09.08.2016, 10:02 Uhr

Villacher Fahrverbots-Affäre: Gespanntes Warten auf Herbst

Cornelia Egger schilderte ihren Fall auch den Reportern des deutschen TV-Senders RTL. Sie will ihre 30 Strafen nicht zahlen

550 Anzeigen, 30.000 Euro Strafvolumen. Doch es wird noch Monate dauern, bis in der Totenweg-Causa Entscheidungen fallen.

VILLACH (kofi). Seit zwei Wochen kann Cornelia Egger aufatmen. Es kommen keine neuen Anzeigen mehr. 30 Stück hat sie in den Wochen davor per Post erhalten, jede einzelne 55 Euro schwer. Wenn sie das alles auch tatsächlich bezahlen muss, sind 1.650 Euro fällig.

Die Fahrverbots-Affäre

Egger gehört zu jenen Bewohnern einer kleinen Siedlung in Villach-Goritschach, die in die so genannte Fahrverbots-Affäre rund um den Totenweg verwickelt sind (die WOCHE berichtete exklusiv). Bei diesem Waldweg steht seit Jahren ein Fahrverbotsschild mit einem irritierenden Zusatz "ausgenommen Anrainerverkehr". Egger und viele andere, die wenige Meter neben dem Schild wohnen, haben sich für Anrainer gehalten.

Kostspieliger Irrtum?

Vermutlich ein Irrtum, wie die ungewöhnliche Maßnahme eines anderen Anrainers zeigt: der Mann wollte das Fahrverbot mit Nachdruck durchsetzen – und hat still und heimlich monatelang mit einer Wildkamera den Weg kontrolliert, um Anzeige um Anzeige zu erstatten. Knapp 550 sind es geworden. Ein Anzeigenvolumen von 30.000 Euro. Bezahlt wurden bisher nur die wenigsten. Denn fast alle Anzeigen wurden von den Betroffenen beeinsprucht.

Amt am Limit

Beim Strafamt der Polizei Villach sorgt das zusätzliche Arbeitsvolumen für rauchende Köpfe. "Es geht an unsere Grenzen", sagt Manfred Abwerzger, der die Abteilung leitet. Noch hat das Strafamt keinen einzigen Fall erledigt, in den kommenden Tagen soll es die ersten Entscheidungen geben. Dann, so ein Experte, gehe man davon aus, dass die Beschuldigten in die zweite Instanz gehen, sich an das Landesverwaltungsgericht wenden.

Warten auf den Herbst

Bis dieser entscheidet, werden Monate vergehen. Frühestens im Herbst ist mit ersten Entscheidungen zu rechnen. Bis dahin müssen die Strafen nicht bezahlt werden. Durch das Einspruchsverfahren entstehen den Beschuldigten zusätzliche Kosten: 10 Euro für die erste, 11 Euro für die zweite Instanz.
Cornelia Egger und die anderen Goritschacher warten nun gespannt auf den Herbst. Dass sie die Strafen auch bezahlen wird, schließt sie aus: "Eher gehe ich ins Gefängnis."
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