28.06.2016, 19:38 Uhr

Ein Paradies für kleine Kuchler

"Das ist wohl ein Paradies", schwärmt Bgm. Andreas Wimmer und freut sich, beim Georgenberg-Freimoos schon bald Kinder spielen zu sehen. (Foto: Angelika Pehab)

Kuchls Bgm. Andreas Wimmer übt Kritik an der Raumordnung, spricht gern über das "Vorzeigeprojekt", nicht aber von "Enteignung".
Interview: Angelika Pehab

Stichwort "politischer Stil": Wie hat sich dieser verändert, seit die Grünen in Kuchl zweitstärkste Partei sind und sich Ihr "Dauerkontrahent" Roland Meißl aus der Gemeindepolitik verabschiedet hat?
ANDREAS WIMMER:
Ehrlich gesagt, Meißl vermisse ich nicht. Die Zusammenarbeit mit seinem SPÖ-Nachfolger Gerhard Brandauer funktioniert sehr gut. Ansonsten gibt es derzeit keine brisanten Themen in der Gemeinde, woran ein neuer Stil erkennbar wird, zumal es noch immer die ÖVP ist, die vernünftige Vorschläge einbringt.

Und wenn Anträge – wie in vergangenen Gemeindesitzungen – in Richtung "Umwidmung in Bauland" gehen?
ANDREAS WIMMER:
Raumordnung ist sowiso ein schwieriges Thema. Das hat aber weniger mit unseren Grünen in Kuchl, sondern mit der Landespoltik zu tun, die nur mehr wenig im ländlichen Raum zulässt. Deshalb haben viele Gemeinden auch mit der Abwanderung zu kämpfen. Kuchl zwar nicht, dafür sind die Grundstückspreise teils horrend.

Was tun Sie als Bürgermeister konkret gegen diesen Wucher?
ANDREAS WIMMER:
Da kann ich nichts tun. Das Problem, leistbares Wohnen zu schaffen ist fast nicht lösbar, weil das der Grundeigentümer in der Hand hat und wenn er nicht will ...

Aprops "wenn der Grundeigentümer nicht will": Dem Autobahn-Vollanschluss steht seit vielen Jahren ein Grundeigentümer im Weg.
ANDREAS WIMMER:
Ich stehe dazu: Der Vollanschluss macht Sinn! Und auch die betroffenen Garneier sind – mit richtigen Begleitmaßnahmen wie Lärmschutz – einverstanden. Landesrat Mayr lässt aktuell Zählungen durchführen, um im Herbst das Projekt noch einmal aktiv anzugehen.

Das Wort "Enteignung" stand bereits im Raum.
ANDREAS WIMMER:
Ja, ich weiß. Aber dazu möchte ich nichts sagen. Zum einen, weil es ein heikles Thema ist und zum anderen, weil das allein die Landesregierung beschließen müsste. Ich habe unzählige Gespräche mit dem Eigentümer geführt und nun kann ich gar nichts mehr tun.

Was Sie aber tun können ist, die jungen Kuchler mit der Natur in Verbindung zu bringen. Ein Waldkindergarten ist in Arbeit?
ANDREAS WIMMER (strahlt):
Das wird unser Vorzeigeprojekt! Hinter dem Georgenberg am Grundstück des Doserbauern entsteht in den nächsten drei Monaten ein echtes Paradies. Mit Wald, Wiese und Teich wird er 16 Kindern und zwei Pädagoginnen Spiel- und Lebensraum bieten. Von der Firma Siller wird in Holzbauweise ein Gruppenraum auf Pfählen errichtet. Auch Sanitäranlagen gibt es.

Das Projekt ist einzigartig im Tennengau, der Andrang muss ja riesig sein. Wie entscheiden Sie, welches Kind dabei sein darf?
ANDREAS WIMMER:
Das ging nach der Reihenfolge der Anmeldungen und wurde von unserer Kindergartenleiterin Ingrid Ramsauer bereits eingeteilt. Nachdem sich bei mir niemand beschwert hat, wird es dabei wohl keine Probleme gegeben haben.

Neben der Frische liegt auch Musik in der Luft: Kuchl investiert kräftig in das neue Musikum?
ANDREAS WIMMER:
Ja, nach jahrelangen Diskussionen sind wir sehr froh darüber. 1,8 Millionen Euro kostet der Anbau an die Neue Mittelschule, der mit Ferienbeginn realisiert wird. Mit 450 Quadratmetern Nutzfläche stehen unseren Musikanten dann vier Proberäume, ein Vorspielsaal, ein Büro für den Leiter und für die Schule ein zusätzliches Musikzimmer zur Verfügung.

Die SPÖ fordert in ihrer Kampagne massiv, dass in Schulen frisch gekocht wird. Fühlt sich Kuchl ertappt?
ANDREAS WIMMER:
In unserem Kindergarten und in der Nachmittagsbetreuung gibt es hervorragendes Essen, frisch gekocht im Seniorenheim. Diesbezüglich sollte sich der Walter Steidl lieber mit seinem Parteikollegen Bgm. Schaden unterhalten, wo es angeblich in der Stadt Tiefkühlkost aus Niederösterreich oder Ähnliches geben soll. Uns jedenfalls betrifft das nicht.

Auch die ÖVP hat ein neues Projekt. Mit "reforum" soll mehr Mitsprache der Bürger im Flach- und Tenenngau ermöglicht werden.
ANDREAS WIMMER:
Derartige Bürgerprojekte finde ich überflüssig. Wenn jemand ein Anliegen hat, kann er jederzeit zu mir kommen und dann diskutieren wir darüber. Wenn das nicht gelingt, dann ist spätestens nach fünf Jahren Wahl- und Zahltag. Nachdem ich nach 13 Jahren immer noch im Amt bin, bestätigt sich, dass das für Kuchl so passt.

Im vergangenen Sommer waren 119 Flüchtlinge im FH-Studentenheim untergebracht. Wäre das heuer bei Bedarf wieder denkbar?
ANDREAS WIMMER:
Bei uns leben aktuell 45 Flüchtlinge im Irnbergerhaus und Lehrerhaus des Holztechnikums. Sechs Asylwerber sind sogar privat untergebracht. Grundsätzlich funktioniert das alles gut und es gibt keine Probleme. Ob auch das Studentenheim für Flüchtlinge genutzt wird, kann ich nicht sagen, weil das der Fachhochschule Salzburg obliegt.
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