08.08.2016, 14:17 Uhr

Den Abschlag gewagt und für gut befunden

Mario Scherhaufer mit Frau Jenniffer und Tochter Anna Lilian. (Foto: privat)

Der Welser Mario Scherhaufer wohnt seit 20 Jahren in den USA. Möglich macht dies die in der Lotterie gewonnene Green Card.

WELS/MARYLAND. Vor kurzem feierte der in Wels aufgewachsene Mario Scherhaufer sein 15-jähriges Jubiläum beim International Center for Journalists, an dem er als Chief Compliance Officer fungiert. Damit ist er verantwortlich für die Überwachung der Einhaltung von Revisionsregeln und Konzerngrundsätzen. Vor neun Jahren startete er zudem ein Austauschprogramm zwischen österreichischen und amerikanischen Journalisten. "Wir schicken Journalisten zwischen 21 und 38 Jahren für je ein Jahr in das jeweils andere Land", erklärt der 41-Jährige. 35 Mitarbeiter zählt das International Center for Journalists in Washington. Mit Frau Jenniffer und sechsjähriger Tochter Anna Lilian wohnt der Welser in Montgomery Village, einem Vorort von Maryland. 1996 ging Scherhaufer in die USA, um in North Carolina und Louisiana zu studieren. "Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt. Wir sagten uns: Wer von uns beiden als Erster ein Angebot hat, der nimmt das an und dort gehen wir hin. Dann haben wir unsere Habseligkeiten in unser altes Auto gepackt und sind die zehn Stunden von Baton Rouge, L.A, nach Washington DC gefahren. Meine Frau hat dort dann aber auch schnell etwas gefunden." So verschlug es die beiden etwas mehr als eine halbe Autostunde entfernt von Washington in den zirka 32.000 Einwohner zählenden Vorort von Washington.

Die Seite gewechselt

Für das Studium in den USA entschied sich Scherhaufer, nachdem ihm die möglichen Äquivalente in Österreich zu theorielastig waren. "Ein Freund von der HTL war zu der Zeit schon in Amerika und sagte mir, dass es an der East Carolina University ein praktisch ausgerichtetes Journalismus-Programm gibt." Im Studium ist ihm klar geworden, dass er Journalist sein möchte. Vor zehn Jahren ist er jedoch umgestiegen. Am International Center for Journalists zeichnet er für die Finanzen verantwortlich. "Ich habe gesehen, dass in der Firma fast alle Journalisten waren und sich keiner mit dem Budget und Zahlen beschäftigen wollte. Ich hatte keine Abneigung dagegen, mit Zahlen zu arbeiten", begründet der 41-jährige Familienvater diesen Schritt.

Lotterie-Gewinn Green Card

Zunächst verkomplizierte die stets zu erneuernde Aufenthaltsgenehmigung das Leben in den USA. Scherhaufer hatte gerade damit begonnen, für die zweiten drei Jahre erneut um das "practical work permit" anzusuchen, welches auf sechs Jahre begrenzt ist. Doch dann gewann er eine Green Card, mit der sich ausländische Staatsbürger unbefristet in den USA aufhalten dürfen, in der eigens dafür zuständigen Lotterie. Scherhaufer zog im Alter von 21 Jahren ins "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Wieder nach Österreich zu ziehen, ist derzeit kein Thema. Fehlen würden ihm vor allem die breiten Freeways sowie das Einkaufen zu jeder gewünschten Tageszeit in den USA. Das Bild, welches die Amerikaner von Österreich und Österreichern haben, ist sehr unterschiedlich. "Es kommt darauf an, wo du bist in Amerika. Jemand in den Bergen denkt zum Beispiel erst an Kängurus oder Deutschland. In Washington sind aber schon eher Diplomaten unterwegs, die sich besser auskennen", merkt Scherhaufer an. Wenn Österreich in Filmen vorkommt, seien dies selten gute Bilder, die vermittelt werden. "In Hollywood-Filmen kommen Nazis immer noch sehr oft vor." Dennoch habe er im Hinblick auf seine Herkunft noch keine nennenswerten schlechten Erfahrungen gemacht. In seiner Freizeit schlägt er gerne auf einem Golfplatz ab. Sein Abschlag nach Amerika jährt sich heuer zum 20. Mal.


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