05.08.2016, 14:40 Uhr

"Sparen auf Kosten der Jüngsten"

Ebreichsdorfs Bürgermeister Wolfgang Kocevar über die Streichung der Förderungen durch das Land NÖ für Englischunterricht im Kindergarten.

EBREICHSDORF. Wir alle wissen aus eigener Erfahrung als Eltern, aber auch belegt durch zahlreiche wissenschaftliche Studien, dass die Förderung von Kleinkindern, nicht nur besonders wichtig, sondern vor allem, besonders effizient und erfolgreich ist. Die Stadtgemeinde Ebreichsdorf kommt in ihrem politischen Handeln, dieser Erkenntnis nach, indem sie besonders den Bereich der Kleinkinderbetreuung laufend ausbaut und auch private Kinderkrippen unterstützt. So sind z.B. in den letzten Jahren fünf zusätzliche Kindergartengruppen errichtet worden, ein völlig neuer Hort in Ebreichsdorf gebaut worden und auch in unsere Schulen wird laufend investiert.

Bildung unserer kleinsten MitbürgerInnen ist uns ein besonderes Anliegen, welches wir auch seit Jahren mit einem hochqualitativen Englischunterricht mit „native Speakern“ in all unseren Kindergärten forcieren und unterstreichen. Bisher konnten wir Teile der Kosten der beiden in der Stadtgemeinde Ebreichsdorf angestellten Englisch-LehrerInnen durch Förderungen vom Land NÖ kompensieren. Nunmehr ist das alles anders. Das Land NÖ hat uns am 28. Juni 2016 in einem Schreiben lapidar mitgeteilt, dass die Förderungen für externe Englisch-Lehrkräfte ab kommendem Schuljahr eingestellt und ersatzlos gestrichen werden. Im Gegensatz dazu bietet das Land NÖ Englischkurse ihren Kindergarten-PädagogInnen auf freiwilliger Basis an, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Künftig sollen sie dann im Zuge ihrer laufenden Tätigkeiten im Kindergarten, auch noch zusätzlich Englisch unterrichten.

Der Stadtgemeinde Ebreichsdorf entstehen dadurch nicht nur Mehrkosten von rund € 25.000 im Jahr, weil wir aus Überzeugung an den „native Speakern“ festhalten, um weiterhin unseren „Kleinsten“ die beste Sprachausbildung zukommen zu lassen. Sondern zusätzlich bürdet man den PädagogInnen auch noch eine zusätzliche Aufgabe auf, die sie in vielen Fällen weder aus zeitlichen noch qualitativen Gründen – besonders im Vergleich zu „native Speakern“, gar nicht umsetzen können.
Auch der Zeitpunkt der Mitteilung ist ein denkbar schlechter. Die Gemeinden müssen per Gesetz ihre Budgets im Dezember für das kommende Jahr beschließen und darüber hinaus auch einen mittelfristigen Finanzplan mit Einnahmen und Ausgaben dem Land NÖ vorlegen. Wie soll so ein Budget eingehalten werden können, wenn das Land ihrerseits zu erwartende Förderungen einfach unter dem Jahr ersatzlos streicht und die Gemeinde aber ihren Verpflichtungen nachkommen muss?
„Als Bürgermeister finde ich es ein völlig falsches Signal des „Familienlandes NÖ“, dass man gerade bei den Förderungen unserer jüngsten und kleinsten BürgerInnen den Sparstift ansetzt. Gerade hier sollten wir nicht Gelder streichen, sondern sogar zusätzliche Mittel in die Hand nehmen um jede Lernförderung für unsere Kleinkinder zu nutzen, um sie so noch besser auf die bevorstehende Schule vorzubereiten. Wir werden daher auch weiterhin auf unsere Englisch-Experten in Ebreichsdorf setzen und uns diese Ausbildung für unsere Kinder selbst leisten. Schade, dass wir seitens des Landes NÖ dafür künftig keine Unterstützung mehr bekommen und auch schade, dass wir von den Verantwortlichen des Landes NÖ als Gemeinde nicht einmal vorher zu dieser Änderung gefragt oder sonst wie eingebunden wurden

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Darüber hinaus verpflichtet man jetzt auch noch die Gemeinden die Organisation von verpflichtenden Elterngesprächen für jene Kinder zu übernehmen, die vor dem 1. September des jeweiligen Jahres das vierte Lebensjahr vollendet haben und nicht bereits zum Besuch des Kindergartens angemeldet sind. Das mögen zwar, wie das Land NÖ in ihrer Argumentation ausführt, nur wenige Prozent in NÖ sein, allerdings müssen die Gemeinden trotzdem alle ihre 4-jährigen Kinder „überprüfen“, ob sie bereits bei uns angemeldet sind, oder vielleicht irgendwo anders in einem Kindergarten. Und erst wenn wir diese Analyse gemacht haben, können wir die tatsächlich übrigen Eltern und Kinder zu einem verpflichtenden Elterngespräch einladen und haben keinerlei Handhabe, wenn diese der Einladung nicht Folge leisten. Eine weitere Maßnahme des Landes NÖ die einen erheblichen Mehraufwand für die Gemeinden bedeutet.
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