31.08.2016, 08:00 Uhr

"Meist wird erst an Kängurus gedacht"

Robert Polzinger mit seiner Frau Eveline und Sohn Nicolas beim Heimaturlaub in Österreich. (Foto: privat)

Der Offenhausener Robert Polzinger ist seit zehn Jahren Geologe in Kuala Lumpur. Viele Malayen assoziieren Österreich mit Australien.

OFFENHAUSEN/KUALA LUMPUR. Für den Offenhausener Robert Polzinger war lange weder klar, was er als Erwachsener beruflich machen noch wo sein Lebensmittelpunkt sein wird. Jetzt, mit 49 Jahren, lebt er mit Frau Eveline und vierjährigem Sohn Nicolas in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Dorthin zog Polzinger sein Karriereweg. Zunächst begann er, Rechtswissenschaften in Linz zu studieren. "Ich machte gerade den ersten Abschnitt und dachte mir: Mich reizt die Natur viel mehr als das trockene Jus-Studium. Für die spätere Berufslaufbahn war es zwar wertvoll, was ich dort gelernt habe, aber mich interessierte die Geologie", sagt Polzinger. So entschied er sich dazu, Erdwissenschaften in Wien zu studieren. "Ich wusste damals nicht so genau, was daraus irgendwann werden soll. Aber das hat mich schon während der Schule interessiert." Seine berufliche Laufbahn begann sofort im Ausland. "In Österreich gab es nicht viele Interessenten an meinem Lebenslauf", lacht der Offenhausener. So verschlug es ihn zu einem Stuttgarter Ingenieursbüro. Vier Jahre später kehrte er nach Österreich zurück, genauer gesagt nach Salzburg zu Geoconsult. Als Mitglied der Geschäftsführung machte er nach mehreren Jahren Erfahrungen in Vietnam, Indien, Sri Lanka und Südkorea.

Multikulturelle Landschaft

Nach sieben Jahren wechselte Polzinger schließlich zum australischen Unternehmen SMEC nach Melbourne. Er war jedoch vorwiegend bei Projekten außerhalb Australiens tätig. So vergrößerte er seine internationale Erfahrung um jene in Papua-Neuguinea, Pakistan und schließlich Malaysia, wo er seit 2006 die meiste Zeit verbringt. 2009 lernte er seine Frau Eveline kennen, ein Jahr später folgte die Hochzeit und 2011 kam Sohn Nicolas zur Welt. "Er geht dort in einen englischen Kindergarten und lernt von Beginn an die multikulturelle Landschaft kennen, welche Malaysia ausmacht." Trotz der vielen Volksgruppen und Religionen sei es ein sehr friedliches Land. "In Malaysia ist alles viel entspannter als in Österreich. Die Lebensweise ist eine ganz andere. Die Menschen leben viel mehr im Freien, weil ewig Sommer ist. Die Leute sind sehr offen und gehen aufeinander zu. Malayen sind nicht solche Perfektionisten wie wir Österreicher, die auf irgendwelchen Details herumhacken. Könnte sein, dass das am Wetter liegt", lacht Polzinger.

Deutscher Kindergarten in Malaysia

Dennoch gibt es auch vieles, was er an Österreich vermisst. "Die Jahreszeiten gehen einem schon irgendwann ab, so wie die Festlichkeiten, die sich im Kreise der Jahreszeiten abspielen." Zu feierlichen Anlässen kommt die Familie mindestens einmal pro Jahr nach Offenhausen, wo Polzingers Verwandtschaft weiterhin lebt. Eine Rückkehr steht derzeit nicht im Raum. "Das Bildungssystem in Österreich ist super, aber in Malaysia wächst Nicolas international auf. Wir schreiben ihn für einen deutschen Kindergarten ein, damit er später in eine deutsche Schule gehen kann. Aufgrund der britischen Kolonialvergangenheit wird hier fast von jedem Englisch gesprochen, egal welcher Bildungsstand." Österreich kennen jedoch nicht sehr viele: "Meist wird erst Australien verstanden und an Kängurus gedacht. Österreich kennen sie nur, wenn sie viel gereist sind und eine gute Bildung haben."

Große Fußballfans

Lautet der Nationalsport in Österreich Skifahren, so sind dies in Malaysia Squash und Badminton. Die Menschen sind jedoch, ohne selbst eine nennenswerte Fußballkultur zu haben, fußballverrückt. "Die Leute hier interessieren sich für den gesamten europäischen Klubfußball. Fast jeder unterstützt einen Verein wie Liverpool, Real Madrid oder den FC Barcelona. Meine Frau ist Fan von Manchester United. Das ist eigentlich unglaublich." Einen Hauptgrund für das rege Interesse sieht er darin, dass die Malayen sehr gerne Sportwetten abschließen. "Das kommt von der chinesischen Bevölkerung." Neben dem Fußballschauen lässt sich die Freizeit in Malaysia aber auch mit vielen weiteren Aktivitäten gestalten. "Ich gehe gerne ins Fitnesscenter, ansonsten ist das Grüne nie weit weg. Man kann Wanderungen und Spaziergänge machen oder an die Küste fahren. Das Radfahren ist hier jedoch nicht so einfach. Kuala Lumpur ist eine riesige Stadt, die nicht auf alle Bedürfnisse ausgerichtet ist. Auch der öffentliche Verkehr ist nicht so gut ausgebaut." Doch aufgrund eines ausgeprägten Perfektionismus deswegen unzufrieden zu sein, wäre nicht sehr malayisch.


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Christian Koblmiller: Link
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