15.07.2016, 09:04 Uhr

Nizza: "Dort kannst nicht ausweichen"

Dominik Binder, Geschäftsführer der Rot-Kreuz-Bezirksstelle: "Vorbereitung in Friedenszeiten ist unumgänglich!" (Foto: Zeiler)

Attentat am Nationalfeiertag in Frankreich endet blutig: Tullner trauern mit Franzosen.

JUDENAU / HASENDORF / SITZENBERG-REIDLING / FRANKREICH. "Ich hab genau dort gewohnt – wenn ich mir denke, dass ich da erst vor kurzem gegangen bin", ist Georg Hagl, Bürgermeister von Judenau-Baumgarten, erschüttert.
In der Hafenstadt Nizza wurde auf der Promenade gefeiert, der französische Nationalfeiertag war Grund dafür. Doch dann raste gestern Abend, 14. Juli, ein Lastwagen auf einer Strecke von zwei Kilometern auf der berühmten Uferstraße in die Menschenmenge – die blutige Bilanz: über 80 Tote und 200 Verletzte. Der Fahrer wurde von Polizisten erschossen, der Ausnahmezustand verhängt.

Wie schnell könnte die Tullner Rettungsmannschaft reagieren, wenn so ein Anschlag bei uns passieren würde – das haben die Bezirksblätter bei Dominik Binder, seines Zeichens Geschäftsführer der Tullner Bezirks-Rot-Kreuz-Stelle nachgefragt. "In einer halben Stunde. Wenn ein Großalarm ist, dann läutet es bei uns allen". Und damit meint er etwa 350 Sanitäter im Bezirk Tulln. Erst kürzlich habe man geübt: "In der Rosenarcade", sagt er und betont, dass das Bezirkskommando, das im Hintergrund arbeitet und auch bei der Flüchtlingskrise im Einsatz war, dann sofort alle verfügbaren Kräfte sammelt. Zehn Tage war man damals im Vollbetrieb. Doch eines ist ganz wichtig: "Die Vorbereitung in Friedenszeiten", so Binder.

Traude Martinek aus Hasendorf kennt Nizza mit ihrer Promenade wie ihre Hosentasche, weil sie schon so oft dort war: "Das ist ganz, ganz schlimm, was – und dass so etwas in Mitteleuropa passiert". Erinnerungen an ihre Reise an die Cote d'Azur werden wach: "Ich war sogar einmal am Nationalfeiertag vor Ort. Das Leben scheint dort so leicht zu sein, doch wie die Franzosen jetzt weiterleben? Ich weiß es nicht", sagt sie.

Schulung durch Cobra

Auch Stefan Öllerer aus Sitzenberg-Reidling war vor kurzem in der französischen Hauptstadt, in Paris: "Jetzt hatte man geglaubt, dass nach der Fußball-EM alles vorbei ist und dann dieser Anschlag". Mit der Kamera war er den Kickern auf den Fersen – von Angst war keine Rede. "Vor der Reise hatten wir eine Schulung durch die Cobra", so Öllerer, der zu bedenkten gibt, dasss "im österreichischen Straßenverkehr jährlich 300 Personen sterben". Es würde sich auch niemand fürchten, wenn er auf der Westautobahn unterwegs ist – ob des Vorfalls zeigt er sich fassungslos, auch deshalb weil Öllerer selbst am österreichischen Nationalfeiertag alle Jahre am Heldenplatz mit dabei ist und fotografiert: "Das hat Symbolkraft", meint er zum Attentat.

Ausweichen unmöglich

Warum sich die Menschen nicht retten konnten, weiß Georg Hagl: "Dort kannst du nicht ausweichen. Auf der einen Seite sind die Hotels und auf der anderen Seite ist das Meer, also Promenade, Straße, Radweg, Meer", so der Bürgermeister, der von seinem Hotel aus den direkten Blick auf die Promenade und ein Radrennen hatte.
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