Die neuen Frauen schwächeln

 

Acht Jahre nach der „Wende“ sieht jeder Zweite eine Verbesserung des politischen Stils.

Jeder Dritte bemerkt seit der Führung der Landesregierung durch eine SPÖ-Landeshauptfrau keine Veränderung des politischen Stils und neun Prozent nehmen eine Verschlechterung wahr. Übrigens: Zählt man bei den ÖVP-Wählern jene zusammen, die von einer Verbesserung (31%) sprechen oder zumindest keine Änderung erkennen können (41%), kommt man auf eine satte Mehrheit, die mit der Wende hin zu einer SPÖ-geführten Landesregierung zufrieden sind. Eine Verschlechterung sehen nur 16 Prozent der ÖVP-Wähler.

Widmann stagniert
Die beiden noch neuen Frauen in der Landesregierung, LR Tina Widmann (ÖVP) und LR Cornelia Schmidjell (SPÖ) kommen nicht so recht in Fahrt. Beide starteten – was an sich kein Beinbruch ist – an den hintersten Plätzen im Politiker-Ranking. Das Problem dabei: Sie sind immer noch auf den hintersten Plätzen.

Vor allem Widmann kann ihrer Vorgängerin Doraja Eberle das Wasser nicht reichen: Eberle war ihrem Parteichef LH-Stv. Wilfried Haslauer nicht nur teilweise voraus, sondern hatte sich auch dicht an die Fersen von SPÖ-Frontfrau LH Gabi Burgstaller geheftet. Widmann hingegen hat zwar bei der Wahrnehmung ihres Einsatzes für Salzburg zunächst stark zulegen können, seit dem letzten Politbarometer im Dezember des Vorjahres hat sich hier aber nichts mehr getan: Widmann steht bei 35 Prozent Zustimmung. Schon länger Stillstand herrscht bei der Frage, ob sie auch künftig eine wichtige Rolle spielen soll: Hier startete sie im Dezember 2010 mit 31 Prozent Zustimmung und 13 Prozent Ablehnung – heute schlagen ihr hier zwei Prozentpunkte mehr Zustimmung, aber auch vier Prozentpunkte mehr Ablehnung entgegen.

Etwas besser hat sich Schmidjell seit ihrer Amtsübernahme von Erika Scharer geschlagen. So hat sie bei der Frage nach ihrer künftigen Rolle vier, bei jener nach ihrem Einsatz immerhin sieben Punkte gutmachen können und gleichzeitig ihren Bekanntheitsgrad etwas gesteigert.

Streit wirkt sich negativ aus
Etwas schlechter als zuletzt steht LR Sepp Eisl (ÖVP) da: Er hat als einziges Regierungsmitglied Pluspunkte eingebüßt und gleichzeitig Minuspunkte gesammelt. Möglicherweise bekommt ihm der Streit mit LH-Stv. David Brenner rund um die Personalkompetenzen in den SALK – Brenner ist bekanntlich Eigentümervertreter, Eisl Personalreferent – nicht gut. Wenig bis gar keinen Nutzen kann freilich auch LH-Stv. David Brenner aus dieser Sache ziehen: Auch er büßt bei der Wahrnehmung seines Einsatzes wertvolle Punkte ein und zieht mehr Kritik auf sich als zuletzt. Das Abschieben von politischer Verantwortung für die vom Rechnungshof kritisierten Zustände in den SALK mag auch bei Brenners schlechtem Abschneiden in der (fiktiven) Landeshauptmann-Direktwahl eine Rolle spielen. Dort kommt Brenner im direkten Match mit Haslauer (44%) auf nur 23 Prozent der Wählerstimmen.

Haslauer wenig dynamisch
Freilich: Haslauer steht nicht aus eigener Kraft so gut da, sondern punktet in den Augen der Salzburger nur dann, wenn der SPÖ ihr Zugpferd Burgstaller abhanden kommt. Seine persönlichen Werte im Politbarometer sind seit Jahren eher undynamisch, dafür findet er sich aber klar und stabil auf dem zweiten Platz hinter SPÖ-LH Gabi Burgstaller. Dass er ihr aus eigenem Antrieb noch wesentlich näher kommt oder sie sogar einholt, ist unwahrscheinlich – Haslauers Chance kommt erst dann, wenn die SPÖ statt auf Burgstaller auf einen anderen Spitzenkandidaten setzt.

Burgstaller bleibt vorne
Burgstaller steht nach wie vor unangefochten an erster Stelle. Allerdings: Ihr persönlicher Wert bei der Frage, ob sie auch künftig eine wichtige Rolle spielen soll, bröckelt ein bisschen. So erreichte sie hier etwa im Dezember 2008 81 Prozent Zustimmung, vor etwa einem Jahr waren es 70 Prozent. Aktuell sind es wieder 74 Prozent. Dass sich die SPÖ einen neuen Spitzenkandidaten oder eine neue Spitzenkandidatin sucht, wollen derzeit 21 Prozent der Salzburger.


DATENQUELLE
Auftraggeber:
BB Salzburg
Ausführende Gesellschaft:
GMK Gesellschaft für Marketing und Kommunikation, Graz
Zielgruppe:
Wahlberechtigte im Bundesland Salzburg
Sample und Methode:
400 Interviews
Abfragezeitraum:
14. bis 16. Mai 2012
Maximale Schwankungsbreite:
± 5 Prozent
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