06.07.2016, 06:00 Uhr

Lieber kein Tattoo vom Schatzi

Florian Andexlinger betreibt seit Februar 2015 sein kleines Tattoo-Studio namens "Gollink Tattoo" in Golling, Obergäu 195.

Den Namen des Liebsten auf der Pobacke? Der Gollinger Tätowierer Florian Andexlinger meint: "Besser nicht!"

Interview von Theresa Kaserer

Wie viele Tattoos haben Sie selber und stechen Sie sich ihre Tätowierungen selbst?
FLORIAN ANDEXLINGER:
"Puh, wie viele hab ich? Das weiß ich gar nicht. Echt nicht! Und ja, ein Teil davon stammt von mir. Als ich mit dem Tätowieren begonnen habe, war ich mein erstes Opfer. Und dann mein Bruder."

"Opfer" klingt jetzt aber schon ein wenig nach Jugendsünde.
FLORIAN ANDEXLINGER:
(lacht) "Ehrlich gesagt, hätte ich mir schon über ein oder zwei Tattoos mehr Gedanken machen sollen. Mein erstes Tattoo zum Beispiel. Das habe ich mir mit Erlaubnis meiner Eltern mit 16 Jahren stechen lassen. Ich hatte ewig gebettelt und schließlich haben sie nachgegeben. Meine Eltern sind nicht tätowiert. Damals waren indianische Tribals in und deshalb war ein solches mein erstes Tattoo. Aber als ich 16 war, waren gute Tätowierer dünn gesät, aber ich hätte mich auch besser informieren sollen, wer dafür geeignet ist."

Wo ist das Tribal jetzt?
FLORIAN ANDEXLINGER:
"Das Tattoo war auf meinem rechten Arm. Zuerst habe ich es erweitern lassen und nach und nach habe ich mir meinen Arm ganz schwarz tätowieren lassen, darum sieht man das Tribal heute nicht mehr."

Ihr rechter Arm ist tatsächlich von oben bis unten schwarz. Ein radikaler Schritt, um eine Tätowierung verschwinden zu lassen. Hätte man die nicht weglasern können?
FLORIAN ANDEXLINGER:
"Ein Tattoo kann man sich schon beim Dermatologen weglasern lassen, aber das dauert, kostet Zeit und Geld und nicht immer geht es dann auch wirklich ganz weg. Mein Arm ist aber nicht deshalb ganz schwarz. Er ist ein Statement. Ich finde Minimalismus gut. Und irgendwann ist ohnehin bei uns allen alles schwarz. Mein bevorzugter Stil ist Realistik, sowohl in "black and grey" als auch in Farbe. Warum ich mir einmal bunte Blüten auf meinen Oberschenkel tätowiert habe, ist mir bis heute ein Rätsel. Die habe ich aber noch!"

Also ein Tattoo mit 16 Jahren ist nicht unbedingt die beste Idee?
FLORIAN ANDEXLINGER:
"Ohne Erlaubnis der Eltern geht das eh gar nicht. Tätowierungen mit 16 Jahren sind okay, sollten aber gut überlegt sein, vor allem in Hinblick auf den zukünftigen Beruf. Deswegen berate ich meine Kunden immer ausführlich, bevor es zur Sache geht: Was stellt sich der Kunde vor, welche Ideen habe ich, wie kann ich es umsetzen? Immerhin ist ein Tattoo normalerweise für ein ganzes Leben gedacht. Auch bei klarem Verstand sollte man sein, nicht betrunken! Und man sollte sich einen Tätowierer suchen, bei dem man sich wohlfühlt und sich gut darüber informieren, wie er arbeitet."

Haben Sie einem Kunden schon einmal eine Tätowierung, die er unbedingt wollte, ausgeredet?
FLORIAN ANDEXLINGER:
"Es kommt sogar häufig vor, dass Leute zu mir kommen, die sich etwas wünschen, das nicht zu ihnen passt. Ausreden würde ich es dann nicht nennen, aber ich erkläre ihnen meine Bedenken und dann versuchen wir gemeinsam vielleicht etwas Besseres zu finden. Das Gespräch vorher ist für mich wirklich wichtig."

Gibt es etwas, das Sie nicht tätowieren?
FLORIAN ANDEXLINGER:
"Ich tätowiere keine Genitalien! Pobacken schon, aber ich gehe nicht weiter. Aber wer mit klarem Verstand lässt sich das auch schon machen? Und natürlich keine rassistischen Motive. Aber das ist ohnehin gesetzlich strafbar: für den Tätowierer und den Kunden."

Und den Namen des Partners als Tattoo? Eine gute Idee?
FLORIAN ANDEXLINGER:
"Nein. Ich glaube, das ist ein schlechtes Omen. Immer wieder kommen Leute nach Ende der Beziehung zu mir und dann muss ich etwas drüber tätowieren. Macht das also besser nicht! Aber den Namen der Kinder? Kein Problem. Kinder bleiben einem ja wirklich auf ewig."


Mehr Tattoos und Infos zu "Gollink Tattoos" gibt es hier.
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