15.07.2016, 17:35 Uhr

"Der letzte Anstieg wird entscheiden"

(Foto: sportmotion.cc/Wieshofer)
LINZ/BAD LEONFELDEN. Martina Ritter wird als einzige Österreicherin am 7. August beim Olympia-Radstraßenrennen in Rio starten. Die 33-jährige Linzerin und Bankmanagerin stammt aus Bad Leonfelden und hat da ihre Leidenschaft für den Radsport entdeckt.

BezirksRundschau: Wie sind Sie momentan in Form? Mit Platz 23 beim Giro zufrieden gewesen?
Ritter: Der Formaufbau liegt im Plan. Ich habe heuer im März/April sowie im Mai ein Höhentrainingslager absolviert und bin mein erstes Rennen erst Ende April gefahren. Von Ende Mai bis Mitte Juli hatte ich jetzt durchgehend Rennen, um die notwendige Rennhärte zu entwickeln. Mit dem Giro habe ich mich in Form gefahren, was man an den immer besser werdenden Ergebnissen sehen kann. Ich war mit einer Verkühlung und muskulären Problemen zum Giro angereist und fühlte mich von Tag zu Tag besser. Auf der wichtigsten Etappe über den Mortirolo konnte ich schon mit der Weltmeisterin und Europameisterin mithalten. Auf weiteren Bergetappen konnte ich viel Selbstbetrauen betreffend meiner Qualitäten am Berg tanken. Für mich war der Giro ein Formtest, der nach Wunsch verlaufen ist.

Wie bereiten Sie sich das Olympia-Rennen in Rio am 7. August jetzt vor? Trainieren Sie voll oder regenerieren Sie mehr?
Ich bin direkt nach dem Giro nach Livigno gereist um mein letztes zweiwöchiges Höhentrainingslager zu absolvieren. Da die Belastung beim Giro sehr hoch war, habe ich die ersten Tage danach mehr regeneriert. Seit 14. Juli mache ich Grundlagentraining, das heißt lange Einheiten am Rad. Gegen Ende des Höhentrainingslagers wird die Intensität gesteigert. Danach bin ich zwei Tage daheim. Am 27. Juli fahre ich das Innenstadtkriterium in Wels fahre und am 29. Juli fliege ich nach Rio. Dort gilt es dann ein gutes Gleichgewicht aus Regeneration und Training zu finden, um am 7. August die bestmögliche Leistung abrufen zu können.

Wie liegt Ihnen der Kurs in Rio?
Er kommt mir sehr entgegen, da er schwer ist. Insgesamt sind 141Kilometer zu absolvieren. Nach relativ flachen 40 Kilometer erwartet uns zweimal die Grumari Schleife mit einer Kopfsteinpflasterpassage und zwei Anstiegen mit je einem einem Kilometer und 110 Höhenmetern sowie zwei Kilometern und 150 Höhenmetern bevor es nach 116 Kilomtern in die Vista Chinesa Runde geht, wo zunächst der Canoas Anstieg gefolgt vom Vist Chinesa Anstieg über insgesamt neun Kilometer und 500 Höhenmeter zu bewältigen sind. Danach folgt eine technische Abfahrt von 12 Kilometern und weiter zwölf flache Kilometer bis ins Ziel. Der letzte lange Anstieg wird sicher entscheidend sein. Deshalb habe ich auch mein Training und meine Rennen auf schwere Berge ausgerichtet.

Spielt das Klima in Brasilien eine große Rolle?
Ja, weshalb auch die Akklimatisation sehr wichtig ist und wir schon eine Woche vorher, nicht nur wegen fünf Stunden Zeitverschiebung, anreisen. Das Problem ist allerdings nicht die Hitze, sondern viel mehr die hohe Luftfeuchtigkeit, die mir normalerweise aber nicht viel ausmacht.

Wer sind die Favoriten in Rio? Was ist für Sie drinnen?
Die Favoriten in Rio sind die amtierende Weltmeisterin Elizabeth Armitstead, für die alles andere als der Sieg eine Enttäuschung wäre, Megan Guarnier, die Giro d’Italia Siegerin, oder auch die Holländerin Anna von der Breggen.

Sie sind die einzige Österreicherin am Start, ein Nachteil?
Ich bin auf mich allein gestellt, muss daher für niemanden arbeiten, bekomme aber auch keine Hilfe. Andere Nationen haben bis zu 4 Starterinnen. Es wird schwer.

Seit 2014 sind Sie Profi bei BTC City Ljubljana. Warum ist Ihr Verein nach wie vor Union Bad Leonfelden?
Ich bin ursprünglich Bad Leonfeldnerin und war schon immer bei der Union Bad Leonfelden, zunächst in anderen Sportarten und seit gut zehn Jahren auch in der Sektion Radsport. Ich habe meine Leidenschaft zum Radsport bei den Leonfeldner Radfahrern entdeckt, und habe dort immer die Unterstützung bekommen, um meinen Sport auszuüben.

Sind Sie mit der Bäckerei Ritter in Bad Leonfelden verwandt?
Die Bäckerei Ritter ist ein Familienbetrieb und wurde von meinem Opa väterlicherseits an meinen Onkel und nun an meinen Cousin vererbt. Mein Papa ist schon immer in der Bäckerei Ritter tätig.
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