06.09.2016, 00:00 Uhr

Waldviertlerisch für Profis: So unterhalten Sie sich wie ein echter Dosiger!

Wenn Waldviertler reden, verstehen Auswärtige nur Bahnhof. Das ändert sich jetzt!

Überleben im Waldviertel, Teil 6: Waldviertler zu verstehen ist nicht immer ganz einfach

WALDVIERTEL. Wir geben zu: dieses Hoppala ist unverzeihlich! Wir haben Ihnen gesagt, wie Sie im Waldviertel Autofahren, die große Liebe finden, mit Einheimischen und Kollegen zu Recht kommen und wie sie den Urlaub im Waldviertel überleben. Was wir Ihnen bisher nicht gesagt haben, wie Sie überhaupt mit uns Waldviertlern kommunizieren können! Wir möchten uns natürlich in aller Form für diesen Lapsus entschuldigen und bringen Ihnen die wichtigsten Vokabel, Redewendungen und Phrasen bei, die sonst nur Waldviertler verstehen. Mit Pseudolautschrift für die Aussprache!

Döllenk

Döllenk [dœllɛˈŋk]

Als Döllenk bezeichnen wir Waldviertler einen ungeschickten Mann. Die Verwendung von Döllenk in Bezug auf Frauen ist nicht überliefert. Als Synonym können Sie auch "Potschochta" verwenden.

Beispiel: "Mei Naupa, der Döllenk, hot si beim Mahn die Sengst ins Wadl g'haut". Deutsch: "Mein überaus ungeschickter Nachbar hat sich beim Mähen mit der Sense nicht unerheblich am Unterschenkel verletzt".

Eapfi

Sagen Sie niemals "Kartoffel" zu ihr

Streichen Sie das Wort "Kartoffel" aus ihrem Sprachschatz. Die wunderbaren Knollen heißen "Eapfi". Alternativ können Sie auch "Bramburi" verwenden, obwohl es sich dabei streng genommen um eine eigene Sorte handelt. Egal, Hauptsache Sie sagen nicht Kartoffel.

Bei Tomaten sind wir Waldviertler übrigens völlig entspannt. Da müssen Sie interessanterweise nicht zwingendermaßen auf "Paradeiser" zurückgreifen. Das ist ohnehin ausländisches Exoten-Gemüse aus Übersee...

Schroin

Schroin [ʃʀɶɪn]

Schroin sind garstige Erdklumpen, die sich in bösartiger Absicht als g'schmackiger Waldviertler Eapfi tarnen. Vor allem Landwirten sind Schroina (so die Mehrzahl) ein Graus. Schließlich müssen sie oft mühsam händisch aussortiert werden. Wir sollten ihnen dafür danken! Sie sind schließlich dafür verantwortlich, dass nicht statt eines gesunden, saftigen, speckigen, mehligen, vitaminreichen, köstlichen Eapfi aus dem Waldviertel ein feuchter Klumpen Ackerland auf dem Teller landet.

Nicht ohne Grund gilt "Schroin-Ingenieur" als besonders verabscheuungswürdige Beleidigung für einen Bauern.

hecka

hecka [hɛkɐ]

Wenn Sie einmal im Waldviertel "g'heckt" wurden, dann tut uns das aufrichtig leid. Dann wurden sie nämlich von einem hinterhältigen Insekt gestochen.

Dosig, entn, hidau, hizu: eine Richtungsfrage

Nein, dosig hat nichts mit schläfrig zu tun, wie man vielleicht von "dösen" ableiten könnte. Wenn Sie jemand als "Dosiger" bezeichnet ist das auch keine Beleidigung, sondern vielmehr ein großes Kompliment! Sie sind dann nämlich endlich unter der erlesenen Gruppe der Einheimischen angekommen!

Was die Richtung betrifft sind wir Waldviertler ausnahmsweise einmal nicht ganz so gradeheraus. Vielmehr sind manche Angaben auch unter den g'standendsten Waldviertlern höchst umstritten. Einfach ist noch "entn" zu erklären, das bedeutet ungefähr so viel wie "da drüben" oder "etwas weiter weg". Merksatz: "Waun d'Gäns über d'Stroß gengan sans entn"

Über Hidau oder Hizu wird schon leidenschaftlicher gestritten. Ob die hübsche Dame jetzt Hidau oder Hizu der Bar steht, kann schon einmal in einem hitzigen Streit enden, sodass alle Beteiligten das Ziel außer Augen verlieren.

weribari

Jetzt werd owa weribari! [wəɺɪbɐʀɪ]

Gehören Sie zu dieser Sorte Mensch, die zwei Stunden im Bad steht und dann immer noch nicht fertig ist? Da werden sie sich im Waldviertel keine Freunde machen. Wenn Sie den Satz "Jetzt werd owa weribari!" hören, haben Sie es wahrscheinlich übertrieben und es ist höchste Eile geboten. "Jetzt werd owa weribari" bedeutet in der freien Übersetzung nämlich in etwa: "Mein liebster Schatz, es wäre schön, wenn du dich schön langsam zum Aufbruch bereit machen könntest". In Restösterreich auch unter "Tua weida!" bekannt.

Bacht

Homma a Bacht? [baaçt]

Nein, wenn Sie das hören, will Ihnen niemand eine landwirtschaftliche Fläche vermieten. Das wäre dann nämlich die "Pacht". Der feine akustische Unterschied macht in diesem Fall Welten aus. Sie wurden nämlich soeben gefragt, ob noch Gebäck im Haus ist.

Dreamazenkl

Dreamazenkltreffen [dʀɛamaˈʦɛŋkɫ]

Dreamazenkl sind in Arztordinationen, in den Gängen von Supermärkten oder auf Parkbänken zuhause, wo sie ihren natürlichen Lebensraum vorfinden. Da es sich bei Dreamazenkln um Rudeltiere handelt, kommt es häufig zu Zusammenrottungen, die man dann als Dreamazenkltreffen bezeichnet. Man erkennt einen Dreamazenkl in der freien Wildbahn mit bloßem Auge aber nicht. Erst die jammernden, klagenden Laute identifizieren das Gegenüber als solchen. Sie ahnen es: ein Dreamazenkl ist eine sich ständig beklagende Person.

Gö

Gö? [ɡø]

Ein "Gö" hinter einer Aussage bedeutet so viel wie "Ich denke zwar nicht, dass du in der Lage bist mir geistig zu folgen, aber ich erwarte uneingeschränkte Zustimmung". Das "Gö" ist universell einsetzbar und darf eigentlich hinter jeden Satz gestellt werden. Die Verwandtschaft mit dem Mühlviertlerischen "Goi" streiten wir Waldviertler vehement ab.

Ach ja, sollte es Sie doch einmal ins oberösterreichische Nachbarviertel verschlagen, hätten wir da auch noch ein paar Tipps für Sie.
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Uli Küntzel aus Zwettl | 07.09.2016 | 09:21   Melden
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