26.04.2016, 16:33 Uhr

Frost: Winzer holen Hubschrauber zu Hilfe

Horst Kolkmann im Hubschrauber: Die Rotorblätter wirbeln warme Luft auf den Boden.

Um einem Totalausfall der Weinernte vorzubeugen, wurde heute in 15 Metern Höhe die Luft mit den Rotorblättern verwirbelt; Auch die alte Tradition des Räucherns lebte am Wagram auf. Beschwerden von Anrainern sind die Folge.

FELS / GÖSING / WAGRAM. "Wir hatten heute eine sehr problematische Nacht – bei minus vier Grad Celsius haben unsere Weinbauern auf traditionelle Techniken zurückgegriffen", informiert Christian Bauer, Bürgermeister von Fels am Wagram.
Durch die tiefen Temperaturen fürchten die Winzer am Wagram um die Ernte, Ausfälle seien bei Minusgraden nicht gänzlich zu vermeiden, daher haben sich die Felser Weinbauern zusammengeschlossen und kurzerhand einen Hubschrauber organisiert, der heute Früh (26. April) über die Weinfelder geflogen ist.
"Der Frost heute Nacht hätte einen Totalausfall verursacht", sagt Sandra Kolkmann gegenüber den Bezirksblättern und reicht das Wort an Gatten Gerhard weiter, der gerade mit anderen Winzern in Besprechung ist.
"Mit dem Hubschrauber sind wir heute um 5:12 Uhr gestartet, um sodann in fünfzehn Metern Höhe über die Weingärten zu fliegen", so Gerhard Kolkmann. Durch die Rotorblätter entsteht eine Luftdurchwirbelung, warme Luft fällt zu Boden. "Wir erhoffen uns, dass wir den Großteil gerettet haben", so der Winzer, Schäden seien jedoch nicht auszuschließen. Gestartet und gelandet wurde direkt vom Parkplatz der Kolkmanns, die Genehmigung wurde vom Bürgermeister bereits präventiv gegeben, denn "schließlich weiß man im Vorfeld nie, wann der Frost kommt", so Bauer.

Gösing versank im "Rauch"

Wenige Kilometer weiter, in Gösing, hat sich Bio-Winzer Toni Söllner für die Tradition des Räucherns entschieden – aus Kostengründen wie er sagt – , um die Ernte nicht in Gefahr zu bringen. Durch das Anzünden von Stroh wird die Luft aufgewärmt: "Der feuchte Nebel verhindert dann auch, dass die Sonne zu früh auf die Blätter scheint", so Söllner, der betont, dass dies eine legale Methode ist, die von der Behörde genehmigt wurde. Bei den Anrainern stößt das jedoch auf Missgunst: "Der Rauch ist eine massive Belastung der Atemwege, ganz besonders bei Kranken, Kindern und alten Personen oder Leuten mit Lungenproblemen", ist Michaela Zens überzeugt, dass "mit dieser Aktion bewusst tausende Menschen am Wagram einer Ruachgasvergiftung ausgesetzt werden", was mit dem Bio-Gedanken nicht zu vereinbaren sei. Im Kreuzfeuer steht nun auch Bürgermeister Christian Bauer, dem vorgeworfen wird, dass die Bevölkerung nicht rechtzeitig vorgewarnt wurde.
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