19.04.2016, 22:32 Uhr

Wenn man in der NMS Hallein/Neualm die Stecknadel fallen hört

Direktor Horst Mayer, Irene Hubmann vom Verein Lila Winkel und Judith Ribic, Zeitzeugin der 2. Generation
Hallein: NMS Hallein Neualm | Zeitzeugin der 2. Generation

Was empfinden 15-Jährige, wenn Zeitzeugen von den Grausamkeiten des 2. Weltkrieges berichten? Jugendliche sind heute mit vielen Bildern und Computerspielen vertraut, wo es um Kampfspiele und das „Abschießen und Auslöschen des Gegners“ geht, aber wenn eine Zeitzeugin berichtet, dann hören sie so aufmerksam zu, dass man die berühmte Stecknadel fallen hört – denn schließlich geht es hier um die Realität – um nahezu 60 Millionen Tote während des 2. Weltkrieges.

Direktor Horst Mayer lud Judith Ribic, eine Zeitzeugin der 2. Generation, ein, um den Schülern über ihre traumatische Kindheit, über Ausgrenzung und Verspottung und darüber zu berichten, ein Kind eines KZ-Häftlings zu sein. Judith Ribic erzählte die Geschichte ihres Vaters Ernst Reiter, der 4 ½ Jahre im Konzentrationslager Flossenbürg grausame Misshandlungen erleiden musste, weil er sich weigerte zur Waffe zu greifen und in Hitlers Wehrmacht andere zu töten.

Aber nicht nur das Erzählen von dieser Zeit alleine ist der Beweggrund, sondern die Botschaft an Jugendliche, sich nicht irreführen zu lassen. Es soll ein Mahnen sein – hören wir doch von Jugendlichen, die zum Dschihad angeworben werden. Nun, natürlich, das sind Ausnahmen, dennoch ist es ein Gedankengut, über das unter Jugendlichen gesprochen wird. Und wie die Referentin Irene Hubmann erwähnte: „Kriege beginnen nicht draußen in der großen Welt, Kriege beginnen in der kleinsten Zelle, zu Hause, in der Schule, am Arbeitsplatz.“ Darüber wäre nachzudenken. Mobbing, Ausgrenzung, Ausländerfeindlichkeit sind heute überall zu finden.

Judith Ribic: „Mein Vater hielt sich an christliche Prinzipien und wie würde die Welt aussehen, wenn sich die Menschen an das Gebot „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst“ halten würden? Daher sehe ich es als eine Verpflichtung weiter zu mahnen und aufmerksam zu machen.“

Ein Schüler kam zu dem Schluss: „Menschen, die glauben, Menschen zu sein, aber andere Leute töten, sind keine Menschen, sie stecken nur in der Haut eines Menschen!“

Direktor Horst Mayer findet die Zeitzeugen-Gespräche mit der zweiten Generation als eine ganz tolle Einrichtung. Und bei der Verabschiedung sagte er, dass er sich darauf freut, wenn Judith Ribic und Irene Hubmann, als Vertreterin des Vereins Lila Winkel, im nächsten Jahr wiederkommen.

Dank gesagt sei einer weltoffenen und zukunftsinteressierten Schule, die Schülern die Möglichkeit bietet aus der Vergangenheit zu lernen.
Lebensbericht von Ernst Reiter: http://www.lilawinkel.at/ernst-reiter/

Text: Irene Hubmann / Fotografin: Helga Kilga
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Pascal Lamers aus Salzburg Stadt | 25.04.2016 | 12:24   Melden
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Harald Schober aus Weiz | 25.04.2016 | 20:25   Melden
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