle von aggressivem Verhalten von Häftlingen gegeben unter denen sich auch vier Dschihadisten befinden. Anstaltsleiter Oberst Dietmar Knebel berichtet, dass sie getrennt voneinander untergebracht sind, so dass keine Kontaktaufnahme untereinander möglich ist.
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