13.03.2016, 13:39 Uhr

KulturGeviert: Agrarische Welt

Tierarzt Karl Bauer

Handwerk und Industrie brachten unserer Region den Wohlstand. Das heißt nicht, die Leute der agrarischen Welt wären zu wenig tüchtig gewesen.


Landwirtschaften waren in der Oststeiermark historisch stets kleine Sebstversorgerwirtschaften, die nicht für den Markt produziert haben. Kein Fleiß der Welt hätte daraus mehr machen können.

Über Handwerk und Industrie kamen neue Jobs und bessere Bezahlung. Das brachte in der Folge auch einige Orte wie Gleisdorf und Weiz zum Blühen, denn der Bedarf an neuen Dienstleitungen und Gütern stieg, die Kaufkraft dafür war vorhanden.

Die bäuerliche Welt ist aber nicht nur mentalitätsgeschichtlich präsent, sondern auch wirtschaftlich.

Tierarzt Karl Bauer kommt im Blick auf Gleisdorf und Umgebung auf etliche tausend Arbeitsplätze, die mit agrarischen Produkten zu tun haben. Das reicht von der Agrana über Estyria und Wollsdorf Leder bis zu den Zuchtbetrieben Tieberhof.

Bauer ist treibende Kraft in einigen kulturellen Vorhaben, die einen Anlaß ergeben, sich unseren Lebensraum auch bezüglich seiner sozialgeschichtlichen Aspekte genauer anzuschauen. Kaum ein Berufsfeld von großer Vielfalt hat sich in den letzten 50, 60 Jahren so radikal verändert, wie die bäuerliche Welt.

Das findet auch Werner Höfler, Bürgermeister von Hofstätten an der Raab, sehr interessant. Als Bauer, Lehrer und Kommunalpolitiker hat er einen komplexen Zugang zu dieser Thematik. In seiner Gemeinde gab es eine „Fachschule für Obstwirtschaft und EDV-Technik, Berufsschule für Bienenwirtschaft“, die abgeschafft wurde.

Nun wird das bauliche Erbe aus dieser Schulzeit zu einem Gemeinde- und Kulturzentrum umgestaltet. Das sind Zusammenhänge, die auch nahelegen, aktuell zu überprüfen, was denn die Grundlagen einer Vorstellung von „regionaler Identität“ seien. Die sind ja gewiß nicht, was uns aus diversen Werbeagenturen vorgebetet wird. Da stimmen weder die Bilder noch die Botschaften.

So werden wir in einigen Schritten erkunden, wovon das Leben hier tatsächlich handelt. Einen Anlaß dazu liefert Karl Bauer, der für die Ausstellung „Pigtures (Eine künstlerische Begegnung mit dem Schwein)“ sorgt. Die wird am 13. April 2016 um 19:30 Uhr in der Tierklinik Gleisdorf Süd (Pircha/Hofstätten) eröffnet.

In Zusammenarbeit mit Kunst Ost ist derzeit auch ein Round Table im Hofstättener Gemeindezentrum in Vorbereitung. Dabei soll erörtert werden, was denn nun die industrielle von der bäuerlichen Landwirtschaft unterscheidet und was in diesem Teil der Oststeiermark der Fall ist.

Solchen Zugängen widmet sich das „KulturGeviert“, um auf dem aktuellen Weg die Vierte Industrielle Revolution zu klären, mit welchen Umbrüchen wir gerade befaßt sind und wofür wir uns wappnen sollen, denn es wird in vielen Lebensbereichen kein Stein auf dem anderen bleiben.

In solchen Zusammenhängen kam kürzlich eine interessante Äußerung vom Bauern Herbert Hierzer (Olariziberg). Hierzer engagiert sich ebenfalls im Kunstbereich und ist an historischen Fragen interessiert. Er schrieb einen bewegenden Appell.

Hierzer: „Zu damalige Zeit sagte ich immer wieder, den Menschen in Österreich geht es am besten. Ich arbeitete als Koch mit Menschen aus zwanzig Nationen zusammen und da hob sich hervor. Der Bauer in Deutschland musste zu damalige Zeit sechzig Hektar Grund haben und mindestens sechzig Stück Tiere im Stall, um überleben zu können. Der Amerikaner musste 500 Stück Tiere haben, um überleben zu können und bei dieser Menge war er noch ein kleiner Bauer, schlief mit seiner Familie im Stall, bei den Tieren. In Österreich hatten die kleinen Vollerwerbsbauern zehn bis zwanzig Stück Tiere im Stall und mussten nicht bei den Tieren schlafen. Unser Bauernstand hat ein starkes Fundament und ich hoffe, dass unsere Politiker dieses Fundament den kleinen Bauern nicht wegstemmen und wir noch viel Freude an ihrem Schaffen haben können.“

Auch das sind wichtige Fragen zu den gegenwärtigen Automatisirungsschüben, in denen wir das Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen völlig neu klären müssen. Diesen Zusammenhängen ist das Teilprojekt „Fiat Lux: Panorama“ (Running Code) gewidmet.

+) Pigtures (Eine künstlerische Begegnung mit dem Schwein) [link]
+) Fiat Lux: Panorama [link]
+) Das KulturGeviert [link]
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.