27.07.2016, 16:42 Uhr

Die ganze Wahrheit

Lindinger, Schmirl, Koweindl (Foto: Wintersteller)
Hallein: kunstraum pro arte | Unter dem Titel “Has the artist been paid?” wurde am Donnerststagabend im kunstraum pro arte in Hallein unter anderem über die Kostenwahrheit in der Arbeitswelt bildender Künstler diskutiert.

Unter der Leitung von Kerstin Klimmer, die am Podium Daniela Koweind / IG Bildende Kunst / Wien, Korinna Lindinger / Künstlerin und Soziologin / Wien sowie Elisabeth Schmirl / Künstlerin / Salzburg als Gesprächspartnerinnen begrüßen durfte, kam die derzeitige finanzielle Situation bildender Künstler zur Sprache, die nicht selten an der Grenze zum Prekariat anzusiedeln oder gar gänzlich dieser Zone sozialer Unsicherheit zuzurechnen ist. Dies machte Daniela Koweindl in ihrem einführenden Impulsreferat deutlich, als sie mit einer Studie belegte, dass das jährliche künstlerische Medianeinkommen bildender KünstlerInnen bei 3.500.— liegt und der Prozentsatz der finanziell als arm zu klassifizierenden Menschen, der in der Gesamtbevölkerung 13 % ausmacht, bei bildenden Künstlern mit 37 % überdurchschnittlich hoch ist.

Die Kernaussage des Abends lässt sich hingegen auf eine Formel reduzieren, die wohl nicht nur für die Welt der bildenden Künste gilt: Zwischen Honorar und Vergütung ist genau zu unterscheiden: Während das Produkt wie jedes Wirtschaftsgut honoriert wird, also einen fixen Preis hat, ist es mit der Vergütung so eine Sache: Weil meist ein Arbeits- oder Vermarktungsprozess vergütet werden soll, ist eine solche Vergütung Verhandlungssache. -Elisabeth Schmirl veranschaulichte das an einem konkreten Beispiel aus dem Kunstbetrieb: Während etwa bei einer aufwendigen Installation leichter mit Material- und Herstellungskosten argumentiert werden könne, tue sich da ein Zeichner ungleich schwerer.

Ein weiter Aspekt, der den Bogen weiter ins Öffentlichkeits- bzw. Veröffentlichungsrecht spannt, ist, dass der Anspruch auf eine Vergütung auch in den Bereich des Urheberrechts hineinspielt: Gibt es für die Verwertung von Musikstücken oder anderen Autografen zumindest einen rechtlichen Rahmen, müssen Vergütungen im Bereich der bildenden Kunst stets neu verhandelt werden.

Als Schluss aus dieser interessanten und informativen Veranstaltung, kann die nicht ganz neue Erkenntnis gezogen werden, dass zur Bewertung und Bezahlung aller Sozial- und Kulturleistungen nicht nur der marktwirtschaftlich verbindliche Preis, sondern auch der meist versteckte Produktionswert honoriert werden muss, wobei dies real auf eine finanzielle Sicherheitsstufe in Form eines Bewertungssockels hinauslaufen sollte.

Text: Leonhard Besl
Fotos: Oswald Wintersteller
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Theresa Kaserer aus Tennengau | 29.07.2016 | 10:12   Melden
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