01.07.2016, 08:14 Uhr

Leb wohl! Vergiss-mein-nicht ...Poesiealbumsverse & Freundschaftsverbandelungen

Ich, in der obersten Reihe - zweite von links: die Größte war ich nie, aber auch nie die Kleinste, außer inmitten meiner Geschwister - hi, hi, hi
Liebe Leute, groß und klein,
haltet mir mein Album rein;
reißt mir keine Blätter raus,
sonst ist's mit der Freundschaft aus!

So lautet mein pfundiges Verslein auf der ersten Seite in meinem Poesiealbum.

Poesiealbum - Verse, wer kennt sie nicht?

Der Phantasie sind wahrlich keine Grenzen gesetzt.
Die Seiten gefüllt mit sehr persönlichen Einträgen;
mit bewegenden Sprüchen
und professionellen Zeichnungen.

Ich blättere versunken in meinem ganz persönlichem, interessantem Büchlein,
geschrieben in flüssigem, gewandtem Stil,
in Schönschrift mit Feder und Tinte
oder von den Jungs, in "schlechter, leserlicher Handschrift";
untermalt von Zeichnungen
oder, mit den damals so begehrten "Glanzbildchen".

Was die Reihenfolge der Eintragungen betrifft,
so finde ich auf den ersten Seiten meine Eltern & Geschwister.
Mama schrieb mir:
Das Veilchen am Bache, das Röslein am Strauch
sind alle zwei herzig, und Du, meine Tochter bist es auch!

Meine Liebe Tochter Hildegard!
Ich schreibe mich als erste in dieses Album ein,
weil ich dich am liebsten hab.
Kommen Dir nach vielen Jahren
diese Zeilen zu Gesicht,
denke, dass wir als Mutter und Tochter
für immer vertraut und Freunde waren.
LEB WOHL: VERGISS-MEIN- NICHT
in Liebe Deine Mama

Mein Papa schrieb mir am 29.01. 1955
das Zitat von Aphorismus Laotse

Zum Geleit meiner Tochter Hildegard!
Wer andere erkennt, ist gelehrt.
Wer sich selbst erkennt, ist weise.
Wer andere besiegt, hat Muskelkräfte.
Wer sich selbst besiegt, ist stark.
Wer zufrieden ist, ist reich.
Wer seine Mitte nicht verliert, der dauert.

Für all Deine Lebensabschnitte
wünsche ich Dir, meine liebe Tochter nur das Beste - Dein Papa

Dann folgen meine Geschwister, meine Tanten und Cousinen.
Daran anschließend mein Lehrer Dr. Faber,

Ich bin fest davon überzeugt,
dass hienieden gar nicht das Land des Genusses,
sondern das Land der Arbeit und Mühe ist,
und dass jede Freude nichts weiter als Stärkung
zu weiterer Mühe sein soll - von Johann Gottlieb Fichte

Trachte nicht zu scheinen, sondern zu sein
und dieser Überzeugung dankst Du der tiefen Seelenruhe,
die Du genießest.
Dir, liebe Hildegard, zur Beherzigung Dein Lehrer

Und dann verewigten sich alle, wirklich alle Mitschüler und Mitschülerinnen
mit herzallerliebsten Sprüchen und Versen.

Ein Mitschüler schrieb mir folgenden Vers'lein:
Wenn die Bäche aufwärts fließen,
wenn die Hasen Jäger schießen,
wenn die Mäuse Katzen fressen, dann erst werd' ich Dich vergessen!
...und das ohne Glanzbildchen,
aber - mit einer gelungenen Zeichnung,
mit rankenden, nicht verblühenden roten Rosen.

Meine Augen wandern über das damalige Klassenfoto,
lang, lang liegt das alles zurück;
und ich frage mich,
was wohl aus allen meinen damaligen Mitschülern
der Oberklasse Mädchen und Knaben - Jahrgang 1943/44 geworden ist?
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Franz Schaufler aus Weiz | 01.07.2016 | 08:44   Melden
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Hildegard Stauder aus Villach | 01.07.2016 | 09:42   Melden
11.762
Hedy Busch aus Horn | 02.07.2016 | 02:11   Melden
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Hedy Busch aus Horn | 02.07.2016 | 02:11   Melden
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Hildegard Stauder aus Villach | 05.07.2016 | 06:45   Melden
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