16.06.2016, 23:55 Uhr

Seibersdorfer prüfen Weltraumtechnik

Ein Blick in den Analysis Room des TEC-Labortory.
SEIBERSDORF. Die Seibersdorf Labor GmbH eröffnete am 7. Juni ihre neueste Einrichtung: das TEC-Laboratory (Testing of Electronic Components). Es ermöglicht die Prüfung elektronischer Bauteile und Systeme auf deren Einsatztauglichkeit in der Luft- und Raumfahrt. Damit wird in Seibersdorf ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung dieser Zukunftstechnologien in Europa geleistet. Aus Anlass der feierlichen Eröffnung des neuen Labors fand auch ein internationales Symposium statt.

Am Forschungs- und Technologie-Campus Seibersdorf beschäftigt man sich seit vielen Jahren mit Forschung und Entwicklung auch im Bereich der Luft- und Raumfahrt. Die Seibersdorf Labor GmbH hat eine eigene Fachgruppe (Leitung Dr. Peter Beck) eingerichtet, die mit dem TEC-Laboratory nun eine Prüfanlage auf dem neuesten Stand der Technik erhält. Die Errichtung des Labors wurde von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG tatkräftig unterstützt. Besonders Harald Posch, der im Vorjahr verstorbene Leiter der Agentur für Luft- und Raumfahrt in der FFG, war ein aktiver Förderer des Projektes auf nationaler und internationaler Ebene. Die Eröffnung des TEC-Laboratory wurde von der Seibersdorf Labor GmbH in enger Kooperation und mit Unterstützung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG und AUSTROSPACE veranstaltet.

Das anlässlich der Eröffnung organisierte Symposium (7. und 8. Juni 2016) beleuchtete das Themenspektrum unter den verschiedenen Blickwinkeln von Wissenschaft und Praxis. Mehr als 50 internationale Vortragende und Gäste (u. a. aus Schweden, Frankreich, Deutschland und Polen) nahmen daran teil. Veranstaltet wurde das Symposium von der Seibersdorf Labor GmbH im Rahmen der internationalen RADECS-Workshops, mit freundlicher Unterstützung der Europäischen Weltraumagentur ESA.

Im neuen TEC-Laboratory wird anhand experimenteller und numerischer Untersuchungen die Störfestigkeit von elektronischen Bauteilen und Systemen getestet. Mögliche Störeffekte werden ebenfalls mittels sogenannter Monte-Carlo-Simulationen modelliert und mit Messungen verglichen. Die entsprechenden Testverfahren werden von internationalen Organisationen vorgegeben, wie z. B. von der European Cooperation on Space Standardization (ECSS). Dr. Beck und seinem Team steht für die Prüftätigkeit ein multifunktionales Elektronik-Labor mit einer Ausrüstung nach dem neuesten Stand der Technik zur Verfügung, ebenso Einrichtungen für die automatisierte Bauteilparameter-Analyse sowie ein maßgeschneiderter High Performance Computing Cluster für die Simulationen. Das Labor erfüllt alle Anforderungen des maßgeblichen ESA-Standards (ESCC Basic Specifications No. 22900).

Die Bedeutung von Prüflabors für High-Tech-Elektronik ergibt sich aus der rasanten technischen Entwicklung. Der Einsatz von elektronischen Komponenten erstreckt sich auf immer mehr Bereiche. Zugleich werden Bauteile und Systeme ständig kleiner und zugleich komplexer im Aufbau. Der Trend geht in Richtung einer immer höheren Integrationsdichte, schnellerer Komponenten und stärkerer Vernetzung. Diese Entwicklungen stellen eine besondere Herausforderung dar. Aufgrund der immer kleineren Strukturen der Bauteile steigt deren Empfindlichkeit. Für die einwandfreie Funktion von Geräten und Systemen muss die Festigkeit gegenüber den Auswirkungen extremer Umgebungen (z. B. im Weltraum oder in großen Flughöhen) sichergestellt werden. Aber auch auf der Erde kann High-Tech-Elektronik störenden Einflüssen ausgesetzt sein, die ihre Funktion negativ beeinflussen (z. B. in der Medizintechnik).

Das Team des TEC Laboratory unterstützt mit seinem 24/7-Prüfservice ab sofort Forschung und Entwicklung ebenso wie Industrie und Wirtschaft. Neben der Tätigkeit als Prüflabor bietet das Team auch entwicklungsbegleitende Beratung für die Hersteller elektronischer Produkte und Beratung für Anwender bei der Produkthandhabung. Außerdem werden für die ESA in Kooperation mit anderen Labors neue Testverfahren entwickelt.
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