21.09.2016, 20:43 Uhr

Antikriegstag findet kaum Beachtung

Gleisdorf: Gleisdorf | "Die Jahresversammlungen der UN-Generalversammlung beginnen traditionell am dritten Dienstag im September. Am 21. September 1981, dem Tag der damaligen Vollversammlung, verkündete die Generalversammlung: Dieser Tag soll offiziell benannt und gefeiert werden als Weltfriedenstag (International Day of Peace) und soll genützt werden, um die Idee des Friedens sowohl innerhalb der Länder und Völker als auch zwischen ihnen zu beobachten und zu stärken. Am 30. November 1981 wurde dieser Tag in der UN-Resolution 36/67 zum „International Day of Peace“ erklärt", berichtet Wikipedia.

Der 21. September soll ein Tag des Waffenstillstands und der Gewaltlosigkeit sein, daher wird er auch Antikriegstag genannt.

Nach einer Kampagne von Jeremy Gilley und der Peace One Day-Organisation verabschiedete die UN-Generalversammlung am 7. September 2001 einstimmig die Resolution 55/282. Nach dieser soll der Weltfriedenstag ab 2002 jedes Jahr weltweit am gleichen Tag, dem 21. September, gefeiert werden. Allerdings findet der Tag bis heute in der Öffentlichkeit relativ wenig Beachtung.

Am 20. September versammelten sich in Gleisdorf Frauen, Männer und Jugendliche, um eines aktiven Förderers des Friedens zu gedenken. Ingrid Portenschlager, eine der drei Töchter von Ernst Reiter, erzählte berührend aus der Kindheit ihres Vater, von seiner Verhaftung in Graz am 6. September 1938 wegen Wehrdienstverweigerung und was er bis zu seiner Befreiung am Ende des 2. Weltkrieges erleiden musste.

Lebensbericht von Ernst Reiter
"Am 12. März 1938 marschierte Hitler in Österreich ein. Am 6. Sept. 1938 kamen dann zwei Polizisten zeitlich in der früh in das Geschäft, wo ich arbeitete und verhafteten mich von der Arbeit weg. Die nächsten Wochen wurde ich immer wieder verhört und schließlich zu 6 Monaten Gefängnis im Straflandesgericht in Graz, verurteilt.

Nachdem ich auch nach dieser Zeit als Wehrdienstverweigerer galt, hat man mich wegen erschwerter Gehorsamsverweigerung noch einmal verurteilt und so kam ich am 6. März 1939 nach Grafenwöhr in Bayern. Ich verweigerte wieder den Wehrdienst und wurde zum Strafvollzug nach Bayreuth überstellt. Dort traf ich auf den Hauptfeldwebel Pongratz. Dieser war so zornig, weil ich den Dienst mit der Waffe ablehnte, dass er schrie: „Lebend werden Sie hier nicht mehr herauskommen!“ Darauf sagte ich: „Das bestimmen nicht Sie, sondern DER, der über uns steht!“

Im Konzentrationslager Flossenbürg
Im November 1940 wurde ich zusammen mit neun Polen ins Konzentrationslager Flossenbürg eingeliefert. Ich erhielt die Häftlingsnummer 1935 und einen lila Winkel, der mich als Bibelforscher kennzeichnete. Ich wurde im Block 3 untergebracht und gleich einmal auf den Bock gebunden und 25 Stockhiebe sausten auf mich nieder. Ich hatte unerträgliche Schmerzen und war geschwollen und dunkelrot angelaufen. Übrigens war das so, dass der Häftling laut mitzählen musste, wie viele Stockhiebe ihn trafen. Hat er sich verzählt, dann wurde mit „eins“ wieder begonnen – unvorstellbar.

Ich lernte bald noch weitere Foltermethoden kennen. z B. Ertränken im Waschtrog. Man wurde so lange mit dem Kopf unter Wasser gedrückt, bis man bewusstlos wurde – dann herausgezogen und wieder untergetaucht. Ja, und die schlimmste Tortur war das Galgenhängen. Es war der größte Schmerz, den ich je in meinem Leben erleiden musste. Dabei werden einem die Hände auf dem Rücken zusammengebunden und man wird dann hochgezogen. Es scheint, als würden die Arme aus den Schultern gerissen.

Arbeit im Steinbruch
Ohne Sicherheitsvorkehrungen, schlecht bekleidet und bei jedem Wetter – im Sommer bei 30 Grad und im Winter bei Minusgraden – mussten die Häftlinge Erde abtragen, Granitblöcke absprengen, Wagen mit Gestein schieben und Steine schleppen. Nach Arbeitsschluss mussten die Häftlinge sogar die Toten zurück ins Lager tragen um beim Zählappell vollzählig zu sein.

Viele andere aber starben im Lager an Unterernährung, infolge der schweren Arbeit, durch Unfälle oder an den Grausamkeiten der Bewacher. Man konnte diese vielen Menschen nicht begraben und so ließ die SS ein lagereigenes Krematorium zur Leichenbeseitigung bauen. Es heißt, dass von den 84.000 Männern und 16.000 Frauen, die von 1938 bis 1945 inhaftiert waren, rund 30.000 umgekommen sind. Ich überlebte im Konzentrationslager Flossenbürg über 1.600 Tage.

Am 8. April 1945 begann die SS mit der Beseitigung von Spuren ihrer Taten im Konzentrationslager. Am 20. April 1945 mussten sich alle Häftlinge – das waren ca. 40.000 – in Blocks aufstellen, weil das Lager geräumt werden sollte. Ursprünglich war das Lager für 3000 Häftlinge gedacht, jetzt waren wir 40.000 und marschierten los. Das Ziel war, die Häftlinge umzubringen, d. h. sie sollten den sogenannten „Todesmarsch“ antreten, um nicht in die Hände der „Befreier“ zu fallen. Auch die 23 Bibelforscher machten sich auf diesen grausamen Weg. Da auch die Zeugen völlig entkräftet waren, behalfen wir uns mit einer Schiebetruhe, in die wir abwechselnd die Schwächsten gelegt haben und die etwas Kräftigeren schoben sie. Schließlich erlösten die Amerikaner uns Häftlinge vom Todesmarsch." Quelle http://www.lilawinkel.at/die-opfergruppe/

Leider werden Wehrdienstverweigerer nach wie vor eingesperrt.

„Das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit“ ist nach Artikel 18 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte ein Grundrecht jedes Menschen. * In einigen Ländern werden Zeugen Jehovas jedoch inhaftiert oder sogar grausam misshandelt, weil sie von diesen grundlegenden Menschenrechten Gebrauch machen. Inhaftiert sind meist junge Männer, da sie aus Gewissensgründen den Wehrdienst verweigern. Aber auch andere werden inhaftiert — nur weil sie ihren Glauben praktizieren.

In folgenden Ländern sind Zeugen Jehovas wegen Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen in Haft (Stand: Juli 2016)

Eritrea: 55

Singapur: 14

Südkorea: 495

Veranstaltungshinweis siehe: http://www.meinbezirk.at/weiz/politik/haeftling-19...
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