25.05.2016, 08:34 Uhr

"Der Kormoran wütet gewaltig"

Im Visier von Kormoranen befinden sich vor allem größere Fische. (Foto: Panthermedia/donfink)

Fischer sehen die Fischbestände durch den Räuber gefährdet. Naturschützer dementieren.

BEZIRK. Im vergangenen Jahr wurden laut Oberösterreichischem Landesfischereiverband in Wels 83 und in Wels-Land 145 neue Fischerkarten ausgestellt, welche zum Fischfang berechtigen. "Die Zahlen sind in den letzten Jahren gleichbleibend. Davon sind wir positiv überrascht, denn die Geburtenzahlen gingen zuletzt stark zurück", freut sich Siegfried Pilgerstorfer, Geschäftsführender Vorsitzender des Verbandes. Trotzdem sind viele Fischer mit den derzeitigen Bedingungen nicht zufrieden. Denn vor allem Gänsesäger, Fischotter und Kormorane verringern durch ihren Verzehr den Fischbestand. "Naturschützer denken, die sollten geschützt bleiben. Dabei vermehren sie sich ungemein. Früher hatten die Gewässer mehr Strukturen, Fische konnten sich leichter verstecken. Es entstehen etliche Schäden durch diese Predatoren", sagt Pilgerstorfer. Dem pflichtet Gerhard Keppelmüller, Obmann des Angelsportvereins Marchtrenk, bei: "Besonders Kormorane sind sehr schlimm. Die gehören um die Hälfte dezimiert, damit ein gewisses Gleichgewicht wiederhergestellt ist."

Drei Viertel Verlust

Er nennt auch ein Beispiel: "Wenn wir im Frühjahr 1000 Fischsetzlinge in den Schiefermüllerbach einsetzen, fangen wir nach zwei Jahren bei der Bachabwehr nur etwa 250 raus. Das größte Übel ist dabei der Kormoran, denn vor allem in den Wintermonaten geht er in die fließenden Gewässer. Vor zehn Jahren sind noch etwa 600 Fische rausgekommen. Jetzt entsteht dadurch ein gewaltiger Schaden." Dies sei auch ein Geldschaden, denn anstelle der selbst aufgezüchteten Fische müssten welche gekauft werden, um den Lizenznehmern mit Jahreskarten an der Traun genügend Fische zur Verfügung stellen zu können. Für Horst Huber, den Obmann-Stellvertreter des Fischereirevier-Ausschusses "Untere Traun Wels", ist das Auflockern der Abschuss-Regelungen für Kormorane ein langer Prozess: "Das dauert, weil die Naturschützer so stark sind. In Bayern und auch in anderen Ländern sind die Regelungen besser. Der Kormoran wütet schon gewaltig, vor allem bei Fischen ab einer Größe von 25 Zentimetern." Laut Landesfischereiverband haben im vergangenen Winter Kormorane etwa 65.000 Kilogramm Fische aus Oberösterreichs Flüssen und Seen gefressen. "Man darf auf 95 Prozent der Landesfläche Kormorane schießen, aber das sind genau solche Gebiete, wo sie gar nicht vorkommen", merkt Obmann Pilgerstorfer an, der eine weitere Auflockerung der Abschuss-Regeln für Kormorane anstrebt.

Bestand ist gleichbleibend

Juristin Anita Matzinger von der Abteilung Naturschutz des Landes Oberösterreich lässt dies jedoch so nicht gelten: "Das sind wildlebende Vögel, die sich dort einrichten, wo sie Nahrung finden. Sie wechseln ihre Schlaf- und Fangplätze. Das mag für den einen oder anderen dann vielleicht so aussehen, als wären dort, wo gejagt werden darf, keine vorhanden." In die selbe Kerbe schlägt Martin Brader, Leiter der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft des Biologiezentrums Linz. "Fünf bis zehn Prozent des landesweiten Bestandes dürfen laut Kormoranverordnung geschossen werden. Davon ausgenommen sind Schutzgebiete und bestimmte Gewässersysteme. Die kolportierten Bestandsanstiege gibt es nicht." Außerdem seien laut Brader nicht nur Kormorane, sondern viele Faktoren schuld an der Dezimierung des Fischbestandes. Dazu zählt er unter anderem die Installation von Kläranlagen, da die Tiere dadurch weniger zu fressen hätten. Anfang März 2016 wurden 747 Kormorane in Oberösterreich gezählt. Das sind um etwa 100 mehr als vor zehn Jahren.
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