Nun weiß man zum Beispiel, dass der Prälat 400 Witze sein Eigen nennen darf, oftmals darüber lachen musste, wenn er mit „Grüß Gott, Herr Prolet“ anstatt als Prälat oder als „Bischofs-Fiaker“ anstatt „Bischofsvikar“ begrüßt wurde. Und als er einmal in einer Schule Bischof Kothgasser vertreten musste, erzählte ein Schüler zu Hause: „Der Bischof ist nicht gekommen, aber sein Sohn!“ Einem Wattener, der zwar nie in die Kirche ging, aber Pfarrer Walter Linser fragte, wenn er den notorischen Vielraucher, denn einmal ohne Zigarette antreffen werde, meinte Linser: „Jeden Sonntag in der Kirche!“ Es gab aber auch Trauriges und Nachdenkliches im Leben des Prälaten. Er erzählt von seiner Jugendzeit, als er in der Schule eine Stunde von einem SS-Mann bearbeitet wurde, von 500 Beerdigungen, die er allein in Wattens durchführte, weshalb er seine „verstorbenen Wattener Freunde“ lange nach seiner Wattener Zeit immer noch zu Weihnachten auf dem Friedhof besuchte und dass er oft an einem Tag 1000 Kilometer gefahren ist, um einen Häftling für 20 Minuten Gespräch in einer Haftanstalt im Osten Österreichs aufzusuchen. Seine Karriere führte schließlich vom Wattener Pfarrer über den Stadtjugendseelsorger in Innsbruck und den Seelsorgeamtsleiter bis zum von Alt-Bischof Reinhold Stecher bestellten Bischofsvikar.
Seine Erlebnisse aus 60 Priesterjahren hat Walter Linser nun zu Papier gebracht. Sein Resümee: „Ich würde es wieder tun!“ ist unter diesem Titel auf 144 Seiten mit zahlreichen Bildern im Verlag Edition erschienen und ab 10. August in allen Tyrolia-Buchhandlungen erhältlich. Der Reinerlös des Buches geht übrigens an die Telefonseelsorge, die vom Autor gegründet wurde. Unter der kostenlosen Nummer 142 konnten bis heute über 300.000 Anrufe von verzweifelten Tirolerinnen und Tirolern verzeichnet werden.
Prälat Walter Linser zu seinem Buch: „ Im Laufe meiner fast sechzig Priesterjahre und vorher habe ich manches erlebt: Ermutigendes, Erhebendes, Belehrendes, Ergötzliches, Erschütterndes, Not-Wendendes, Bedrückendes, Provozierendes, Kritisierendes und Befremdendes. Die Streiflichter sollen kein Erfolgsbericht sein! Um Gottes Willen. Es besteht ja dabei die Gefahr, dass der Rückspiegel sauberer ist als die Windschutzscheibe; die Gefahr einer Selbstverherrlichung. Manche erfahren erst in ihren Memoiren, wie großartig sie im Leben waren. Ich hoffe, dass ich dem nicht verfalle. Nie in meinem Leben wollte ich Ruhm und Ehre, sehr wohl aber wollte ich anpacken und verändern. Ich wollte Erkanntes wirklich wahrnehmen, als Chance ergreifen und mit lieben Menschen umsetzen. “ Mit dem Geschriebenen will Walter Linser nicht belehren. Er möchte nur seine Erfahrung teilen. Linser: „Das alles waren Geschenke, für die ich dem Herrgott dankbar bin, der mich zum Priester berufen hat. Nicht weil ich der ,Linser’ bin, sondern obwohl ich der ,Linser’ bin. “








