18.10.2016, 15:59 Uhr

Zwei Frauen kämpfen für Freiheit und Rechte

ÖGB Regionalsekretär Frederik Schmidsberger mit seinen Gästen Lina Ben Mhenni und Habiba Sobhi (v.l.) aus Tunesien.

Lina Ben Mhenni und Habiba Sobhi sprachen in Vöcklabruck über die Situation in Tunesien.

VÖCKLABRUCK (rab). "In allen Ländern, zu denen ich bisher Konakte pflegte, sind es zu 90 Prozent Frauen, die für Veränderungen kämpfen", sagt ÖGB Regionalsekretär Frederik Schmidsberger, der auch heuer wieder einen Vortrag zum "Tag der menschenwürdigen Arbeit" organisierte. So lud er vergangene Woche die Bloggerin Lina Ben Mhenni und die Gewerkschafterin Habiba Sobhi aus Tunesien ein.

Von Anfang an dabei

Beide waren maßgeblich an der Revolution im Jahr 2011 beteiligt. Sie erzählten den Vöcklabrucker Betriebsräten, mit welchen Problemen sie bis heute zu kämpfen haben. Die 49-jährige Sobhi musste im Alter von 18 Jahren in den Beruf ihres Vaters einsteigen, der zuvor bei einem Arbeitsunfall in einer Mine verstorben war. "Als ältestes Kind hatte ich die Wahl zwischen der Minenarbeit und der Heirat", erinnert sich Sobhi. Sie engagierte sich bald in der Gewerkschaft der Minenarbeiter, war an den ersten Demonstrationen der Arbeiter beteiligt und kämpft bis heute für die Rechte der Frauen in Tunesien.

Fortschrittliche Frauenrechte

"Schon bei der Unabhängigkeit Tunesiens im Jahr 1956 wurden für damals sehr fortschrittliche Frauenrechte in der Verfassung niedergeschrieben. Diese Errungenschaften dürfen nicht wieder zurückgedreht werden", fordert die Gewerkschafterin. Sie setzt sich politisch vor allem gegen islamistische Strömungen ein. Diese seien in Tunesien nach der Revolution durch Geld aus den Golfstaaten stärker geworden, konnten aber bereits wieder zurückgedrängt werden. Für Bloggerin Lina Ben Mhenni (33) ist auch die Meinungs- und Pressefreiheit ein wichtiges Thema.

"Jasminrevolution ist falsch"

Die Dozentin für Linguistik startete im Jahr 2007 einen politischen Blog, der später vom Regime Ben Alis gesperrt wurde. Vom Dezember 2010 zur Flucht des Diktators am 13. Jänner 2011 besuchte sie die Schauplätze der Revolution und berichtete für internationale Medien. "Für mich ist der Ausdruck Jasminrevolution falsch", betont Lina Ben Mhenni. "Die Polizei setzte nicht nur Tränengas ein, sondern schlug die Menschen mit Stöcken."
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