24.08.2016, 20:25 Uhr

Neue Weltraumtechnik aus Seibersdorf

SEIBERSDORF. Die Seibersdorf Labor GmbH ist mit innovativen Entwicklungen als Partner der Europäischen Weltraumorganisation ESA weiter auf Erfolgskurs. Das jüngste Kooperationsprojekt: Ein in Seibersdorf entwickelter und gebauter Strahlungsdetektor, der European TEPC, wurde von Cape Canaveral aus zur Raumstation ISS befördert und erfolgreich installiert!

Die Weltraumaktivitäten der Seibersdorf Labor GmbH sind in einer eigenen Fachgruppe (Leitung Dr. Peter Beck) zusammengefasst und fokussieren auf Forschung und Entwicklung im Bereich kosmischer Strahlung und deren Einfluss auf Mensch, Technik und Materialien. Das jüngste Projekt befasst sich im Rahmen des ESA-Programms EuCPAD (European Crew Personal Active Dosemeter for Astronauts) mit der Messung der Strahlenbelastung des Menschen bei längeren Aufenthalten im Weltraum.

Dafür wurde von den Seibersdorfer Experten der European TEPC (Tissue Equivalent Proportional Counter, ein gewebeäquivalenter Proportionalzähler) entwickelt und gebaut. Dabei handelt es sich um einen Ionisationsdetektor mit spezieller Gasfüllung, deren physikalische Eigenschaften jenen des menschlichen Gewebes ähnlich sind. Somit ermöglicht der TEPC die direkte Bestimmung der Energiedosis, die ein Mensch in den sehr komplexen Strahlungsfeldern des Weltraums aufnimmt.

Der TEPC ist eines der Teilsysteme des ESA-Projektes EuCPAD, das am 18. Juli 2016 von SpaceX, einem kommerziellen Raumfrachtunternehmen, erfolgreich zur internationalen Raumstation ISS befördert wurde. Im August wurde der TEPC gemeinsam mit anderen Messgeräten des EuCPAD Projektes an Bord der ISS erfolgreich installiert und übermittelt bereits Daten zur Bodenstation in Toulouse. Dr. Beck und sein Team sind für die dosimetrische Analyse der so gesammelten Daten verantwortlich. Für das EuCPAD-Projekt koordiniert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Zusammenarbeit mehrerer internationaler Projektpartner (u. a. aus Österreich, Deutschland, Finnland und Irland).

Die Forschung auf dem Gebiet der Weltraumstrahlung ist von großer Bedeutung, weil die Anzahl und vor allem auch die Dauer von Weltraumflügen seit Jahren deutlich ansteigen. Aufenthalte im All von einem halben Jahr und länger sind inzwischen zum „Standard“ geworden. Die Auswirkungen auf den Menschen sind allerdings noch ungenügend erforscht. Genaue Messdaten für die Risikoabschätzung und einen effektiven Strahlenschutz sind eine wichtige Voraussetzung für die Planung und letztlich auch das Gelingen weiterer großer Forschungsmissionen im Weltraum, wie z. B. bemannter Flüge zu Nachbarplaneten, die mehrere Jahre dauern werden.

In Zukunft soll der TPEC aber auch auf der Erde zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, die Auswirkungen komplexer Strahlungsfelder zu erforschen, z. B. im Hinblick auf die Strahlenexposition von Flugpersonal oder medizinischem Personal, das mit Bestrahlungs- oder Beschleunigeranlagen arbeitet.

Vor dem TPEC haben Dr. Beck und sein Team bereits an anderen Projekten für die ESA gearbeitet. So wurde mit AVIDOS ein Webservice für das Weltraumwetter-Portal der ESA entwickelt. Es ermöglicht Flugpersonal und Flugpassagieren die Berechnung der kosmischen Strahlung für verschiedene Flugrouten und Flughöhen während ruhiger Sonnenaktivitäten aber auch bei Sonnenstürmen.
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