Das große Krabbeln

Fiona Kiss ist die Expertin in Sachen Marienkäfer. Hier hat sie einen schlafend auf dem Zupfkohl entdeckt. (Foto: Zeiler)

Gärtner lassen arbeiten: Die hohe Population österreichischer Marienkäfer ist äußerst gefräßig.

BEZIRK TULLN / NÖ. "Es gibt so viele Marienkäfer wie noch nie", erzählt Fiona Kiss von der Garten Tulln. Sie ist Expertin für Nützlinge und Pflanzenschutz und beobachtet die flugfähigen Tierchen bereits seit drei Jahren.
Der fingernagelgroße Nützling tritt heuer häufiger auf als in den Vorjahren. "Allerdings handelt es sich dabei um österreichische Arten", betont Kiss. Den Grund dafür vermutet sie in der Art der Überwinterung. "Der Siebenpunkter schläft in Bodennähe", weiß die Expertin, "sein asiatischer Kumpane hingegen in Baumritzen."
Der lange und kalte Winter könne den kleinen Tierchen durchaus so zugesetzt haben, dass sie nicht überlebt haben. "Das muss in den nächsten Jahren noch erforscht werden", blickt die Expertin in die Zukunft.

Kostenlose Arbeitskraft
"Der Marienkäfer ist keine Gefahr für den Gärtner", sagt Kiss. Im Gegenteil: Die Gärtner freuen sich über seinen Einsatz, frisst er doch die Blattläuse. Und das gilt auch für den asiatischen Käfer, der sich durch seine Zeichnung auf dem Kopfschild vom österreichischen unterscheidet. "Das 'W' macht ihn unverwechselbar", klärt Kiss auf, wobei "von vorne auf den Käfer geschaut werden muss". Auf Grund der Farbgebung könne man die Marienkäfer nicht unterscheiden, denn "beide treten in Gelb-, Orange- und Rottönen auf", so Kiss.

Zur Sache: Asiatischer Marienkäfer
Im Jahr 2006 wurde der asiatische Marienkäfer in Österreich erstmals entdeckt. Ursprünglich wurde der gefräßige Nützling in Belgien in Glashäusern eingesetzt, um Blattläuse zu fressen. Und dabei ist er entkommen und hat sich quer über Europa ausgebreitet.
Auch wenn er – im Gegensatz zum österreichischen Artgenossen – Larven frisst, ist er ein Nützling und damit schützenswert. Einzig bei den Weinbauern ist er unerwünscht: "Ein Sekret des Käfers macht das gute Tröpferl bitter", weiß Kiss aus Frankreich. "In Österreich haben wir das Problem noch nicht", fügt sie hinzu.
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