25.03.2016, 05:56 Uhr

Industrie 4.0: Abholstation

Der Paketausgabe-Automat ist schon in Betrieb, läßt aber die Kundschaft noch nach Beratung fragen.

Erst kürzlich hatte ich ein Paket am Postamt abzuholen, da ich nicht zuhause war, als es ankam. Es wurde mir von einer Bediensteten ausgehändigt.


Diesmal erhielt ich ein weiteres Packerl von einer Maschine ausgefolgt, von einem Maschinensystem, das man sich als automatisierte Postfach-Anlage vorstellen kann.

Auf der gelben Benachrichtigung wies der Stempel mit dem Hinweis Abholstation auf die Neuerung hin. Um den Raum betreten zu können, ist laut Notiz „gegebenenfalls eine Bankomatkarte erforderlich“. Eine weitere Notiz besagt: „Mo-So 0:00-24:00“, also rund um die Uhr.

Das hat man mir auch so gesagt, nun könne ich jederzeit an meine Sendung kommen. Die Maschine dient, anders als wir Menschen, 24 Stunden an sieben Tagen die Woche. Das klingt komfortabel, klappt prima, solange die Stromversorgung gesichert ist, und ersetzt selbstverständlich menschliche Arbeitskraft.

Ich finde das rasend interessant, denn wir sind in einem neuen Abschnitt der Mensch-Maschinen-Interaktion angekommen. Es waren seit meiner Kindheit Automaten, die als meist handliche Apparate eine Warenausgabe durch Menschen ersetzten. Geräte, die einem wie Schatullen oder Schränkchen greifbare blieben. Derzeit entfalten sich ganz neue Räume der Automatisierung.

Das ist erwähnenswert, weil es sich inzwischen mitten in der Stadt, also mitten in der Gesellschaft, ereignet. Technisch ist nichts Neues daran. Meine Benachrichtigung trägt einen Strichcode, den ich dem Lesegerät vorweise. Der Bildschirm macht mir ein Feld zur Unterschrift auf, dann öffnet sich die entsprechend Fachtüre, hinter der mein Päckchen liegt.

Wäre ich schon „gechipt“, ließe sich der Vorgang noch etwas straffen. Die Chips der RFID-Technik sind inzwischen so klein, daß einer davon leicht unter der Haut einer Hand deponiert sein könnte. RFID steht für „radio-frequency identification“.

Das bedeutet, gechipte Dinge oder Lebewesen können ohne äußere Stromzufuhr Daten austauschen, können auf der Basis von Radiowellen eigenständig miteinander kommunizieren. Stichwort: Internet der Dinge.

Science Fiction? Aber nein! So müssen etwa in Österreich Hunde gechipt sein; unter der Androhung von „Strafen bis zu 3.700 Euro bei Missachtung“.

Ich habe schon beschrieben, wie in der Gleisdorfer Stadtapotheke ein Logistik-Roboter seine Arbeit aufnahm und wie derlei Automatisierungsschritte vor Jahren in der Kassenhalle der Volksbank stattfanden.

Welche Konfusionen seit ihrer Einführung durch Fahrscheinautomaten rund um die geschlossene Kassa am Bahnhof entstanden, muß ich niemandem erzählen. Da sind wir wohl fast alles schon einmal vor Ort ins Grübeln gekommen.

Das alles handelt einerseits davon, uns Menschen Arbeiten abzunehmen, die nicht gerade den Geist anregen. Das bewirkt andrerseits ein zunehmendes Verschwinden von Jobs. Werden dabei auch neue Jobs geschaffen?

Gewiß, doch das geschieht asymmetrisch. Im Klartext, diese Gesellschaft geht längst in eine neue Automatisierungswelle, durch die wir Millionen an Jobs verlieren. Das ist ein unbestrittenes Faktum, ein derart radikaler Prozeß, daß wir schon in wenigen Jahrzehnten unsere Vorstellung von Massenbeschäftigung ins Museum tragen müssen.

Wenige Jahrzehnte, das meint maximal 30 Jahre, eher bloß 20. Botschaft angekommen? Das geht jetzt rasend schnell und hat noch einige andere interessante Fragen im Kielwasser.

Dazu gehört auf jeden Fall „der gläserne Mensch“, denn unsere Wünsche, Phantasien, Handlungen, Schritte sind schon jetzt für Maschinen umfassend lesbar, wo jemand wenigstens ein Mobiltelefon mit Internetverbindung benützt.

Diese Dinge sind schon weitreichende Realität. Es gibt rasende Entwicklungssprünge; unter anderem, weil weltweit unvorstellbare Geldsummen in selbstlernende Systeme, Robotik und künstliche Intelligenzen investiert werden.

Eine Maschinenstürmerei, wie zur Ersten Industriellen Revolution, als mechanische Webstühle arme Leute in Hunger und Elend stießen, hat damals keine Probleme gelöst, würde es auch heute nicht tun.

Nun wäre zu fragen, weshalb wir diese Themen zwar längst in unserer Alltagsrealität finden, regionale Politik, Wirtschaft, aber auch Kulturschaffende sich dazu aber kaum bis gar nicht exponieren.

Warum lese ich darüber nichts in regionalen Blättern, die uns doch stichhaltige Berichte über das regionale Leben andienen? Weshalb schweigen darüber etablierte Agenturen der Wirtschaft und liefern uns vor allem schöne Bilder plus nette Aktionen?

Hat die Politik andere Sorgen, als das massenhafte Verschwinden von Jobs, wie es sich am Horizont zeigt, in die laufenden Arbeit einzubeziehen? Sind Kunstschaffende wirklich Seismographen dieser Gesellschaft und wenigstens einige unter ihnen befähigt, die Zeichen der zeit zu lesen und zu deuten?

Fragen über Fragen…

+) Fiat Lux: Roboter [link]
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