10.03.2016, 07:54 Uhr

BIENENSTICH - eine süße Köstlichkeit, oder eine schmerzende Erfahrung

Oh, welch ein sonnig, schöner Frühlingstag!

Sengende Sonnenstrahlen wärmen den Bienenstock.
Seine Bewohner, all die winzigen Immen
gähnen und strecken sich und wissen:
Jetzt geht die Arbeit wieder los.
Gott oh Gott, wo standen nur all die erblühten Weiden?

Eine Honigbiene ruft gut ausgeruht: Ich bin dann mal weg
und fliegt zum verwachsenden Weg am Acker,
wo die Salweiden wucherten und den Weg säumten.
Doch oh weh, gerupft und zersaust steht die Weide da,
dass sich Gott erbarm!

Nur noch wenige samtige Kätzchen
klammern sich am Gehölz der Weidensträucher.
Und unterhalb, da wo sonst der Löwenzahn leuchtete,
seine strahlenden Blüten, gefüllt mit süßem Göttertrank -
da ist wohl der Bauer mit seinem Pflug drüber gefahren.
Die speckige, braune Erde, in der die Saat keimt
nährt im Frühling kein Bienchen mehr,
und Unkrautvernichter bringen nicht nur den Feldblumen den Tod!

Hungrig irrt das Bienchen verwirrt zum nahen Bach;
dorthin, wo all die Haselnusssträucher standen.
Doch, oh Schreck, die Schneelast brachte sie zu Fall,
und anstatt - als blühende, kleine Würmchen, reich an Pollen,
die Insekten zu laben, liegen sie gebrochen und gefällt am Boden.

Bienchens Summen klingt schon sehr verzagt,
denn weite Strecken ohne Nektar zu schlecken,
zermürbt und der Magen knurrt auch schon.

Auf den Bäumen, in der Obstbaumwiese
schwellen nach dem langen Winter, erst die Knospen,
noch ist es nicht so weit - alles braucht halt seine Zeit!

Honigbienchen fliegt suchend weiter,
bis hin zu dem weißem Haus der Menschen.

Die Weidenkätzchen duften verführerisch nektarsüß
aus dem einladend geöffneten Fenster.

Gleich dort auf der Fensterbank,
in einer bauchigen Vase steht der festlich geschmückte Osterstrauch;
schön anzusehen und seine Palmkätzchen leuchten sonnig gelb
und rufen dem Bienchen zu: es ist angerichtet;
wir warten seit Tagen auf dich!

Frau Maier, die es gern schön und festlich geschmückt zu allen Anlässen hat,
hat sich gerade zur Kaffeepause nieder gesetzt.

Sie ist den süßen Mehlspeisen sehr verfallen,
und hat sich für heute zum Kaffee vom Konditor
einen zuckersüßen "Bienenstich" besorgt,
welchen sie jetzt zu genießen gedenkt.

Verzückt schließt sie die Augen und beißt genussvoll in die Köstlichkeit.

Ein Schrei schallt durch den Raum,
nein wirklich, das hat Bienchen wohl verschuldet; aber nicht gewollt!
Wollte es doch, so hungrig wie es war,
auch erst einmal von dem süßen Gebäck naschen - und jetzt das!

Glauben doch all die Menschenkinder,
die Natur erwacht nur für sie,
damit sie ihre Häuser mit den ersten Frühlingsblumen schmücken.
Gerade diese ersten Weidenblüten, reich an Nektar und Pollen
dienen den schwärmenden, fleißigen Bienen
als erste Nahrungsaufnahme
nach einem entbehrungsreichen Winter!

Hildegard Stauder
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Barbara Stauder aus Linz | 10.03.2016 | 08:25   Melden
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Doris Schweiger aus Amstetten | 10.03.2016 | 09:18   Melden
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Ilse Hanold aus Rudolfsheim-Fünfhaus | 10.03.2016 | 14:57   Melden
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Elisabeth Staudinger aus Vöcklabruck | 12.03.2016 | 11:13   Melden
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Erika Bauer aus Bruck an der Mur | 13.03.2016 | 18:48   Melden
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Hildegard Stauder aus Villach | 14.03.2016 | 06:15   Melden
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