11.03.2016, 12:24 Uhr

Kritik an Rabls Wertekatalog für Kindergärten

Laut Rabl werden es anlassbezogene Lieder und Gedichte (wie zu Weihnachten) sein, welche die Kinder lernen sollen. (Foto: VRD/Fotolia)

Bedenken gibt es vor allem daran, dass die Kinder bestimmte deutschsprachige Lieder und Gedichte auswendig können sollen. Es steht aber noch nicht fest, welche das sein werden.

WELS. Die Kindergartenabteilung der Stadt Wels entwarf in den ersten Wochen des neuen Jahres einen "Wertekodex" für Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt. Dieser wird noch mit den Leitern der Kindergärten beraten. "Hintergrund war, dass Landeshauptmann-Stellvertreter Thomas Stelzer angekündigt hat, einen Wertekatalog für Volksschulen zu machen. Daraufhin haben wir entschieden, einen Kodex für Kindergärten zu erarbeiten", sagt Bürgermeister Andreas Rabl, der den Wertekodex in Auftrag gab. Ziel sei es, eine stringente Linie vom Kindergarten bis zur Volksschule zu finden. Der erarbeitete Katalog sei aber nur ein Entwurf. "Mit dem pädagogischen Bundesrahmenplan von 2009 gibt es einen Rahmen, innerhalb dessen wir uns bewegen müssen. Das tun wir mit dem Katalog. Und wir schreiben damit keinem etwas vor", meint Rabl, der den angekündigten Katalog des Landes für Volksschulen abwartet. Dann soll sichergestellt werden, dass sich jener der Stadt Wels für Kindergärten nicht zu sehr davon unterscheidet. Die Bildungsplattform EduCare kritisiert das Eingreifen des Bürgermeisters in die pädagogische Arbeit der städtischen Kindergärten. EduCare-Sprecherin Heide Lex-Nalis bezieht sich vor allem auf den Punkt, dass Kindergartenkinder laut Rabls Kodex mindestens fünf deutschsprachige Lieder und fünf deutschsprachige Gedichte singen beziehungsweise vortragen können sollten. "Das, so meinen wir von der Plattform EduCare, kann kein Bürgermeister vorschreiben!", meint Lex-Nalis, die fortfährt: "In Wels wird künftig nach den Wertvorstellungen des Bürgermeisters gearbeitet. Kindergärten gehören in Bundeskompetenz. Es ist schon schwierig genug, sich in allen Fragen mit jedem einzelnen Bundesland einigen zu müssen. Wenn jetzt aber auch noch die Bürgermeister mitmischen, wird es komplett unübersichtlich." Rabl entgegnet, Lieder und Gedichte seien jetzt schon Bestandteil des Kindergartenbesuchs. "Außerdem ist das nur ein Diskussionspapier. Wenn pädagogische Einwände dagegen kommen, dass eine Zahl drin steht, ist das genauso okay."

"Ein Schlag ins Gesicht"

Um welche Gedichte und Lieder es sich genau handeln wird, ist noch nicht beschlossen. Die Jungen Grünen Wels befürchten, dass dies christliche Lieder sein werden. Dadurch solle das Feiern von christlichen Festen Bestandteil des Kindergartens werden, um Kindern christliches Brauchtum und Tradition näherzubringen. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle atheistischen und andersgläubigen Mitmenschen", verlautbaren die Jungen Grünen. Religion sei auch in Kindergärten Privatsache. Laut Rabl wurde auch bereits diskutiert, ob es sich dabei um religiöse Lieder und Gedichte handeln soll. "Es wird anlassbezogen sein, etwa zum Vatertag, Muttertag, zum Frühling, zu Weihnachten und zu Ostern", sagt der Bürgermeister.
Laut Landeshauptmann-Stellvertreter Stelzer müsse rechtlich geprüft werden, ob mit dem Wertekodex die Rechte der Kinder verletzt werden. Die Stoßrichtung eines Wertekataloges finde er grundsätzlich richtig, doch durch auswendig gelernte Lieder und Gedichte würden seiner Meinung nach keine Werte vermittelt. Grundsätzlich könne er sich vorstellen, den in Arbeit befindlichen Katalog für Volksschulen des Landes OÖ auch auf Kindergärten zu übertragen.
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