23.06.2016, 19:18 Uhr

500 Jahre Reformation: Teil 2 von 4

Luthertum in der Oststeiermark

Noch einmal habe ich heute das Buch von Paul Dedic gelesen, und fand es wieder sehr spannend. Auch die Oststeiermark ist noch einmal vorgekommen.


Etwa um das Jahr 1570 hies es da:

Auf den Gütern der Adeligen setzte jetzt eine neuerliche Ausbreitung der evangelischen Lehre ein. Nun drang sie auch in die bisher vom Luthertum noch am wenigsten ergriffene Oststeiermark ein; in Trautmannsdorf, Weiz, Ilz, Fehring, Burgau, Riegersburg, Kirchberg und Gleisdorf, selbst in der Stadt Fürstenfeld wurde nun lutherisch gepredigt.

Keine 20 Jahre später war es mit dieser aufkeimenden Reformation auch schon wieder vorbei. Die Rekatholisierung bzw. Gegenreformation hatte begonnen:

Mehr Erfolg hatten die Unternehmungen,der Kommission in den Städten. In Bruck, Kindberg, Judenburg und Radkersburg wurden Bürger wegen Teilnahme am lutherischen Exerzitium vorgeladen und gebüßt, in Fürstenfeld sogar eingekerkert und mit empfindlichen Geldstrafen bedacht. Zur Rekatholisierung von Hartberg und Fürstenfeld hatte man sich den Jesuiten Michael Cardaneus verschrieben, der in den Jahren nach 1578 im Auftrage Adams von Dietrichstein dessen mährische Herrschaft Nikolsburg mit großem Erfolge wieder zum alten Glauben zurückgebracht hatte. Im März 1589 begann er „der Lutherey“ in Hartberg ein Ende zu bereiten. Er suchte aus der Vergleichung der lutherischen und der zwinglischen Übersetzung mit dem römischen Bibeltext nachzuweisen, an wieviel hundert Stellen die [Seite: 94] Reformatoren das Gotteswort verfälscht hätten. Mehr als diese Bemühungen erreichte aber die landesfürstliche Gewalt, die in Hartberg Richter und Rat, soweit sie sich zum Luthertum noch bekannten, „mit Spott und Hohn abziehen“ hieß. Fünf Wochen dauerte die Arbeit des Cardaneus hier und in Fürstenfeld, sie wurde durch ein Lobschreiben der Erzherzogin Maria gekrönt, die dem Jesuiten versicherte, es habe sie „von Herzen gefreut, daß er den Fasching so wohl angelegt habe,“ worauf dieser erwiderte, daß das Hauptverdienst an den für so kurze Zeit unglaublichen Erfolgen ihr und ihrem Gatten gebühre94.1. Die Marburger mußten, nachdem der Gottesdienst im benachbarten Schlosse Windenau eingestellt worden war, auf freiem Felde ihre Andacht halten.

Gegenwind auch aus Pöllau:

Als Helfershelfer der Jesuiten trat der Pöllauer Propst Peter Muchitsch, ein im eigenen Lager berüchtigter, der Notzucht und des Kirchenraubes bezichtigter Geistlicher, mit der Veröffentlichung verleumderischer und gehässiger [Seite: 95] Streitschriften auf, welche empfahlen, die Evangelischen wie den Teufel oder den Türken zu behandeln und allerhand Wege zu ihrer Vernichtung vorschlugen.

Fehring und Ilz:

Auch andernorts griff man zur Selbsthilfe. Als der katholische Pfarrer in Fehring am Ortsausgang einen Kalvarienberg errichtete, hieb die Bevölkerung die drei Kreuze um, verwahrte [Seite: 96] den Gekreuzigten und ließ die Schächersäulen liegen. Den Profoßen, der nach der Rekatholisierung von Ilz, wo der über 30Jahre wirkende Prediger weichen mußte, im landesfürstlichen Auftrag die schöne den Herbersdorfs gehörige Kirche zu Kalsdorf einreißen sollte, zwang der Grundherr im Verein mit seinen Nachbarn durch eilig bewaffnete Bauern zum Abzug.

Vom Sympatisanten zum Gegner der Reformation: Erzherzog Karl

Nach einer flüchtigen Jugendneigung zum Luthertum hatte sich Karl während seiner Regierungszeit zum erbitterten Gegner der Reformation entwickelt, nicht zuletzt unter dem Einfluß seiner Gattin Maria, der die Geschichtsschreiber neben ihrer „Jagdlust und Prunksucht“, aber auch „ihrer Frömmigkeit und ihrem Wohltun“ eine „sehr dürftige Bildung“ verbunden „mit großer Beschränktheit“ nachsagen. Von ihrem Einfluß bereits auf den kurz angetrauten Gatten erzählt die Anekdote, daß Karl sich von einigen evangelischen Adeligen einst bereden ließ, nur wenigstens einmal einer evangelischen Predigt beizuwohnen und mit ihnen eine solche bei einem blinden Alten, der im Freien zu sprechen pflegte, anzuhören. Maria, der der Entschluß ihres Gatten mitgeteilt ward, erklärte, ihn sofort für immer zu verlassen und nach Bayern heimzukehren, wenn er bei seiner Absicht verharre, worauf der Erzherzog sich sofort seiner Gemahlin fügte. Sie kannte im Eifern gegen das lutherische Evangelium kein Maß und Ziel und wußte ihres Gatten bisweilige Schwäche und Nachgiebigkeit immer wieder zu überwinden. So bestärkte sie seine tiefer, aufrichtiger Abneigung entspringende Bekämpfung des Protestantismus im Lande. Verwerflich waren aber „die unsauberen Mittel, zu denen er sich hinreißen ließ“. Der in München ausgearbeitete Plan der stufenweisen Durchführung der Gegenreformation, an dessen Durchführung Karl der frühe Tod hinderte, wurde später auch in Österreich und Böhmen angewendet. Man kennt die Folgen: „Von der kleinen Hofburg in Graz ist der Dreißigjährige Krieg ausgegangen“.

Im Jahr 1600 war es vorübergehend zu Ende mit der Reformation:

Scharfe Befehle forderten die Auslieferung aller evangelischen Bücher und ließen auch die schöne Stiftsbibliothek nicht als Ausnahme gelten.

Am 8. August 1600 mußten sich alle katholisch gewordenen Bürger und Beamten neuerlich in der Stadtpfarrkirche versammeln und feierlich und öffentlich das katholische Glaubensbekenntnis ablegen und den Religionseid schwören.

Am Abend dieses Tages wurden die im Rathaus abgelieferten Bücher, an die 10000, auf acht von der Stadtguardia geleiteten Wagen vor das Paulustor geführt und dort öffentlich verbrannt. Mit ihnen ging auch die von der Landschaft mit großen Opfern angelegte Stiftsbücherei in Flammen auf. „Was sie für Bücher enthielt, weiß man. Sie besaß die besten Ausgaben der Bibel, die man damals erlangen konnte, die Werke der Kirchenväter, die Schriften der Reformatoren, soweit diese auf dem Boden der A.K. standen, die Werke der Magdeburger Zenturiatoren, die hervorragendsten Geschichtswerke jener Zeit, geographische Mappen, Schriften philosophischen und philologischen Inhalts. Das alles wurde geopfert“. Ein herostratisches Denkmal habsburgischer Religionspolitik!

Quelle: „P. Dedic, … [digitale Version http://repertorium.at/sl/dedic_protestantismus_193... / gesehen am 23.06.2016.“

Ich würde mich sehr freuen, wenn einige von Ihnen das ganze Buch lesen würden. Vielleicht Orte erkennen, die Ihnen wichtig sind und Personen, die Ihnen von Stadtführungen bekannt sind. Nicht zuletzt die Geschichte des Ulrich von Eggenberg, dessen Schloss in Graz zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählt.

Sehr leicht ist in diesem Buch auch zu erkennen, dass die Reformation nicht nur den Glauben betraf, vielmehr hatte sie mit politischen Motiven zu tun. Vom Kaiser über die Stände bis zu den Bürgermeistern, immer ging es um Geld, Macht und Einfluß, der „rechte Glaube“ wurde all zu oft mißbräuchlich verwendet.
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