07.09.2016, 07:49 Uhr

Hüttenwirte sind Freunde der E-Biker

Kein E-Biker: Franz Pölzleitner Chef vom Gästeservice Tennengau, hat noch genug Ausdauer und Muskelkraft. (Foto: Privat)
Interview von Theresa Kaserer

"Mehr Betten brauchen wir" heißt es überall. Ich habe mich unter den Mountainbikern und Wanderern umgehört. So viele würden gern urig in Almhütten übernachten, aber das ist fast nirgendwo möglich. Warum nicht?
FRANZ PÖLZLEITNER:
"Es stimmt, wir bräuchten im Tennengau mehr Betten. Speziell die Schließung des Youtels Resorts in Abtenau tut uns weh. Und es stimmt auch, dass Urlauber gern in Almhütten übernachten würden, aber das scheitert an der rechtlichen Situation. Almen dürfen keine Zimmer vermieten, außer sie haben dafür das Gewerbe."

Und dieses Gewerbe ist schwer zu bekommen?
FRANZ PÖLZLEITNER:
"Das Problem sind dann die Vorschriften: die Räume müssten höher sein, die sanitäre Einrichtung muss entsprechend vorhanden sein - Plumpsklos gehen dann nicht mehr! Wenn du alle Vorschriften einhältst, dann hast du im Grunde ein Hotel oben stehen auf der Alm. Da beißt sich die Katze in den Schwanz, denn der Urlauber sucht ja eine urige Berghütte. Es gibt aber offizielle Alpenvereinshütten, in denen kann man übernachten."

Angenommen, ich sitze auf einer Alm beim "Après Wandern", habe zu tief ins Schnapsglas geschaut, ein Gewitter zieht auf - und die Dunkelheit. Jagt mich der Hüttenwirt dann wirklich hinaus?
FRANZ PÖLZLEITNER:
"Ein Hüttenwirt darf einen Gast nicht in Gefahr schicken, das heißt, ein Notquartier ist möglich."

Wenn ich mich auf der Alm betrinke, darf ich also bleiben.
FRANZ PÖLZLEITNER:
(lacht) "Ich werde hier bestimmt nicht die Leute offiziell dazu aufrufen, sich deswegen volllaufen zu lassen."

Also gut. Zurück zu den zu wenigen Betten. Die touristische Situation im Tennengau muss dann ja schlimm sein - oder?
FRANZ PÖLZLEITNER:
"Nein, überhaupt nicht. Von Mai bis Juli hatten wir einen Zuwachs an Nächtigungen von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Bundesland Salzburg hatte aber einen Zuwachs von 6 Prozent. Was wir hier merken, ist wirklich das fehlende Youtels."

Die Mountainbikerouten im Tennengau werden gerade fleißig befahren. Aber E-Biker haben oft das Problem, dass sie ihre schweren Bikes über Gatter heben müssen. Auf die Edtalm in Annaberg kommen sie daher nicht.
FRANZ PÖLZLEITNER:
"Ja, das ist ein Problem. Das E-Biken boomt und Hüttenwirte sind ein Freund der E-Biker, denn auch sie haben ja Hunger und Durst. Bei den Schranken und Gattern müssen wir Lösungen finden und es gibt Gespräche. Die Bauern und Bundesforste sind da zum Glück meistens sehr einsichtig. Wichtig ist uns aber, dass die Radfahrer auf den markierten Wegen bleiben, wir haben schöne offizielle und gut markierte Touren. Gerade wird auch an einem neuen Mountainbike-Leitsystem für das ganze Bundesland gearbeitet."

Die E-Biker sind im Tennengau also überall herzlich willkommen?
FRANZ PÖLZLEITNER:
"Ich sehe das durchwegs positiv. Die Leute bewegen sich dadurch wieder mehr und sie besuchen unsere Ausflugsziele. Eigene E-Bike-Strecken brauchen wir im Tennengau aber nicht anzubieten, das Mountainbikewegenetz ist gut ausgebaut und es gibt auch viele Touren ohne Schranken, z. B. die alte Postalmstraße."

Was zeichnet den Tennengau für Gäste aus?
FRANZ PÖLZLEITNER:
"Seine Vielfalt. Und die tollen Ausflugsziele, die in der "Kelten-Erlebniswelt Tennengau" vereint ist. Gespannt bin ich jetzt auf den Ausgang der Studie, wie sich das Abtenauer Heilwasser auf die Gesundheit auswirkt. Ich könnte mir dann sehr gut ein "Bauernbadl" vorstellen: z. B. ehemalige Heustadl in die man Badewannen mit dem Heilwasser stellt. So könnte man Abtenau inszenieren! Ich glaube, das wirkt mehr als ein 4-Sterne-Wellnessresort. Ich im Bauernbadl mit Ausblick aufs Tennengebirge, wo gerade die Sonne untergeht und ein paar Kühe davor. So stelle ich mir das vor. Ich glaube, das würde mehr Leuten gefallen."
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