04.10.2016, 20:53 Uhr

„Stadt rettet Sportverein mit Geldspritze“

Stellungnahme eines langjährigen Funktionärs (Sektionsleiter) des SC Weiz zum Kleine-Zeitung-Artikel:

Ich fühle mich geradezu verpflichtet, zu den Zeitungsmeldungen über die „Rettung des Sportvereins“ Stellung zu beziehen, zumal es einerseits in meiner Zeit der Vereinsführung (1990-1999, anfangs mit Milo Strunz) auf Grund der Kontrollmechanismen der Sparkasse undenkbar gewesen wäre, derart hohe Schulden anzuhäufen und ich andererseits heute noch „eine Lanze“ für meine damaligen Funktionäre, Jugendtrainer und weit über hundert ehrenamtlichen Mitarbeitern „breche“, die allesamt – ohne jemals über Geld zu reden – dem Gemeinwohl des Weizer Fußballsports dienten. Ich will damit nicht die sogenannte „gute alte Zeit“ aufwärmen, doch wenn man solch unglaubliche Hiobsbotschaften liest, die nur auf Unverantwortlichkeit, Selbstdarstellung und Machtgelüsten von Funktionären zurückzuführen sind, sei mir doch ein kurzer Rückblick gestattet. Mit bescheidenen 200.000,00 Schilling (wohlgemerkt: Schilling!!!) Sponsorgeldern mussten wir damals das Auslangen finden. Das war nicht sehr viel, aber wir hatten mit der Sparkasse Weiz einen verlässlichen Partner und die Gewissheit, diese Mittel auch alljährlich zu bekommen. Um den gesamten Spielbetrieb (von der Kampfmannschaft bis zur U8, meist 9-10 Mannschaften) aber auch tatsächlich finanzieren zu können, war es uns unerlässlich, weitere Einnahmen zu lukrieren. Es blieb uns keine andere Wahl, als gemeinsam die „Ärmeln aufzukrempeln“ und im wahrsten Sinne des Wortes Vereinsarbeit zu leisten. Und so entstanden ab 1990 zwangsläufig die legendären 3-Tage-Pfingstfeste, die topbesetzten U12-Weihnachtsturniere und die unübertroffenen Internationalen Nachwuchs-Pfingstturniere mit mehr als 90 Jugendmannschaften aus bis zu 8 verschiedenen Nationen. Bis zu 150 freiwillige Helfer (Weizer Fußballfamilie) waren bei diesen Großveranstaltungen im Einsatz. An eine Bezahlung dieser unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden war natürlich nicht zu denken, doch umso mehr wurde der damalige Vereinsgeist und Zusammenhalt im Verein gestärkt. Aber nicht nur sportlich waren in Anbetracht der finanziellen Situation die Aufgaben eines SC Weiz Funktionärs eine Herausforderung. Auch die Sportstätten waren damals in äußerst desolaten Zustand, sodass wir nach unzähligen Bittgängen zu den „Stadtvätern“ auch die Zusage einer Gesamtsanierung erreichten. Diese erstreckte sich von der Generalsanierung des Sporthauses und des Platzes bis zur Neuerrichtung des Flutlichtes, der elektronischen Bewässerungsanlage bis hin zum Kantinen- und Stadionneubau. Eine überaus kooperative und sehr lobenswerte Zusammenarbeit mit dem Altbürgermeister Helmut Kienreich und dem damaligen ATUS-Obmann Christian Faul ermöglichte schließlich 1998 die Übergabe des neuen Stadions, mit dem sich seither kein SC-Weiz-Funktionär mehr operativ beschäftigen musste. Also konnten sich die Verantwortlichen ab diesem Zeitpunkt ausschließlich den sportlichen Aufgaben widmen, die offensichtlich immer kostspieliger wurden und nun letztlich in ein Schuldenfiasko mündeten. Wir haben seinerzeit wahrscheinlich ausschließlich aus Kostengründen (auf Grund nicht vorhandener Geldmittel) zwar nie in der Regionalliga gespielt, aber dem gemeinnützigen Vereinsstatut des SC Weiz voll und ganz Rechnung getragen, indem wir allen fußballbegeisterten Kindern und Jugendlichen der Stadt Weiz und Umgebung eine sehr gute Grundlage zur Sportausübung geschaffen haben. Die damalige Entscheidung für den „Sport ohne Schulden“ hat mir und meinen Funktionären von so manchen Kritikern sehr viel Tadel, Hohn und auch Drohungen eingebracht, doch ich bin heute noch stolz auf den unermüdlichen Zusammenhalt und auf die vielen schönen Sport-und Freizeiterlebnisse in den einzelnen Teamgemeinschaften.

Nun aber zum aktuellen Thema: Ganz Weiz, oder zumindest Politik-, Sport- und Steuergeldinteressierte stellen sich derzeit die Frage, wie ist es möglich, in einem ordnungsgemäß und statutenkonform geführten Verein Schulden im sechsstelligen Bereich anzuhäufen, ohne dass entsprechende Haftungen (z.B. Gemeinde oder sonstige Geldgeber) eingegangen wurden? Oder handelt es sich um reine Lieferantenschulden? Konnten Bankkonten durch Berechtigungen von einzelnen Personen in so hohem Ausmaß überzogen werden? Gab es nie Kontrollen mittels Vieraugenprinzip (Kassier der Sektion, Obmann des ATUS) oder ähnliches? Oder hat der ATUS-Obmann von den Schulden gar nichts gewusst? Warum soll eigentlich der Fortbestand des Dachvereines bedroht sein, wenn dieser gar nicht in die Machenschaften der Sektion Fußball involviert war? Im Zusammenhang mit Haftungen nach dem Vereinsgesetz gibt es doch auch immer die Möglichkeit der Schad-und Klagloshaltung bei vorsätzlich schuldhaften Handlungen einer Sektion über den gerichtlichen Regressweg. Ansonsten wären alle übrigen, „braven“ und pflichtbewussten Sektionen des ATUS ja wirklich immer die Benachteiligten und „Deppen der Nation“, wie es der Volleyball-Funktionär im Zeitungsbericht eh schon richtig andeutete. Konnten sich die betroffenen Verantwortlichen so ganz problemlos vom Verein „verabschieden“ und die Schulden einfach der Gemeinde „hinterlassen“? Auch das Ausbleiben von erhofften Sponsormitteln kann bei seriöser Vereinsarbeit keine Ausrede sein, denn entweder gäbe es dann eine Vertragsverletzung oder das Sponsoring war gar nie abgesichert. Im zweiteren Fall hätten die Mittel ja gar nie im Vorhinein verplant werden dürfen. Also Fragen um Fragen, die in diesen Zeitungsberichten offen geblieben sind und die meiner Meinung nach restlos aufgeklärt werden sollten. Darauf hat die Öffentlichkeit ein Anrecht! Immerhin handelt es sich bei einer nicht definierten, sechsstelligen Summe von übernommenen Schulden um einen sehr erheblichen Betrag und vor allem ausschließlich um Steuergeld, welches wohl besser den Weizerinnen und Weizern in Form von Begünstigungen oder Infrastrukturmaßnahmen zufließen hätte können. Ich finde auch die Haltung von Bürgermeister Eggenreich eher unglücklich, wenn in einer derart heiklen Causa Gemeinderatsbeschlüsse in nicht öffentlichen Sitzungen gefällt werden. Zudem wäre es höchst an der Zeit, der Öffentlichkeit endlich eine präzise Zahl zwischen 100.000 und 999.999 zu nennen, deren Relevanz zum Fortbestand des ATUS Weiz offensichtlich maßgeblich beitrug. Zumindest die „1600 Mitglieder“, deren Mitgliedschaft laut Zeitungsbericht am „seidenen Faden“ hing, hätten bestimmt ein großes Interesse daran. Auch die Anordnung einer Wirtschaftsprüfung hätte der Sache gut getan und wäre vor allem den neuen Funktionären sehr hilfreich gewesen. Wer derzeit beim SC Weiz im wirtschaftlichen Bereich das Sagen hat bzw. wer für die Finanzen verantwortlich ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich weiß jedoch, dass Sandro Derler den sportlichen Teil abdeckt und der erfahrene Bruno Friesenbichler in der Funktion als Kampfmannschaftstrainer tätig ist. Beide sind profunde Fußballkenner, die ich schon lange kenne und auch sehr schätze. Beide können sich mit dem SC Weiz identifizieren und ihn auch führen, haben sie doch in ihrer Schul-und Jugendzeit dort ihre ersten (beim Bruno waren es vielleicht schon die zweiten) Fußballschuhe zerrissen. Vielleicht noch einen Tipp für den Sandro. Der „Neustart“ - so wie im Artikel bezeichnet – ist mit Sicherheit ein notwendiger Schritt, bei den „Experten“ bin ich mir nicht ganz so sicher, denn womöglich waren auch diejenigen schon solche, die dem Verein diese Bürde aufgehalst haben. Aber Funktionäre, die es ehrlich meinen und nicht nur der persönlichen Profilierung wegen Vereinsarbeit leisten, und auch zu Spielergagen nein sagen können wenn sie ohne Schulden nicht leistbar sind, und vor allem sich nicht durchs „Hintertürl“ verabschieden, wenn es mal nicht so läuft, können wir in Weiz immer brauchen. Alles Gute für die sportliche, aber vor allem auch wirtschaftliche Zukunft des SC Weiz.

Schwaiger Peter
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.