29.03.2016, 13:59 Uhr

Diabetes wird oft spät erkannt

Dietmar Hubner ist Spezialist für Stoffwechselerkrankungen in Wels. (Foto: Klinikum Wels-Grieskirchen)

Bei der Erstdiagnose kann die Erkrankung schon lange vorliegen und zu Schädigungen geführt haben.

BEZIRK. Im Jahr 2015 waren rund 600.000 Österreicher von Diabetes mellitus betroffen – ein Viertel davon noch ohne Diagnose. Rund 150.000 Diabetiker wussten demzufolge nichts von ihrem erhöhten Blutzuckerspiegel. Dabei ist Früherkennung das Um und Auf, um Spätschäden zu verhindern. "Das große Problem bei Diabetes ist, dass durch einen über viele Jahre unbemerkten und somit unbehandelten erhöhten Blutzuckerspiegel bei der Erstdiagnose bereits Schädigungen vorliegen können", sagt Dietmar Hubner, Spezialist für Stoffwechselerkrankungen am Klinikum Wels-Grieskirchen. Neben den Gefahren von akuten Hyper- und Hypoglykämien führt eine schlechte Einstellung des Blutzuckers langfristig zu einem großen Risiko für Folgeerkrankungen. Zu den Folgen zählen vor allem Gefäßerkrankungen und Nervenschädigungen. Eine deutliche Blutzuckererhöhung ist leicht an ihren Symptomen zu erkennen: Oft ist eine ausgeprägte Gewichtsabnahme verbunden mit Austrocknung, ständigem Durstgefühl und häufigem Wasserlassen. Gelegentlich treten auch Erbrechen und Wadenkrämpfe auf, die Betroffenen sind müde, kraftlos und leiden an Seh- und Konzentrationsstörungen. Wunden heilen schlecht ab. Eine nur leichte Blutzuckererhöhung bleibt dagegen häufig ohne Symptome und somit unbehandelt. Bei der Erstdiagnose ist man meist schon viele Jahre erkrankt, sodass bereits Schädigungen vorliegen können.

Zwei Haupttypen

Es gibt zwei grundsätzliche Typen von Diabetes. Bei Typ-1-Diabetikern führt die Zerstörung der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zu Insulinmangel. Als Auslöser diskutiert werden sowohl genetische als auch Umweltfaktoren. Bis dato sind etwa zwanzig Gene als Auslöser identifiziert. Als Umweltfaktoren werden virale Infekte diskutiert. Bei Diabetes Typ 2 handelt es sich um eine Störung, bei der Insulin an seinem Zielort nicht richtig wirken kann. Zu Beginn dieser Insulinresistenz werden höhere Mengen an Insulin produziert, um den Wirkungsverlust zu kompensieren. Irgendwann kann die Bauchspeicheldrüse die überhöhte Produktion aber nicht mehr aufrechterhalten. Der Blutzuckerspiegel gerät außer Kontrolle und Diabetes entsteht. Hauptursache für die Insulinresistenz ist starkes Übergewicht. Seltener kann dieser Typ durch Vererbung innerhalb einer Familie gehäuft auftreten.
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