11.06.2016, 13:45 Uhr

LESERBRIEFE: Warum hat Villach bei der Bundespräsidentenwahl blaugemacht?

Villach wählte bei der Bundespräsidentenwahl blau – gegen den Städtetrend (Foto: WOCHE)

Als einzige der zehn größten Städte Österreichs hat Villach mehrheitlich Norbert Hofer gewählt. Wir fragten unsere Leser, warum. Anbei einige Antworten.

Hausgemacht

Dass von den rund 49 Prozent, die im März 2015 in Villach noch SPÖ gewählt haben, geschätzte 30 Prozent jetzt Hofer wählten, ist nicht allein auf die Fremdenpolitik zurückzuführen. Da gibt es "Hausgemachtes" ohne Ende, bei dem die Villacher ohnmächtig zuschauen, wie man mit Ihrem Steuergeld umgeht. Wegen 55 Euro Verwaltungsgebühr für einen einzigen Brief der Friedhofsverwaltung geht zwar niemand auf die Straße, das heißt aber nicht, das die Bürger das so einfach hinnehmen. Auch die "Leichenfledderei-Gebühr" im LKH Villach, ohne die geringste Leistung der Gemeinde, merken sich die Menschen. Dann noch zu behaupten, der Text des Gesetzes zwinge die Stadt, diese Gebühr einzuheben, lässt das Fass überlaufen. Niemand ist berechtigt, eine Gebühr ohne Leistung der Stadt aufzuzwingen. Man hält die Bürger einfach für blöde. 
Die Rechnung haben Sie bekommen. Wenn keine Kehrtwendung erfolgt, ist die nächste "Rechnung" vorprogrammiert!!
Gordon Kelz, Landskron

Großquartier

Die Antwort auf Ihre Frage, warum Villach Blau gemacht hat, lautet ganz einfach: Migration in Kombination mit einem via Durchgriffsrecht "vollzogenen" Großquartier!
Andreas Sucher, Stadtrat

8 Gründe

Meine Begründung für die Hofer-Mehrheit in Villach:
1) In Villach gibt es keine Universität mit einer größeren geisteswissenschaftlichen Fakultät.

2) Die Villacher wollen sich nicht künstlich vom Land abheben. Stadt und Land gehören für sie zusammen. Das ist auch ein Zeichen ihres Selbstbewusstseins.

3) Die Villacher sind bodenständiger als die meisten Städter und in ihrer Lebensführung durchschnittlich praktischer und lebensnäher. Es gibt in der Stadt – als "Nicht-Landeshauptstadt" – relativ wenige Landes- oder Bundesbeamte. Die Stadt lebt mehr von Produktion und praktischer Umsetzung, denn von Verwaltung und Dienstleistung. 

4) Herr Dr. Van der Bellen kam – neben dem Burgenland – im gesamten Süden Österreichs überdurchschnittlich schlecht an.

5) Die Villacher sind sich ihrer selbst bewusster als der durchschnittliche österreichische Stadtbewohner. Sie lassen sich von europapolitischen Parolen weniger beeindrucken. Sie wissen aufgrund der kurzen Distanz zu zwei EU-Nachbarregionen selbst sehr gut, was gelebte Europapolitik bedeutet. Aus ihrer Sicht wissen und kennen sie die Situation besser als die Stellen in Wien oder gar Brüssel. Hier lebt man als zentrale Verkehrsdrehscheibe direkt am Schnittpunkt der drei großen Kultur- und Sprachregionen in Europa (germanisch, romanisch, slawisch). Das ist einzigartig in Europa!

6) Auch die Italiener lassen sich von außen wenig beeinflussen. An dieser Geisteshaltung sind die Villacher näher dran als alle anderen österreichischen Stadtbewohner.

7) Feminismus und andere Strömungen sind in Villach wenig ausgeprägt. Frauen wollen – ähnlich wie Männer – etwas erreichen und fühlen sich auch nicht benachteiligt. 

8) Die SPÖ ist – vor allem lokalpolitisch – in Villach nie wirklich links orientiert gewesen. Das gilt auch aktuell.
M. Hernler, via E-Mail
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