17.05.2016, 18:36 Uhr

Staubfrei und superteuer: Die WOCHE durfte ins Innerste der Infineon

Konstante Raumtemperatur, Gitterböden für die Umluft, Schutzanzüge: Die Reinräume der Infineon sind eine eigene Welt

Die Reinräume des Elektronik-Konzerns sind eine milliardenschwere Parallelwelt, in der Roboter-Kollegen zum Alltag gehören. Eine Exkursion in die Zukunft der Hightech-Arbeit.

VILLACH (kofi). Ob im Handy, in der Bankomatkarte oder im Auto: Fast jeder von uns nutzt täglich ein Stück Infineon. Die in Villach gefertigten, Wafer genannten Siliziumscheiben sind weltweit die Basis für Elektronik-Chips, ohne die heute fast nichts mehr funktioniert. Über fünfzehn Milliarden Chips werden alleine in Villach pro Jahr gefertigt.

Reinheitsgebot

Herzstück dieser Hightech-Produktion sind die so genannten Reinsträume. Denn um fehlerfreie Ware herstellen zu können, ist bei der Infineon ein Ausmaß an Sauberkeit erforderlich, die dem Laien abenteuerlich erscheint.
Zum Vergleich: Wenn in einer bestimmten Menge normaler Außenluft 1.000.000 Partikel und in Hochgebirgsluft in bester Almqualität 100.000 Partikel enthalten sind, so dürfen in der Luft eines Operationssaals aus Hygienegründen maximal 10.000 zu finden sein. In den Infineon-Reinräumen sind es nur ein bis zehn Partikel.

Im Spezialanzug

Um so perfekte Sauberkeit zu erlangen, sind aufwändige Maßnahmen und Strukturen nötig, wie die WOCHE am eigenen Leib erfuhr: Ganzkörperanzug, Mundschutz, Spezialbehälter für Kamera und Handy. Sogar ein eigener Notizblock aus speziell entwickeltem Reinraumpapier muss verwendet werden, wenn man ins Allerheiligste der Infineon vordringen will. So wie jene knapp 1.400 von insgesamt 3.000 Mitarbeitern, die in der Produktion tätig sind.

Roboter-Einsatz

Der Drei-Schicht-Betrieb läuft rund um die Uhr. Nach sechs Tagen im Job folgen drei freie Tage. Stillstand kann man sich hier nicht leisten, sagt Senior Manager Hans-Dieter Preiml, der die WOCHE durch die Produktionsräume führt. Was auffällt: Immer mehr Arbeitsschritte werden von Robotern erledigt. "Jobs gehen dadurch aber nicht verloren", sagt Preiml: "Sie verändern sich nur – und werden deutlich anspruchsvoller.“
Knapp 290 Millionen Euro hat die Infineon in Villach zuletzt in eine höhere Vernetzung und Digitalisierung der Fertigung investiert. Eine zusätzliche Halle wurde errichtet. Insgesamt bedient man mittlerweile Equipment im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro.

Auf Sand gebaut

Die Basis für all diese Elektronik ist übrigens mit dem beinahe unendlichen Reinheitsbedürfnis der Infineon nicht wirklich kompatibel: Denn das Ausgangsmaterial für Silizium ist – Sand.
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