22.03.2016, 19:19 Uhr

Senatorium Feichtenbach - Hotel Feichtenbach

POTTENSTEIN/FEICHTENBACH (dopo).Das Sanatorium Wienerwald ist ein ehemaliges Lungensanatorium (Lungenheilstätte) im niederösterreichischen Feichtenbach, einer Katastralgemeinde von Pernitz. 1903/04 von den beiden Lungenspezialisten Hugo Kraus und Arthur Baer gegründet, erlangte das eher versteckt in einem Seitental der Piesting gelegene Haus alsbald Weltruhm. Betuchte Patienten aus ganz Europa, vornehmlich aus Osteuropa, aber auch tuberkulöse Gäste aus Übersee, etwa Kaffeeplantagenbesitzer aus Südamerika, frequentierten das exklusive Sanatorium, das in seiner Reputation etwa gleichauf lag mit den Heilstätten in Davos. Der Andrang war so groß, dass sich die beiden Ärzte entschlossen, das ursprünglich für etwa 90 Patienten ausgelegte Haus entscheidend zu vergrößern.

Als Hugo Kraus, der auch Erfinder und Konstrukteur der kalten Quarzlampe zur Kehlkopfbestrahlung war, 1930 erstmals die bereits aus der Schweiz bekannte Methode des künstlichen Pneumothorax in Österreich praktizierte, stieg das Interesse der betuchten Klientel exorbitant, sodass das Haus trotz seiner stolzen Preise bis Mitte der 1930er Jahre praktisch permanent am Rande der Überlastung war. Persönlichkeiten wie etwa Bundeskanzler Ignaz Seipel, der am 2. August 1932 ebenda verstarb, Kardinal Innitzer oder Franz Kafka 1924 zählten zu den Patienten der auf etwa 530 Metern Seehöhe gelegenen Höhenklinik.


Die jüngere Vergangenheit


1992 wurde zum Gedenken an die Gründer Hugo Kraus und Arthur Baer und deren Schicksal in der NS-Zeit ein Gedenkstein vor dem ehemaligen Sanatorium errichtet.

Seit 2002 ist das Gebäude inmitten der großen Parkanlage ohne Nutzung.

Im März 2007 geriet das ehemalige Sanatorium und Gewerkschaftsheim unvermutet wieder in die Schlagzeilen, als durch Hinweise aus der Bevölkerung ein Fall von Animal-Hoarding bekannt wurde. Eine Frau hatte über 80 Tiere, vornehmlich Hunde und Katzen, in dem Haus untergebracht. Das ohne Genehmigung betriebene Tierheim wurde am 22./23. März durch Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt und den Amtstierarzt aufgelöst.

Im Januar 2009 erschien der Roman „Feichtenbach – eine Faction“ der Autorin Eleonore Rodler im Verlag Vabene . Das Buch beleuchtet die Lebensborn-Ära des Hauses und erzählt das Schicksal zweier Knaben, die in Feichtenbach geboren, nach Deutschland gebracht und getrennt zur Adoption freigegeben wurden.

Der „Quit Club“, eine private Organisation zur Suchttherapie, versuchte 2008/09 das ehemalige Sanatorium über einen privaten Investor zu einer „Allgemeinen öffentlichen psychosomatischen Sonderkrankenanstalt“ umzufunktionieren. Das Projekt konnte aber nicht umgesetzt werden. Derzeitiger Eigentümer des ehemaligen Sanatoriums Wienerwald ist eine deutsche Holding Gesellschaft. Als rechtlicher Vertreter und Verwalter fungiert eine Wiener Rechtsanwälte GmbH.
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