30.05.2016, 16:58 Uhr

"Wir haben für das neue Vereinslokal zehn Jahre lang gespart"

Abdelmejid Bohia ist Obmann des Marokkanischen Kulturvereins: "Wir haben zehn Jahre für das neue Vereinslokal gespart"

Abdelmejid Bohia, Obmann des Marokkanischen Kulturvereins, über die Pläne für erworbene Immobilie in Villach.

VILLACH (kofi). Neun Jahre lang hat Rudolf Pirker versucht, jene Immobilie direkt an der Drau in Villach zu verkaufen, in der einst sein Fahrzeugmuseum untergebracht war. Jetzt hat er einen Käufer gefunden: den marokkanischen Kulturverein. Nach Berichten einer Tageszeitung soll ein Kindergarten entstehen. "Das ist falsch", sagt Obmann Abdelmejid Bohia.
Die Villacher FPÖ ist ob des Ankaufs aufgeregt: „Wir Freiheitliche fordern den Bürgermeister auf, bei den verschiedenen SPÖ- und ÖVP-Referenten Erkundigungen zu dieser Causa einzuholen und dann die Villacher Bevölkerung öffentlich aufzuklären, was nun an der Draulände genau passiert“, sagt FP-Klubobfrau Elisabeth Dieringer-Granza.
Die WOCHE sprach mit Vereinsobmann Bohia direkt.

Herr Bohia, es gibt eine gewisse Aufregung um Ihren Immobilienankauf.
Ich verstehe das überhaupt nicht. Wir haben die Immobilie ja bereits vor einem Jahr erworben. Allerdings in Ratenzahlung. Jetzt wurde die letzte Rate beglichen, das ist das einzig Neue.

Man hört, Sie möchten einen muslimischen Kindergarten errichten. Stimmt das?
Nein, das ist falsch. Es wird keinen Kindergarten geben. Das wäre ja auch nicht so einfach, so eine Einrichtung ist an unzählige Auflagen gebunden.

Was planen Sie dann?
Wir werden uns ein neues Vereinslokal einrichten, das ist alles. Den Marokkanischen Kulturverein gibt es in Villach seit 12 Jahren. Unser Vereinslokal befindet sich in einem Keller. Das ist auf Dauer natürlich keine Ideallösung.

Wie sind Sie an das alte Fahrzeugmuseum direkt an der Drau gekommen?
Zufall. Wir suchen seit Jahren nach einer Immobilie. Ich sammle seit zehn Jahren Geld, damit wir uns irgendwann ein besseres Lokal leisten können. Wir haben also gespart. Wobei mir wichtig zu betonen ist: Wir bekommen keinerlei Subvention.

Wann werden Sie aufsperren?
Keine Ahnung. Derzeit fehlt uns das Geld für die nötigen Sanierungen. Das wird seine Zeit dauern. Aber wir haben keine Eile.

Haben Sie eine Ahnung, wo die Aufregung rund um diesen Ankauf plötzlich herkommt?
Nein. Aber derzeit werden muslimische Aktivitäten wohl allgemein kritisch beäugt.

Haben Sie dafür Verständnis?
Ja, denn die Medien zeigen viele schreckliche Bilder, die mit Muslimen zu tun haben. Und in einer solchen Stimmung sind manche Menschen leicht zu verhetzen.

Was macht Ihr Verein eigentlich?
Wir kümmern uns zum Beispiel seit vielen Jahren um Nachhilfe für Kinder mit Migrationshintergrund und Schulproblemen. Ich bin überzeugt, dass unsere Kinder eine gute Ausbildung benötigen, um gute Mitglieder der Gesellschaft zu werden.

Was sagen Sie Menschen, die sich vor Muslimen fürchten?
Ich spreche mit ihnen und sage: Schau mich an, ich bin Vater dreier Kinder, habe in Österreich den Militärdienst geleistet, bin Unternehmer, zahle Steuern und mache keinen Ärger. Ich bin österreichischer Staatsbürger. Wovor hast du Angst?

In Villach leben mittlerweile mehr als 4.000 Muslime. So weit Sie das beurteilen können: Sind alle so gut integriert wie Sie?

Nein, Integration ist wichtig und ein permanenter Prozess. Zuletzt sind mehr Menschen nach Österreich gekommen als in anderen Jahren. Wir müssen uns um diese neuen Mitbürger kümmern. Wenn wir sie jetzt alleine lassen, haben wir vielleicht in fünf bis zehn Jahren Probleme, die wir nur aus Frankreich oder Belgien kennen.

Ihr Verein hat keine Homepage, auch sonst agieren Sie sehr zurückhaltend. Warum sind Sie so öffentlichkeitsscheu?
Weil wir mit unserem Verein ja keine Werbung für Mitgliedschaft machen. Das ist nicht unser Ziel. Wir sind ein kleiner Verein, der grundsätzlich aber für alle offen ist. Wenn unser neues Vereinslokal fertig ist, denken wir über einen Tag der Offenen Tür nach.
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