26.03.2016, 17:18 Uhr

Besuch im Pflegeheim

Vor einigen Jahren wurden die Gemeinden in Klagenfurt und Villach zusammengelegt. Immer wieder erhalte vom Bischof einen Auftrag ältere und kranke Menschen in Klagenfurt zu besuchen. Viele kenne ich nicht. Verschiedenen Gründe, mit dabei auch Krankheit, lassen sie den Gottesdiensten fernbleiben.

Diesmal hat Alexander Geburtstag. Er wird seit längerer Zeit in einem Pflegeheim mit den lebensnotwendigen Dingen versorgt. Ich kenne ihn nicht, weiß nicht, wie er aussieht, schon gar nicht wie es ihm geht. Ich war noch nie bei ihm. Weiß nicht, was mich erwartet. Während der Fahrt nach Klagenfurt fallen mir die Worte David Zwillings ein. Der ehemalige Schiweltmeister hat ein bewegtes erffolgreiches Leben hinter sich und noch vor ihm. Vor einigen Jahren wurde seine Enkeltochter entführt. Als er gefragt wurde, wie er damit umging, antwortete er sinngemäß: "Mir war bewusst, dass ich aktiv nichts tun konnte. Natürlich hat es mich innerlich zutiefst ergriffen. Doch Ich blieb ruhig und bin voll in die Liebe gegangen. Nach nicht einmal einem Tag war die Sache auch schon wieder vorbei."

Voll in die Liebe gehen. Was meint er damit genau. Vermutlich werde ich es brauchen. Als wir ankamen - Elder Albrecht und Elder Jensen begleiteten mich auf meine Bitte hin - fragten wir nach Alexander.

Die Pflegerin meinte: "Aha - Zimmer Nr. xxx!" Das Aha ließ auch einen gewissen Interpretationsspielraum offen. Das ZImmer war bald gefunden. Wir fanden heraus, dass Alex einen Mitbewohner hatte. Ich wußte nicht welcher von beiden Alex war. Gefühlsmäßig war Alex der Mann gleich im ersten Bett neben der Tür. Er antwortete jedoch auf meine Frage nicht, so wandte ich mich an seinen Kollegen. Ich stellte fest, dass bei ihm eine Trachealkanülle (=Luftröhrenschnitt) gesetzt war und er auf meine Frage auch nicht antworten konnte. Irgendwie nahm er uns auch nicht wirklich war. So wandte ich mich an Alex zurück. Er lag seitlich im Bett und drehte mir seine Augen zu. Nur ganz kurz und blickte dann wieder geradeaus auf die Seite. Ich gratulierte ihm zu seinem Geburtstag, doch es war ganz eigenartig. Er sagte kein Wort, reagierte nicht und blickte immer nur seitlich an mir vorbei über Polster und Bettrand an die Wand. Es schien auch nicht, dass er er mich absichtlich ignorierte. Er konnte offensichtlich nicht anders. Möglicherweise hat er mich weder gesehen noch gehört. Zumindest verhielt er sich so. Was also tun. Ich versuchte wiederholt ein paar Worte zu sagen. Doch keine Reaktion. Auch wagte ich es nicht, ihn zu berühren. Das schien mir irgendwie übergriffig. So blickte ich ihn einfach an und wünschte ihm Gottes Segen. So verabschiedeten wir uns und ließen Alex und seinen Mitbewohner wieder allein.

Es war irgendwie eigenartig. "Voll in die Liebe gehen!" schoss mir wieder in den Kopf und es wurde mir bewußt, dass es da noch einiges zu lernen gibt. Am Rückweg kamen wir wieder bei Franz vorbei. Er ist uns vom Eingang weg gefolgt. Dort hat er uns so freundlich begrüßt, als ob wir alte Freunde wären und er der Herr des Hauses ist. Langsam folgte er uns wieder durch die ausgedehnten Gänge des Pflegeheimes Richtung Ausgang.

Alex hatte unsere Gratulation nicht wahrgenommen und ich fragte mich, ob es einen Sinn gehabt hat, dafür von Villach nach Klagenfurt zu fahren. Wiederholte Bemühungen darum, voll in die Liebe zu gehen, machen es mehr als wert. Vermutlich ist das eine der Dinge, die unsere Gesellschaft ganz notwendig braucht.

https://www.lds.org/scriptures/bofm/moro/7.48?lang...

Darum, meine geliebten Brüder, betet mit der ganzen Kraft des Herzens zum Vater, daß ihr von dieser Liebe erfüllt werdet, die er all denen zuteil werden läßt, die wahre Nachfolger seines Sohnes Jesus Christus sind; damit ihr Söhne Gottes werdet; damit wir, wenn er erscheinen wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist; damit wir diese Hoffnung haben; damit wir rein gemacht werden, so wie er rein ist. (Moroni 7:48)
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