11.04.2016, 22:14 Uhr

Vor genau 70 Jahren schaffte es ein Villacher Fußballer aus der Landesliga ins Nationalteam

Von der Kärntner Landesliga ins Fußballnationalteam: Vor genau 70 Jahren ging der Stern des VSV-Spielers Ernst Melchior auf (Foto: kk)

Die unglaubliche Geschichte des Wunderstürmers Ernst Melchior, der bis heute Villachs bester Fußballspieler geblieben ist.

VILLACH (kofi). Es gibt Geschichten, die geraten zu Unrecht in Vergessenheit. Eine solche trug sich am 14. April vor genau 70 Jahren zu. Da wurde ein gewisser Ernst Melchior erstmals ins Fußballnationalteam einberufen. Für das Ländermatch gegen Ungarn. Das Ungewöhnliche daran? Melchior, damals 26 Jahre alt, spielte nicht bei einem der großen Bundesligavereine, sondern beim VSV. In der Kärntner Landesliga. Eine Sensation!

Tor beim Debüt

Die 60.000 Zuschauer im Wiener Stadion hießen den "Gscherten", wie Melchior abschätzig genannt wurde, wenig freundlich willkommen: Sie pfiffen ihn aus und forderten alsbald seine Auswechslung. Doch Verbandskapitän Edi Bauer stärkte seiner Entdeckung den Rücken – und Melchior revanchierte sich mit einem Treffer. Am Ende gewann Österreich 3:2. Und der Provinzler, der sich über gute Leistungen in der Kärntner Amateurauswahl empfohlen hatte, war ein Medienstar.

Europa-Niveau

Der Rest ist Teil der heimischen Fußball-Nachkriegsgeschichte: Die Wiener Austria sicherte sich – im erbitterten Kampf mit Rapid – Melchiors Dienste. Der pfeilschnelle Rechtsaußen erzielte in 158 Spielen 122 Tore, es gab drei Meistertitel. Eine weitere Sternstunde: Mit seinem Treffer zum 1:0 fügte Melchior 1950 den gefürchteten Schotten die erste Heimniederlage gegen ein kontinentaleuropäisches Team zu.

Universalsportler

Bis 1953 lief Melchior 36 Mal für das Nationalteam auf, traf 16 Mal. In seiner Blütezeit galt Melchior, der Bub aus den ÖBB-Personalblöcken in Villach-Lind, als einer der schnellsten Stürmer Europas. Auch in anderen Sportarten war er überragend: Seine Fähigkeiten als Handballer und vor allem als Eishockeyspieler waren gefürchtet, zudem war er ein guter Weitspringer.

Wahlheimat Frankreich

Nach dem Ende als Aktiver trainierte Melchior unter anderem Beşiktaş Istanbul, Fortuna Düsseldorf und das Nationalteam von Luxemburg. Seine Heimat hatte der Villacher da längst in Frankreich gefunden. Dort starb er 1978 auch – mit nur 58 Jahren, nach schwerer Krankheit.

Bemerkenswert: Nach Villachs besten Fußballer aller Zeiten ist zwar in Wien eine Gasse im 2. Bezirk benannt, in seiner Geburtsstadt erinnert aber nichts mehr an ihn. 2018 böte sich eine wunderbare Gelegenheit, dieses Manko zu beheben: Da jährt sich Melchiors Todestag zum 40. Mal.
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