09.05.2016, 14:49 Uhr

Im Reich der Uhren steht die Zeit

Die ticken alle richtig: Ernst Tringl zeigt seine Küchenuhren, ein kleiner Teil der Sammlung.

Ernst Tringl ist Herr über 700 Uhren, doch für Hektik ist in seinem Leben kein Platz.

TULLN (bt). Ticktack, Ticktack, klingen unzählige Zeiger, ein Kuckuck verkündet die volle Stunde: Es ist 10 Uhr als Ernst Tringl die Bezirksblätter in seinem Geschäft "Zeitreise" in der Tullner Albrechtsgasse begrüßt. "Und ich habe ja nicht einmal alle aufgezogen, die Leute würden mir ja sonst narrisch werden", lacht der 67-jährige Besitzer von beinahe 700 Uhren. Seine Leidenschaft hat er schon mit 20 Jahren entdeckt. "Ich bin da erblich vorbelastet", denn auch Tringls Schwiegervater war verrückt nach Uhren.

Hobby wurde zu Beruf

"Das wäre eigentlich meine Arbeit gewesen, aber mir wurde gesagt: Geh zum Staat, da hast du etwas Sicheres", denkt Ernst Tringl zurück. So schnupperte er erst mit 50 Jahren in das Uhrmacherhandwerk hinein. In der Pension machte er seinen Lebensinhalt schließlich zum Beruf. Er restauriert und repariert alte, mechanische Uhren und verkauft diese weiter, aber nur an Liebhaber und Sammler. "Ich will nicht, dass, wenn ich einmal nicht mehr bin, der Container kommt und alles mitnimmt", ist sein Gedanke dahinter. Tringls Kinder teilen die Begeisterung nämlich nicht.


"Geld bedeutet mir nix"

Seine Schätze hat Tringl an drei Orten verteilt: Geschäft, Haus und Werkstatt. Neben Uhren verkauft er andere Antiquitäten, alte Bücher und sogar das Messgewand eines Pfarrers hat er im Repertoire.
"Es schaut zwar nicht so aus, aber ich finde hier noch alles", so der 67-Jährige über das kreative Chaos. Zu seinen Kunden zählt er "gediegene Leute" und auch Tullns Prominenz aus Wirtschaft und Politik fühlt sich bei ihm wohl.
Um große Verdienste geht es ihm nicht. "Mir liegt an dem Geld nichts." Er will die mechanischen Uhren nur nicht aussterben lassen, denn "was weg ist, ist weg und unwiederbringlich." Werbung für sein Geschäft hat Tringl noch nie gemacht. "Liebhaber finden mich schon", ist er überzeugt.

Die Faszination dahinter

Die Mechanik eines Uhrwerks ist kompliziert. "Man muss den Ablauf genau in seinem Hirnkastl speichern", sagt der Tullner. Ruhig muss man sein, Gefühl, gute Augen und Ohren haben. Alkohol ist tabu.
Besonders die Erfolgserlebnisse beim Reparieren lassen Ernst Tringl immer weiter machen. "Andere sagen, hau's weg. Das taugt mir."


Stress ist ein Fremdwort

Das ständige Geticke macht Tringl nicht verrückt, er lauscht den Klängen gerne und kann sie genau verschiedenen Uhren zuordnen. "Eine billige Uhr klingt nun einmal blecherner als eine teure." Zwar wird er ständig von diesem Klang der Zeit begleitet, doch Hektik und Stress kennt der Sammler nicht. "Ich habe nicht das Gefühl, dass mir die Zeit davon rennt. Ich freue mich einfach über jeden neuen Tag, an dem ich die Augen aufmache."
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