27.07.2016, 18:00 Uhr

"Belgien ist kein zweisprachiges Land"

Bernhard Zaglmayer mit Freundin Ruta und Tochter Monika. (Foto: privat)

Der Welser Bernhard Zaglmayer lebt seit 13 Jahren in Belgien, derzeit arbeitet er bei der Europäischen Kommission in Brüssel.

WELS/BRUESSEL. Der Weg führte Bernhard Zaglmayer erstmals nach seinem Studienabschluss (Jus) in Innsbruck nach Belgien. An der Universität Löwen machte er seinen Post Graduate Master, daraufhin begab er sich auf Jobsuche. "In Österreich habe ich nicht viel gefunden. Also machte ich ein fünfmonatiges Praktikum bei der Europäischen Kommission, bis sich zufällig an der Uni Löwen eine Position als wissenschaftlicher Mitarbeiter aufgetan hat", erzählt der 40-jährige Welser. Nach neun Jahren bei der EFTA-Überwachungsbehörde, welche das Äquivalent zur Europäischen Kommission für Nicht-EU-Länder darstellt, landete er schließlich im Februar 2016 als Jurist erneut bei der Kommission. Richtig wohnhaft wurde er in Belgien im Jahr 2003 als 27-Jähriger. "Mich hat Europa, vor allem das Sozialrecht, schon immer interessiert. Da beim Master in Löwen der Großteil über Internet gemacht wurde, war ich nur etwa dreimal im Jahr für zwei Wochen dort."

"Spaß an der Arbeit zählt"

Lebensplanungen für längere Zeitfenster sind bei Bernhard Zaglmayer nicht üblich. "Ich arbeite bei der Kommission nicht als Beamter, sondern auf Zeitvertragsbasis. Für mich ist es wichtig, dass mir die Arbeit Spaß macht. Ich hatte nie große Ambitionen, bei der Kommission zu arbeiten, nur weil es eben die Kommission ist. Ich denke, dass ich mich in Richtung Selbstständigkeit bewege und einmal eine Consultingfirma aufmache."

Sehr heimatbezogen

Obwohl in Brüssel Menschen vieler verschiedener Nationalitäten zugegen sind, sind dem Welser in den 13 Jahren einige Unterschiede zwischen Belgiern und Österreichern aufgefallen: "In Belgien ist alles sehr lokal. Wo man geboren ist, da lebt man zumeist sein ganzes Leben lang. Ich kenne unheimlich viele Belgier, die zwei bis drei Stunden pro Tag pendeln. Brüssel ist das beste Beispiel: Es hat eine Million Einwohner, untertags verdoppelt sich die Zahl an Menschen." Das Land spaltet sich in niederländisch sprechende Flamen und französisch sprechende Wallonen. "Von außen denkt man, das sei ein zweisprachiges Land. Dem ist aber überhaupt nicht so, denn die Menschen sprechen entweder die eine oder die andere Sprache." An der Uni Löwen zum Beispiel war man nicht sehr erfreut, wenn Bernhard Zaglmayer Französisch sprach. Mit Englisch kam er dort viel weiter. Mit Vorurteilen gegenüber Österreichern sah er sich nie konfrontiert: "Belgier mögen Österreicher sehr gerne. Viele fahren zum Schifahren nach Salzburg oder Tirol."

Zuwachs in der Familie

Seine Eltern und sein Freundeskreis wohnen immer noch in Wels, regelmäßig kommt er zu Besuch in seine Heimatstadt. Der 40-Jährige kennt aber nicht nur Österreich und Belgien sehr gut. Zwischendurch wohnte er ein Jahr lang in Polen. Seine Freundin Ruta kommt aus Litauen, gemeinsam haben sie eine sechsmonatige Tochter namens Monika.


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