06.04.2016, 00:00 Uhr

Glück und Horror auf zwei Rädern

Walter Resch und Markus Lampl sind nach der Ausfahrt ins Kamptal in Sieghartskirchen bei Waltraud Kadlec eingekehrt. (Foto: Zeiler)

Niederösterreich wird international zum Motorrad-Land. Lokalaugenschein auf den Biker-Routen im Bezirk.

BEZIRK TULLN. Aus der Bundeshauptstadt machen sich derzeit ganze Legionen von Bikern nach Niederösterreich auf, aber auch international werden wir immer mehr zum Land der „Gasradln". Das deutsche Forum „Kurvenkönig.de“ schwärmt etwa: "Hier ist Motorradfahren fast wie Stricken. Links, rechts, ja keine Kurve auslassen. Traumhafte Tourentage auf einsamen Landstraßen…“ Was für die einen Spaß und Freiheit bedeutet, ist für Anrainer aber oft Lärm und Stress und für die Einsatzkräfte jede Menge Arbeit. Die Bezirksblätter haben die beliebtesten Bikerrouten im Bezirk besucht – ein Lokalaugenschein. Den besten Blick über das Tullnerfeld hat man auf der Exelbergstraße über Königstetten. Nur zu gerne würden die Biker hier in der Doppler-Hütte einkehren, doch dieser Spaß bleibt seit zehn Jahren verwehrt, auch wenn eine Facebook-Gruppe an den Wirt appelliert, wieder zu öffnen. Walter Doppler hofft, dass er das Lokal an ein Familienmitglied weitergeben kann. Zum Thema Lärm meint er: "Die eingesessenen Königstettener können damit leben. Die Zuzügler jedoch nicht."

Lärmmessungen geplant

Das bestätigt auch Bürgermeister Roland Nagl: "Es hat bereits ein Dreier-Gespräch zwischen Königstetten, Tulbing und Sieghartskirchen gegeben, wo uns vonseiten der Exekutive eine verdichtete Überwachung zugesagt wurde." Zusätzlich würden die Gemeinden eigene Verkehrsmessungen durchführen, die an die Behörde übermittelt werden. "Das ist die beliebteste Motorradstrecke im Bezirk", weiß auch Chefinspektor Leopold Heindl vom Bezirkspolizeikommando. Eine koordinierte Überwachung findet hier statt, "einmal sind die Wiener Kollegen hier, ein andermal jene von Wien-Umgebung und auch wir aus dem Bezirk."

Glimpflich ausgegangen

Unfälle passieren hier immer wieder: „Für uns ist ein Motorradunfall wie jeder andere Verkehrsunfall, mit dem jeder Rotkreuz-Sanitäter aufgrund seines Fachwissens problemlos umgehen kann. Der einzige Unterschied ist, dass es entweder leicht oder schwer verletzte Motorradfahrer gibt. Mittelschwere Verletzungen sind eher selten der Fall. Neben einer vorausschauenden Fahrweise ist die richtige Schutzausrüstung das Um und Auf. Unfälle, die mit Schutzkleidung voraussichtlich glimpflich ausgehen würden, können bei Nichtverwendung schnell zur Tragödie werden", weiß Roman Hochgerner, Tullns Rot-Kreuz-Bezirksstellenverantwortlicher für den Ausbildungsbereich. Doch was wäre eine Motorradausfahrt ohne Einkehr: Die beiden Tullner Walter Resch und Markus Lampl, Obmann-Stellverteter des Sieghartskirchner Motorradclubs, waren Freitag im Kamptal unterwegs. Der krönende Abschluss: "Ein Erdbeerbecher bei der Waltraud", sagt Lampl, der genüsslich mit dem Löffel in das Eis sticht.

Zur Sache
Auf der Website
kurvenkönig.de führen zwei Motorradstrecken durch den Bezirk Tulln:
Weinviertel Teil 2:
Großweikersdorf, Ruppersthal, Oberstockstall, Großriedenthal und weiter in Richtung Mühlbach am Manhartsberg.
Die Wienerwaldroute führt durch Sankt Andrä-Wördern über Zeiselmauer, Muckendorf, Tulln, Zwentendorf und weiter nach Traismauer.
Im Bezirk Tulln sind per 31. Dezember 2015 5.024 Mororräder (inkl. Leichtmotorräder) sowie 2.664 Motorfahrräder (inkl. Kleinmotorfahrräder) zugelassen (Quelle: Statistik Austria).
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