26.07.2016, 09:05 Uhr

Phänomen Mobbing breitet sich stark aus

Das Phänomen Mobbing häuft sich immer mehr. Viele Betroffene wissen oft keinen Ausweg. (Foto: KK)

Die WOCHE im Gespräch mit Experten Soheyla Warnung und Simone Loder-Taucher zum Thema Mobbing.

Traurige Tatsache, aber wahr – immer mehr Kinder und Jugendliche werden in der Schule gemobbt. Unter Mobbing versteht man die systematische und wiederholte verbale und körperliche Aggression unter Schülern.
Die Vorfälle können von Beleidigungen, Streuung von Gerüchten bis hin zu körperlichen Attacken gehen. Viele Kinder, aber auch Eltern wissen sich in einer solchen Situation oft nicht zu helfen, denn dieses immer häufiger werdende gesellschaftliche Problem kann Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter haben.

Beispiel
Ein junger Bub hört, wie andere Mitschüler rassistische und menschenfeindliche Äußerungen über Flüchtlinge von sich geben. Die Oma des Jungen hat zuhause aber einen Flüchtling aufgenommen und auch sonst kennt der Bub viele sehr nette Flüchtlinge.
Er nimmt also allen Mut zusammen und stellt sich alleine der Gruppe. Er erklärt den Mitschülern, dass das, was sie da sagen, nicht stimmt! Flüchtlinge sind cool! Einige Mitschüler nehmen daraufhin eine Schere und drohen dem Buben sogar, ihn umzubringen.
Was tun in so einem Fall? Nicht nur die Eltern des Buben sind betroffen über den Vorfall, auch die Eltern der anderen Mitschüler können es kaum fassen.
Nicht nur für direkt betroffene Personen, sondern auch für indirekt Betroffene wie z.B. Kinder, die zuhause erzählen, dass sie bei solchen Aktionen nicht mitmachen wollen, aber sich nicht trauen, den dominanten Kindern die Stirn zu bieten, gibt es Hilfe, um mit solchen Situationen umzugehen.

Hilfestellung
Die WOCHE möchte zu diesem Thema gemeinsam mit Experten Hilfestellung geben.
Soheyla Warnung beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem "Phänomen Mobbing". "Unsere Gesellschaft hat es geschafft, dass unsere Kinder fast nicht mehr selbstständig denken können", so Soheyla Warnung (siehe Kommentar links).
Simone Loder-Taucher ist Schulsozialarbeiterin in Weiz und hatte schon oft mit ähnlichen Fällen zu tun. "Ich merke, dass es oft an Ideen fehlt, schwierige Situationen gewaltfrei zu lösen, aber das kann trainiert werden." Seit letztem Schuljahr gibt es in allen NMS und Polys im Bezirk Weiz die Schulsozialarbeit über den Verein Weiz Sozial. Kinder, die direkt oder indirekt von Mobbing oder Gewalt im Schulalltag betroffen sind, können diese in Anspruch nehmen. Es gibt Beratungen, Workshops mit der ganzen Klasse oder Unterstützung für Eltern.

Ein äußerst ernstes Thema
"Mobbing – ein Thema, das alle angeht und äußerst ernst ist." - Monika Bertsch ist Lehrerin und unterrichtet derzeit an einer Neuen Mittelschule. Zum Thema Mobbing sagt sie Folgendes:
"Richtiges Mobbing ist ein äußerst ernstzunehmendes Thema. Die größte Gefahr geht von den sozialen Medien aus. Gott sei Dank ist nicht alles echtes Mobbing, was vorschnell so bezeichnet wird. Als Lehrer muss man ein aufmerksames Auge darauf haben, aber man ist oft ja nur wenige Stunden pro Woche in einer Klasse. Die Eltern spielen meines Erachtens die wichtigste Rolle. Unerlässlich ist es, professionelle Hilfe hinzuzuziehen. Am wichtigsten ist es, den gemobbten Schüler zu stärken."
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