06.04.2016, 19:00 Uhr

Marchtrenk führte den "Asyl-Euro" ein

Mit dem "Asyl-Euro" sollen freiwillige Helfer unterstützt und das Lager der Kleiderspenden finanziert werden. (Foto: panthermedia/Wavebreakmedia)

Bürgermeister Paul Mahr sieht die Stadt in der Vorreiterrolle. Wels könnte als erstes nachziehen.

MARCHTRENK/BEZIRK. Mit der Gratis-Unfallversicherung für alle Kinder bis zum 15. Lebensjahr wagte Marchtrenk gemeinsam mit Holzhausen einen Alleingang und erntete dafür Lob. Seit 1. April und vorerst bis Ende Juni läuft das neueste Projekt der bald 14.000 Einwohner zählenden Stadt: der Asyl-Euro. Für jeden aufgenommenen Asylwerber müssen private Unterkunftgeber täglich 50 Cent an die Stadt abtreten. Diese verdoppelt diesen Betrag am Monatsende und unterstützt damit die MSG-Gruppe. "Dies ist eine Struktur der Helfer, die beispielsweise Deutschkurse gibt. Die Zahl an Flüchtlingen in Marchtrenk ist zuletzt innerhalb kurzer Zeit von 20 auf 130 gestiegen. Dadurch sind die Helfer ins Schwimmen gekommen", sagt Bürgermeister Paul Mahr (SPÖ), der fortfährt: "So ist die Idee entstanden, die Quartiergeber in die Pflicht zu nehmen. Sie treten einen Teil des Geldes, das sie von staatlicher Seite erhalten, an die Ehrenamtlichen ab." In Marchtrenk teilen sich die 130 Flüchtlinge auf drei Quartiergebern auf. Einer davon hat eine eigene Vollzeitkraft zur Betreuung der Flüchtlinge angestellt und fällt aus der neuen Regelung heraus. So zahlen die beiden anderen für insgesamt 56 Asylwerber täglich je 50 Cent, welche die Stadt zum "Asyl-Euro" aufstockt. Mit diesen knapp 1700 Euro pro Monat sollen von der MSG-Gruppe Deutschkurse und die Miete für das Kleiderspenden-Lager finanziert werden. "Ansonsten kommen für Asylwerber keine Kosten mehr vonseiten der Stadt hinzu. Sie werden halt aus sozialem Bekenntnis heraus weiterhin unterstützt, wo wir keinen Unterschied machen, ob das ein Asylwerber ist oder ein Urmarchtrenker", sagt Mahr.

Genaue Regelung fehlt

Laut dem Bürgermeister geht es der Stadt bei dieser Aktion zum einen darum, die Helfergruppen zu unterstützen, andererseits möchte er dem Eindruck der Bevölkerung, private Quartiergeber würden sich durch die staatliche Vergütung bereichern, entgegenwirken. Es sei gesetzlich nicht gut aufgelistet, was ein Quartiergeber zu tun hat. Die Stimmung in der Marchtrenker Bevölkerung gegenüber Asylwerbern befindet der Bürgermeister als ruhig. "Unserer Erfahrung nach hat es nie etwas mit den Asylwerbern gegeben. Wir informieren die Bevölkerung rechtzeitig, was wir mit den Flüchtlingen machen", beschreibt Mahr sein Erfolgsrezept. Am 12. Mai findet die nächste Informationsveranstaltung statt. Mahr glaubt, "dass wir beim Asyl-Euro Vorreiter sind und das einige nachmachen werden." Wels-Bürgermeister Andreas Rabl kann sich das schon mal vorstellen: "Ich finde die Idee gut. Es wäre wünschenswert, wenn man das auf eine verpflichtende Basis stellen könnte." Wer Asylwerber unterbringt "und davon profitiert, sollte der Stadt einen Teil der dadurch anfallenden Kosten refundieren." Freiwillige Helfer seien an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen.

Bezirk ist säumig

In zehn von 24 Gemeinden in Wels-Land sind noch keine Asylwerber untergebracht. Nur Sattledt und Lambach erfüllen die vorgesehene Quote von 1,5 Prozent. Die Zahl der aufgenommenen Asylwerber im Bezirk bezeichnet Bezirkshauptmann Josef Gruber als "ausbaufähig". Grund sei, dass die angebotenen Quartiere meist zu klein sind. Die Idee des "Asyl-Euros" gefällt Gruber: "Wenn Quartiergeber und Stadt miteinander dazu beitragen, können mehr Integrationsmaßnahmen finanziert werden."
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