19.03.2016, 13:49 Uhr

Fokus Freiberg: Mit Kunstschaffenden in Augenhöhe

Ingeborg Hiel und Chris Scheuer

Mit einer Lesung führte Ingeborg Hiel „himmel erde retour“, zeigte in der Kanzley von Schloss Freiberg auch eine Auswahl ihrer Malerei. Graphic Novelist Chris Scheuer gab zu den Arbeiten assoziative Erläuterungen ab.


Die Kulturinitiative Fokus Freiberg sorgt nun im Schloß wieder für eine Kontinuität der Kulturveranstaltungen. Das schafft nebenbei einen Bezugspunkt zu einem Kulturgeschehen der späten 1970er und frühen 1980er Jahre.

Damals war das Schloß laufend Ereignisort künstlerischer Vorhaben. Diese Tradition ist einige Zeit weitgehend verstummt. Als Winfried Lehmann von Kunst Ost die Verantwortung für das alljährliche Aprilfestival übernahm, änderte sich das nachhaltig.

Nun sind solche Abende wie der mit Hiel zu einem Standard geworden. Hausherr Ewald Ulrich öffnet die Büroräume seiner Firm Ana-U für eben solche Momente, bei denen Menschen mit Kunstschaffenden in Augenhöhe gelangen können.

Nach ihrer Lesung von Lyrik und Kriminal-Prosa stand Hiel für Debatten zur Verfügung. Es scheint bemerkenswert, daß Gedichte wieder Gehör und die dazu nötige Stille sowie ein volles Haus finden.

Ein wichtiger Akzent in der Gegenposition zum Dröhnen einer Unterhaltungsindustrie, die sich bloß noch selbst zum Inhalt hat. Wichtig auch, um eben diese Erfahrungen zu sichern und Orte dafür zu bestimmen: Die Stille, das Lauschen, die Reflexion.

Dieses Beharren auf Inhalten ist wichtig. Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte hatten wir so gesicherte Freizeit und mußten so wenig um unser Leben kämpfen. Das schafft Raum für Muße, das lädt uns alle ein, über die Angebote der Kunst auch auf sich selbst zu lauschen.

Wie merkwürdig, daß genau diese Möglichkeit derzeit so unpopulär erscheint. Oder entsteht bloß dieser Eindruck, weil Gelegenheiten dazu fehlten, da uns schon in jedem Wirtshaus der Geist vom Kommerzradio-Dröhnen begossen wird, daß einem jedes Hören vergeht?

Was auch immer in dieser Gesellschaft gerade dominant erscheint, die Nischen für andere Zugänge werden von kulturell engagierten Menschen offen gehalten, belebt. Es steht uns frei, uns für dies oder das zu enstscheiden. Eine wichtige Position im oststeirischen „KulturGeviert“, nebenbei auch Aausdruck einer Kulturpolitik, die über Gemeindegrenzen hinauswirkt.

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