27.04.2016, 19:30 Uhr

Der Bezirk braucht Schnelllade-Tankstellen

Mit herkömmlichen E-Tankstellen dauert das Aufladen je nach Pkw-Modell etwa zwei bis fünf Stunden. (Foto: Mobiles Marchtrenk)

Soll der Trend weiter in Richtung Elektroautos gehen, so reicht die vorhandene Infrastruktur nicht aus.

BEZIRK. Vor einem halben Jahr startete der Verein Mobiles Marchtrenk sein E-Carsharing mit dem ersten Elektroauto. Auf dieses können Interessierte nach Voranmeldung für die reservierte Zeit zugreifen. "Wir sind mit der Performance und der Nutzung der Autos sehr zufrieden. Im Januar kam das zweite hinzu, das dritte wahrscheinlich noch in diesem Jahr", sagt Heinrich Richter, Vorstand des Vereins Mobiles Marchtrenk. Im nächsten Jahr soll das Projekt auf fünf Fahrzeuge ausgeweitet werden. Interessenten für das E-Carsharing gibt es also zur Genüge. Auf E-Tankstellen trifft das jedoch nur bedingt zu. "Wenn wir das Thema weitertreiben, sind die Gemeinden und das Land gefragt, die Infrastrukur auszubauen. Es gibt zu wenige Schnelllade-Tankstellen, die das Auto in 20 bis 30 Minuten anstelle von vier, fünf Stunden aufladen", erklärt Richter. "Im Bezirk reicht es aus, um sich von A nach B zu bewegen. Wenn die Autos zunehmen, muss aber etwas getan werden." Laut Klimacoach Markus Rapold ist das Problem vor allem die Rentabilität von E-Tankstellen: "Die günstigsten gibt es um weniger als 1000 Euro. Schnelllade-Tankstellen kosten aber ab 50.000 Euro, und da kommen noch die Einbau- und Anschlusskosten hinzu." Auftraggeber zur Errichtung einer E-Tankstelle sind zum einen Unternehmen, für die sie sich rentieren sollte und zum anderen Kommunen. "Aufgrund der finanziellen Situation sagen viele, es gebe zu wenige Elektroautos. Daher haben die E-Tankstellen nicht oberste Priorität", sagt Rapold. Die meisten Autobauer setzen sich seiner Meinung nach nicht ausreichend für den Vormarsch der Elektroautos ein, weil viel geringere Reparaturkosten anfallen als bei Wagen mit Verbrennermotoren. Das bestätigt Johann Haslinger, Betreiber des Taxiunternehmens Elite, welches zwei Tesla-Fahrzeuge einsetzt: "Wir haben nach 155.000 Kilometern noch immer keine Bremse gewechselt, es fallen fast keine Werkstattkosten an. Aber an einer Schnelllade-Station warten wir oft erst mal eine halbe Stunde, bis sie frei ist. Bei herkömmlichen lädt der Tesla acht Stunden." Derzeit finden sich 24 E-Tankstellen in Wels und 17 in Wels-Land, darunter zwei Schnelllade-Tankstellen, welche etwa 50 Kilowattstunden ausgeben. Infos unter: www.e-tankstellen-finder.com. Neben Marchtrenk betreiben Krenglbach und Thalheim im Bezirk ein E-Carsharing. Gunskirchen und Bad Wimsbach stehen kurz davor. "Wir könnten Dienstfahrten mit dem E-Car abwickeln", meint Gunskirchens Amtsleiter Erwin Stürzlinger.

Angst vor Hackern

Der nächste Entwicklungsschritt sind selbstfahrende Autos. Eine Studie des IMAS-Instituts und der FH Wels besagt, dass knapp jeder zweite Österreicher meint, dadurch würde das Autofahren nicht sicherer. Die Bevölkerung hat unter anderem Angst vor möglichen Hackern. "Ich bin auch skeptisch. Ich nehme gerne technische Assistenz zur Hilfe, aber will nicht alles aus der Hand geben", sagt Heinrich Richter, der meint: "Immer wenn Technik im Spiel ist, kann man gehackt werden." Für Erwin Stürzlinger spielt auch der Datenschutz eine Rolle: "Man wird immer überwacht. Jeder weiß dann, wo man sich gerade befindet."

Am 3. Mai findet von 17.00 bis 19.30 Uhr das Dialog*Forum zum Thema "Nachhaltige Mobilität in der Region Wels-Eferding" im Gemeindeamt Eberstalzell statt.
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