11.05.2016, 09:34 Uhr

Villa Kunterbunt der Teddys

Ohne Leiter aufs Dach: Zwischen Elefant und Hase nimmt Helmut Karner Platz.

Sylvia und Helmut Karner lieben es ihr Haus in St. Andrä zu schmücken, mit Stofftieren.

ST. ANDRÄ (bt). Fährt man von St. Andrä nach Maria Gugging ist es nicht zu übersehen, das Haus auf dessen Dach sich Stofftiere reihen. Die Bezirksblätter wollten wissen, welche Menschen hinter dieser außergewöhnlichen Deko stecken. Als wir unangemeldet läuten, werden wir zuerst lautstark von vier Hunden begrüßt. Dann zeigen sich Frauchen und Herrchen, das Ehepaar Karner. Die 58-jährige Sylvia und der 72-jährige Helmut sind also für das Sammelsurium an Tieren verantwortlich.

Müll-Teddy erweichte Herzen

Wie ist das gekommen? Die erste Frage die sich stellt. Angefangen hat alles mit einem riesigen Bären. "Ich liebe Stofftiere. Vor mehr als 15 Jahren haben wir einen neuen Bären auf dem Müll gefunden. Das hat mir so leid getan", so Sylvia. Das Ehepaar fackelte nicht lange und setzte das Fundstück vom nebenan gelegenen Altstoffsammelplatz auf das Dach des Carports. So nahm es seinen Lauf. Immer wieder fanden sich Tiere aus Plüsch im Müll oder Leute brachten sie vorbei.
"Ein Bub hat seinen Rex gebracht und gefragt ob wir ihn hinauf setzen, damit er ihn sieht, wenn er mit dem Bus vorbeifährt", erinnert sich die 58-Jährige. Einem anderen Fan hat in seiner Sammlung der Obelix gefehlt, der bei den Karners auf dem Dach saß. "Er wollte ihn kaufen. Wir haben ihn ihm geschenkt", so Helmut.


Jedem Tierchen sein Sessel

Als auf dem Carport-Dach schon mehrere Reihen saßen, schritt die Gemeinde ein. Aus Angst, dass es einstürzt. Wir wussten nicht mehr wohin damit. Jetzt ist der Baum auch schon voll", so die Liebhaberin, die auch Diddl-Mäuse sammelt. Für sie wird das Mithelfen beim Dekorieren mit zunehmendem Alter schwerer. Ihr Mann kennt da nichts: "Ich brauche nicht einmal eine Leiter, um auf das Dach zu kommen." So übernimmt er das Trapieren. Die Tiere werden aneinander und an ihren Stühlen festgebunden. "Wir haben ja auch sehr starke Stürme." "Ausgerissen" und den Karners um die Ohren geflogen, sind sie dank dieser Technik noch nie.
Trotzdem ist das Wetter ihr Feind. "Sie sitzen das ganze Jahr draußen und verwittern", so Helmut Karner. Zuerst reißen die Nähte auf. Etwa nach sieben Jahren sind die Tiere dann meist endgültig hinüber.


Touristenattraktion St. Andräs

Touristen aus vielen Ländern Europas haben schon einen Zwischenstopp beim Stofftier-Haus in St. Andrä eingelegt. Manche empfinden den ungewöhnlichen Hausschmuck auch als "kindisch" und "deppert", das ist den Eheleuten bewusst. Doch ihnen bereitet es Freude. Als Weg um sich ihr inneres Kind zu bewahren, betreiben sie den Aufwand nicht und auch Aufmerksamkeit war nicht ihr Ziel, "damit rechnen musste man aber".
Dass die vielen Augen in der Dämmerung auch an einen Horrorfilm erinnern könnten, haben die Karners noch nie gehört.

Guter Navi-Ersatz

Der Hausschmuck bringt neben viel Arbeit auch Vorteile mit sich, denn oft finden Navis die Adresse des Hauses in der "Grauzone" nicht. "Wenn wir was bestellt haben, sagen wir einfach zu dem Haus mit den Teddybären", lacht Helmut Karner. Humor, Flexibilität aber auch ein bisschen Verrücktheit gehören zum Leben der Karners in ihrer ganz persönlichen Villa Kunterbunt dazu.
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