24.06.2016, 11:25 Uhr

Bauern fordern das Ende von Geiz ist geil

Beste Qualität bis zur Haustür. Nikolaus Noé-Nordberg und Eduard Köck sind überzeugt, dass heimische Produkte beim Konsumenten besser ankommen. Diese liefert Landwirtschaftsmeister Christoph Böhm auf Wunsch direkt vor die Haustür.

Weg vom Lebensmittel-Ramsch hin zu Qualität aus der Region. Wie der Konsument es in der Hand hat, heimische Lebensmittel in die Händlerregale zu bringen und wie Bauern mit kreativen Ideen erfolgreich sind.

BEZIRK WAIDHOFEN. Viel Mühe, viel zu wenig Lohn: damit lässt sich die Situation der Landwirte im Land kurz zusammenfassen. Internationaler Preisdruck, hohe Auflagen - Österreich hat in manchen Bereichen die höchsten Lebensmittelstandards weltweit, weniger öffentliche Gelder und die Russland-Sanktionen machen den Landwirten derzeit das Leben schwer. Dazu kommt noch, dass Spekulanten derzeit massiv Grund und Boden aufkaufen - und so die Preise in die Höhe treiben.

Bauernbundobmann Eduard Köck kennt die Probleme: "Wir reden von Einbußen von bis zu 25 Prozent. Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber wer würde schon gerne auf ein Viertel seines Gehalts verzichten?" Dieser Einnahmenrückgang sei in allen Bereichen ähnlich, so Köck, ganz egal ob es Fleisch, Getreide oder Milch betrifft.

Verramschte Lebensmittel

Für Köck sowie Kammerobmann Nikolaus Noé-Nordberg ist klar: "Der Konsument hat es in der Hand." Auch in der Großküche oder -kantine kann der Verbraucher das seinige dazu leisten: "Ich will ja mein Schnitzel aus Österreich unter der Panier haben", so Noé-Nordberg. Der sich auch sicher ist: "Wer ein regionales Qualitätsprodukt kauft, der geht auch ganz anders damit um. Ein Beispiel: in Wien wird so viel weggeschmissen, wie die Grazer an einem Tag essen."

Köck stört vor allem die "Aktionitis" des Handels: "Bei Schinken um 79 Cent pro hundert Gramm kauft ihn der Händler wahrscheinlich selbst um 99 Cent ein und macht Verlust nur um die Kunden ins Geschäft zu locken. Dieser Druck wird natürlich an die Bauern weitergegeben".

Innovative Ideen gesucht

Dass es auch anders geht beweist Christian Böhm aus Kleinreichenbach. Der Landwirtschaftsmeister hat sich ganz auf das Waldviertler Produkt schlechthin spezialisiert: die Erdäpfel. Dass Böhm mit dem scheinbaren Allerweltsprodukt erfolgreich ist, liegt nicht zuletzt an seinem kreativen Zugang zur Knolle. Böhm betreibt seit Jahren einen Lieferservice für Speisekartoffel und stellt seine Produkte zur Haustür zu - vom Hof direkt zum Konsumenten. Seit Anfang des Jahres betreibt Böhm einen eigenen Webshop, der sich ganz dem Waldviertler Qualitätsprodukt widmet.

Für Böhm liegt die Zukunft in der für Konsumenten bequemen Lieferung der Produkte. Er sieht Ankündigungen von Internet-Riesen wie Amazon ins Lebensmittelgeschäft einsteigen zu wollen weniger kritisch als viele andere: "Wenn es so weit ist, werde ich sicher versuchen da mitzumachen."

Die Region legt auf

Wer sich selbst von der Qualität heimischer Produkte überzeugen will, hat am Warming Up-Day am 30. Juni in Waidhofen die Gelegenheit dazu. Bäuerinnen aus der Region bieten am Hauptplatz Kostproben von heimischem Rind-, Lamm- und Schweinefleisch sowie Geflügel vom Grill an. Experten der Bauernkammer geben auf Wunsch Tipps zum regionalen Einkauf.
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