13.07.2016, 11:03 Uhr

Die Thayarunde im ersten Test: Radeln für Gemütliche

Vorher: hochmotiviert geht in Waidhofen die Reise ins 28 Kilometer entfernte Slavonice los. (Foto: Talkner)

Der Radweg hält was er verspricht und bietet sogar einige willkommene Überraschungen, auch wenn unser Tester grandios scheiterte.

BEZIRK WAIDHOFEN. Der neue Radweg ist nach jahrelanger Planung so gut wie fertig. Einzig einige Verbindungsstücke zwischen den beiden ehemaligen Bahnlinien fehlen noch. Zeit also, das neueste Tourismusprojekt des Bezirks auf Herz und Nieren zu testen!

Dabei klären wir alle wichtigen Fragen: Hält der Radweg was er verspricht, nämlich Radeln in unberührter Natur? Wie familientauglich ist die Strecke? Und können auch Pizza- und Bier-Junkies die Strecke bewältigen?

Bezirksblätter-Redakteur Peter Zellinger startete den Selbstversuch. Der 32-Jährige ist bekennender Nicht-Radfahrer und von bestenfalls unterdurchschnittlicher Kondition. Also der ideale Kandidat für das als Familienradweg konzipierte Radler-Paradies. Er nahm sich als erstes das 28 Kilometer lange Teilstück Waidhofen-Slavonice vor. Dieser Teil ist zwar noch nicht komplett für den Verkehr freigegeben, wird aber schon jetzt stark frequentiert.

Los geht's in Waidhofen, praktischerweise gleich neben der Redaktion der Bezirksblätter. Schon nach wenigen hundert Metern stellte sich ein Gefühl ein, das sich den ganzen Test lang durchziehen sollte: man sieht die eigentlich bekannten Orte aus völlig ungewohnten Perspektiven und das schon in Waidhofen selbst. Die erste Brücke führt über die B5. Weiter nach Klein-Eberharts, wo unser Tester einige Male stehen bleibt und die Aussicht über die Thaya genießt. So kann das weitergehen! Und das tut es auch: bis nach Thaya radelt unser Tester dem Flussufer entlang.

Orientierungslos zwischen Thaya und Dobersberg

Unser Versuchskaninchen kennt den Bezirk nur vom Auto aus. Zwischen Thaya und Dobersberg kommt ihm dementsprechend die Orientierung abhanden. Mehrmals wird Google Maps bemüht um überhaupt eine Ahnung zu bekommen, wo sich unser Möchtegern-Radsportler überhaupt befindet. Macht aber alles nichts: sich zu verfahren ist eigentlich unmöglich. Bei Merkengersch gibt es eine kurze Pause beim Schweinegatter. Die Tiere suhlen sich bei schwülen 25 Grad im Schlamm. Unser Tester verwirft den Gedanken sich dazuzulegen aber schnell - die Pflicht ruft!

Trotz der fragwürdigen Fitness unseres Radlers sind auch nach etwa 15 Kilometern keine Ermüdungserscheinungen spürbar. Die größte Steigung war bislang kaum der Rede wert und das Asphaltband schlängelt sich fast völlig flach durch die Wiesen und Wälder. Der Verkehr wird aber dichter: ganze Gruppen von Radfahrern kommen uns entgegen, manchmal wird da der Weg schon ein bisschen eng.

Ein bisschen fühlt sich unser Radler in der Zeit zurückversetzt. Die verfallenen Holzhütten am Wegesrand dürften wohl vor Jahrzehnten zum Bahnbetrieb gehört haben. Schön für Familien: fast direkt kommt man am Spielplatz im Naturpark Dobersberg vorbei.

Zwischen Dobersberg und Waldkirchen wird's etwas steiler. Die Oberschenkel beginnen ein wenig zu brennen, aber noch ist das kein Problem. Nur die Trinkpausen werden etwas länger.

Zeitkapsel in Waldkirchen

In Waldkirchen gibt es die volle Ladung Bahn-Nostalgie. Direkt neben dem Radweg stehen zahlreiche uralte Waggons. Unser Tester konnte es sich natürlich nicht verkneifen und hat sich die Relikte von innen angesehen. Vor allem ein historischer Straßenbahnwaggon mit wunderschönen Holzbänken hat es ihm angetan. Auch ein altes Bahngebäude - wohl ein Depot - steht noch da. Der Schienenstrang im Gebäude ist noch erhalten.

Das Scheitern

Ein wenig aufpassen muss man in der Ortsmitte von Waldkirchen. Kleine Pfeile am Asphalt weisen den Weg - hier vom richtigen Pfad abzukommen ist ein bisschen zu einfach. Doch das ist nichts gegen das nahe Schönfeld. Zwar sind auch hier Schilder angebracht, doch nach einer gewaltigen Steigung im Ort fragen wir uns ob wir hier überhaupt noch richtig sind. Noch dazu wird hier gerade am Kanal gearbeitet und es ist völlig unklar, wie es tatsächlich weitergeht.

Als wir an der B36 landen und schon aus der Ferne die etwa zwei Kilometer entfernte Grenze sehen können, ist sich unser Tester nicht sicher ob er hier richtig ist. Ein Radweg ist zwar ausgeschildert, aber dass es sich nicht mehr um die Thayarunde handelt wird schnell klar. Zu hügelig wird das Terrain und nach etwa einem Kilometer entlang der B36, nach 26 Kilometern und etwas über zwei Stunden Fahrtzeit gibt unser Versuchskaninchen auf und die Kollegen rücken zur Rettung aus. Keine Sekunde zu früh: plötzlich setzt starker Regen ein.

Der zweite Teil des Tests - die Route Groß Siegharts-Raabs - erscheint in den kommenden Wochen, wenn unser Versuchskaninchen von den Kollegen wieder aufgepäppelt wurde.

Fazit unseres Testers

Eines vorweg: die Thayarunde hält was sie verspricht. Die Landschaft ist aus der ungewohnten Perspektive wunderschön, die Strecke für mich als ungeübten Radfahrer großteils problemlos zu bewältigen und man muss sich keine Sorgen um motorisierte Verkehrsteilnehmer machen. Auch für Familien mit (nicht allzu kleinen) Kindern dürfte der Großteil der Route ein tolles, weil leicht zu "derradelndes" Erlebnis sein. Wenn man wirklich meckern will, dann im Detail: es gibt relativ wenige Mistkübel entlang der Strecke, Bankerl zum Verweilen kommen hoffentlich noch einige dazu. Auch eine Labstation sucht man unterwegs vergeblich, auch hier wird hoffentlich noch nachgebessert. Da würde sich doch einer der Waggons in Waldkirchen anbieten! Überhaupt war für mich der Bahn-Friedhof bei der Ortseinfahrt eines der Highlights auf der Strecke. Und nicht nur für mich: die zahlreichen Radfahrer blieben fast alle dort stehen um ein Foto zu machen.

Das größte Manko war für mich aber die teils nicht ganz geglückte Ausschilderung: bei Schönfeld kam mir völlig die Orientierung abhanden, was wahrscheinlich auch an der Baustelle im Ort lag. Wie sich nachher herausstellte führt der offizielle Weg gar nicht in den Ort hinein. Zu gerne hätten wir Ihnen ein "Siegerfoto" in einem Gastgarten in Slavonice gezeigt. Doch das alles ist Meckern auf hohem Niveau. Wie mir seitens der Kleinregion bestätigt wurde, sind zusätzliche Bodenmarkierungen in Arbeit und sollen in den nächsten Wochen folgen. Damit sollte sich auch dieses Problem erledigt haben.

Von mir gibt es an dieser Stelle eine dicke Empfehlung für die Thayarunde. Schauen sie sich das an! Sie müssen auch nicht besonders fit sein, ich bin's auch nicht. Doch stecken Sie sich eine Karte ein - ich bin nämlich ohne losgeradelt, was sich als nicht besonders schlau herausgestellt hat.

Pro & Contra

+ wunderschöne Natur
+ Tierliebhaber haben ihre Freude an den Pferden, Schweinen und Hirschen
+ beinahe völlig ebenes Gelände auf makellosem Asphalt
+ Bahn-Nostalgie pur
+ ein ungewohnter Blick auf den Bezirk
+ tolle Abwechslung zwischen Freiflächen und (kühlen) Wäldern
+ völlig tauglich für Familien und Senioren
+ die sanierten Brücken bieten einen tollen Ausblick
+ zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie Ausgrabungen, Ruinen, Schlösser und Burgen entlang der Route
+ die Renaissance-Stadt Slavonice ist auf jeden Fall einen Besuch wert

- viele Straßenquerungen mit Stopptafeln (vor allem nach Dobersberg)
- Beschilderung ist (noch) nicht ganz fertig
- (noch) keine Labstation
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