18.04.2016, 20:54 Uhr

Das traurige Ende einer guten Sache

Der Obmann des Vereins "Car Freitag" Gernot Gutmann mit seinem Sohnemann Niclas (14) und seinem 1966 VW Type 3 Notchback.

Der Erfinder und Organisator des beliebten Benefizprojekts namens "Car Freitag" nimmt zu den Vorfällen der Vorwoche Stellung.

LEOBERSDORF. Der Ansturm war gigantisch - weit über 1.000 Autofreunde pilgerten am Freitag, dem 15. April, zum Shoppingcenter "BLOOMFIELD in den Wiesen", um sich für die gute Sache am "Car Freitag" zu amüsieren. Nachdem die Zufahrtsstraßen rund um das Center - inklusive Teilen der Südautobahn - nach kurzer Zeit massiv überfüllt waren, mündete der Abend im Verkehrschaos. Schon wenige Stunden nachdem alles vorbei war, regte sich Unmut bei Anrainern sowie Teilnehmern der Veranstaltung. Die Frage, wer denn nun schuld daran sei, dass die Umgebung stundenlang kaum befahrbar war, kam auf und als Konsequenz gaben die Veranstalter am Wochenende schließlich bekannt, das Projekt auf diese Weise nicht weiterführen zu können oder zu wollen. Redakteur Markus Leshem traf sich daraufhin am Montagabend mit Gernot Gutmann (41), dem Initiator des "Car Freitag" und Obmann des gleichnamigen Vereins, um zu erfahren, was denn nun wirklich passiert ist.

BEZIRKSBLÄTTER: Bitte erkläre vorab, was genau der Zweck eures Clubs ist.
Gernot Gutmann: Der Club ist ein eingetragener Verein und der Sinn dahinter ist es, Geld für karitative Zwecke zu sammeln. Das ist im Übrigen auch der Sinn hinter den Clubtreffen namens "Car Freitag". Im kleinen Kreis haben wir 2014 begonnen uns zu treffen. Seit Jänner 2015 sind wir ein eingetragener Verein.

Was bedeutet im kleinen Kreis?
Also am Anfang waren es etwa sieben Autos und dann ist es immer weiter gewachsen. Im Handumdrehen waren es 30, dann 40. Irgendwann haben wir dann beschlossen, dem Kind einen Namen zu geben und gründeten den Verein.

Wie kann man sich einen typischen "Car Freitag" vorstellen?
Im Prinzip sollte es wie ein normales Parkplatztreffen für Privatpersonen sein. Wir gestatten auch keine Firmen, die ausstellen dürfen, es wird nicht ausgeschenkt oder Essen verkauft. Offiziell ist der "Car Freitag" eine Clubsitzung unserer Mitglieder.

Die jedoch weit geringer an Zahl sind, als eure Besucher.
Wir haben einfach beschlossen, unsere Treffen an einem Ort zu machen, wo man uns dabei zusehen kann. Der Gedanke dahinter ist ganz einfach: wir wollen Spenden sammeln, um das Projekt "Stiftung Kindertraum" zu unterstützen, das Herzenswünsche schwer kranker und behinderter Kinder erfüllt. Statt eine öffentliche Veranstaltung zu organisieren, erlauben wir unseren Gästen unseren Clubtreffen beizuwohnen und statt Eintritt zu zahlen, eine freiwillige Spende zu tätigen. Wir deklarieren auch auf unseren Flyern und der facebook Ankündigung deutlich, dass es keine offizielle Veranstaltung, sondern ein Treffen für Mitglieder ist. Zuschauer sind gestattet und Spenden für die gute Sache sind erwünscht.

Da es hier unterschiedliche Aussagen gab, meine Frage: Wurde das Treffen von euch als Veranstaltung angemeldet?
Nein.

Die Polizei wusste also offiziell nicht, dass mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen war?
Naja, gewusst wird man es schon haben, wir waren ja nicht zum ersten Mal hier. Wir verteilen wie gesagt Flyer, die jedoch widerum nur auf dem "Car Freitag" ausgeteilt werden. Herumgesprochen hat sich das Treffen also rein via Mund- und facebook-Propaganda. Auch auf den Flyern steht übrigens deutlich, dass es keine offizelle Veranstaltung ist.

Heuer war es das erste Treffen, wie oft traft ihr euch im Vorjahr?
2015 fanden insgesamt acht "Car Freitage" statt. So einen Ansturm, wie heuer, haben wir allerdings noch nicht erlebt. Wir waren selbst total baff. Es kommen ja vor allem nicht nur Tuner oder Besitzer von speziellen Edelkarossen zu uns. Wir haben viele Familien mit Kindern hier, am Freitag war sogar eine ganze Kindergartengruppe da. Teilweise auch Eltern betroffener Kinder, denen wir mit dem gesammelten Geld bereits helfen konnten. Es soll einfach ein friedliches Miteinander sein, die Kinder dürfen sich in die Autos setzen, die Tuner können ihre Arbeit zeigen, wir haben Oldtimer hier, Youngtimer, die amerikanische Szene bis hin zu luftgekühlten Volkswagen.

Kommen wir jetzt zum vorigen Freitag. Was war diesmal anders?
Wir wissen leider nicht genau, wieviele Menschen wirklich hier waren, aber man kann davon ausgehen, dass es weit über 1.000 Besucher waren. Unser Clubtreffen begann um 18 Uhr und ab diesem Zeitpunkt kamen auch die ersten Leute. Am Anfang gab es auch noch keine Probleme. Es war ausreichend Platz - immerhin passen ca. 900 Autos auf das Bloomfield Gelände - und die ankommenden Gäste verhielten sich mit ihren Fahrzeugen allesamt sehr zivilisiert.

Irgendwann begann es sich dann zu stauen. Was ist dann passiert?
Um die ankommenden Fahrzeuge besser und rascher auf das Gelände lotsen zu können, wurde vom Inhaber des Centers, Christian Blazek, auch die zweite Einfahrt geöffnet. Es ging dann auch kurze Zeit relativ gut vorwärts. Gegen 19 Uhr kam die Exekutive ins Spiel und die Beamten sperrten aus uns bisher nicht bekannten Gründen beide Einfahrten. Man ließ die immer noch zahlreich eintreffenden Gäste nicht mehr auf das Gelände zufahren. Aus Erzählungen habe ich erfahren, dass sich dadurch das eigentliche Chaos erst aufgebaut haben soll. Ich war mit der Organisation beschäftigt und habe nicht alles direkt mitbekommen.

War, als die Einfahrten gesperrt wurden, noch Platz auf dem Gelände?
Ja, mehr als genug. Herr Blazek hat ja extra das hintere Tor geöffnet und einen zusätzlichen Parkplatz freigegeben. Wieso die Polizei die beiden Einfahrten abgesperrt hat, ist mir nicht wirklich klar. Natürlich haben die Autos, die dadurch keinen Parkplatz bekommen haben, dann begonnen, wie Satelliten zu kreisen, um irgendwo außerhalb stehenbleiben zu können. Das Ganze führte dann unweigerlich zu einem gewaltigen Stau, der sich leider als sehr unangenehm für die ganze Umgebung erwiesen hat. Da unsere Mitglieder auf dem Gelände immer für Ordnung sorgen - und ich zusätzlich damit beschäftigt war, mit um den Infostand zu kümmern - müssen wir uns auf die Aussagen unserer Besucher verlassen. Allerdings sind die großteils alle deckungsgleich. Die ganze Sache tut uns vom Club wirklich sehr leid. Wir wollten immer nur helfen, nie jemanden verärgern.

Droht euch denn nun irgendeine Form der Strafe seitens der Polizei?
Das wissen wir nicht. Das Clubtreffen an sich war bei der Bezirkshauptmannschaft angemeldet. Da wir keine offizielle Veranstaltung abgehalten haben, sind wir im Grunde auch nicht für die Besucher verantwortlich. Ein Polizist hat sich allerdings von einem unserer Mitglieder seine und auch meine Personalien geben lassen. Leider ohne weiteren Kommentar, ob diese für strafrechtliche Schritte verwendet werden. Allerdings muss man auch erwähnen, dass laut Aussagen unserer Gäste, die Polizei sich ihnen gegenüber sehr fair verhalten hat. Es gab weder willkürliche Kontrollen, noch sonst eine Art der ungerechten Behandlung. Dafür möchten wir uns bei der Exekutive aufrichtig bedanken.

Wie soll es denn jetzt weitergehen? Was das der letzte "Car Freitag"?
Wir haben immer versucht, unsere Treffen im Rahmen unserer Möglichkeiten, sicher und unterhaltsam zu gestalten. Unsere Clubmitglieder sind permanent über das Areal gegangen und haben die Besucher darum gebeten, ihre Radios leiser zu drehen oder nur im Schritttempo zu fahren. Der letzte Freitag hat uns leider deutlichgemacht, dass wir das in diesem Umfang nicht mehr bewerkstelligen können, ohne dass es über kurz oder lang zu Problemen führt. Unser Club besteht aus 25 Mitgliedern und einem derartigen Ansturm können wir einfach nicht so begegnene, wie es notwendig wäre. Den "Car Freitag" in der bisherigen Form wird es also vorerst leider nicht mehr geben. Wir werden uns überlegen, wie wir unsere Mission weiterführen können, müssen aber gleichzeitig sichergehen, dass solche Dinge, wie vorige Woche nie wieder vorkommen. Das ist nicht gut für den Club, den guten Zweck, unsere Gäste und die Region.

Das ist schade, aber verständlich. Kommen wir zum Schluss noch zum Guten der ganzen Angelegenheit. Der große Andrang führte auch zu einem enormen Spendenaufkommen für die Stiftung Kindertraum.
Ja, das ist ganz großartig, was unsere Freunde hier zustande gebracht haben. Die genaue Summe möchte ich nicht nennen, aber wir bewegen uns im mittleren vierstelligen Bereich. Man darf nicht vergessen: Jeder, der hier mithilft, für uns filmt, fotografiert, usw. tut das gratis. Jeder Cent, der reinkommt, fließt direkt auf das Konto der Stiftung.

Kannst du uns denn ungefähr sagen, wieviel seit Jänner 2015 an Spenden zusammengekommen ist?
Es sind mit den Spenden der vorigen Woche insgesamt mehr als 26.000 Euro. Das ist absolut großartig und zeigt, dass die Idee hinter dem "Car Freitag" immer richtig und gut war. Unseren Gästen und allen Helfern gebührt hier großer Respekt und Dank.

Möchtest du euren Fans und treuen Besuchern abschließend noch etwas sagen?
Danke an jeden Einzelnen, der uns in den letzten eineinhalb Jahren unterstützt hat. Ohne eure Hilfe, hätten wir diesen immense Summe für die Kinder niemals zustande bringen können. Wir werden uns jetzt gut überlegen, wie wir weitermachen und uns dann mit dem Ergebnis wieder bei euch melden.
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